30.07.2019 - 00:01 Uhr
GuteneckOberpfalz

Gewichtige Stimme für die Heimat

Politik und Landwirtschaft: Auf diesen beiden Feldern ist Johann Wilhelm aus Pischdorf (Gemeinde Guteneck) seit langem zu Hause. Heute besteht für den Bürgermeister und ehemaligen BBV-Kreisobmann Grund zum Feiern: Er wird 70 Jahre alt.

Bürgermeister Johann Wilhelm wird heute 70 Jahre alt. In einem Interview mit der Lokalredaktion äußert er sich auch zu seiner politischen Zukunft.
von Wilhelm Amann Kontakt Profil

Aus Anlass des runden Geburtstages sprach die Lokalredaktion mit dem Jubilar. Das Interview bot Gelegenheit zum Rückblick aber auch zur Vorschau darauf, was Johann Wilhelm in nächster Zeit vor hat.

ONETZ: Was hat sich denn in der Landwirtschaft in der Zeit, in der Sie als Kreisobmann anfingen, bis heute am meisten verändert?

Johann Wilhelm: Der Strukturwandel war damals noch nicht so krass wie heute. In den 20 Jahren, in denen ich von 1997 bis 2017 Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes war, ist er immer stärker geworden. Vor allem die Spezialisierung hat in den Betrieben stark zugenommen. Heutzutage gibt es ja kaum noch Höfe, die auf zwei oder drei Produktionsschienen gleichzeitig fahren.

ONETZ: Was waren während Ihrer Amtszeit die größten Herausforderungen?

Johann Wilhelm: Ich war immer darauf bedacht, die bäuerlichen Strukturen in unserem Landkreis zu erhalten. Das war ganz schwer. Ein großes Anliegen war mir die zentrale Vermarktung in Schwandorf. Wir haben massiv um die Förderung für das neue Tierzuchtzentrum in Schwandorf gekämpft. Unterstützung fand ich dabei bei der damaligen Staatssekretärin Marianne Deml, beim Landtagsabgeordneten Otto Zeitler und bei unserem Bezirkspräsidenten Franz Kustner. Nur mit ihrer Hilfe ist es auch gelungen, die Landwirtschaftsschule in Nabburg zu sichern. Gäbe es sie nicht mehr, wäre heute auch sicherlich das Amt selber nicht mehr in Nabburg.

ONETZ: Sie haben ja doch etliche Landwirtschaftsminister miterlebt. Welcher hat Ihrer Meinung nach das meiste für die Bauern erreicht?

Johann Wilhelm: Das war Ignaz Kiechle. Er hat die Milchquotenreglung ausgesetzt und dann auch die Härtefallregelung eingeführt. Davon haben bei uns viele Landwirte profitiert, weil sie dann doch etliche Liter mehr Milch liefern durften.

ONETZ: Sie haben ja nicht nur CSU-Minister zum Sebastiani-Bauerntag nach Nabburg eingeladen, sondern auch Minister aus anderen Parteien. Ist Ihnen das als CSU-Politiker schwer gefallen?

Johann Wilhelm: Nein, überhaupt nicht. Für mich war immer klar: Es müssen alle Türen offen stehen, es darf keine zugeschlagen werden. Deshalb war es für mich selbstverständlich, dass auch ein SPD-Minister Funke und eine Grünen-Ministerin Künast bei uns willkommen waren.

ONETZ: Zur Politik: Seit 1978 gehören Sie dem Kreistag an. Was waren für Sie da die zentralen Themen?

Johann Wilhelm: Nun zunächst möchte ich sagen, ich habe mit allen drei Landräten kein Problem gehabt. Sie haben sich immer gut für die Landwirtschaft eingesetzt, sowohl als es um den Bau des Tierzuchtzentrums in Schwandorf ging als auch beim Erhalt des Milchhofs im Landkreis oder bei der Ansiedlung der Kartoffelchips-Fabrik in Neunburg vorm Wald. Es gab aber auch ganz schwere Zeiten, vor allem wegen der WAA. Ohne die umstrittenen Vorarbeiten hätten wir heute sicher nicht den Industriepark Wackersdorf. Und ohne die gezeigte Weitsicht des damaligen Stimmkreisabgeordneten Otto Zeitler wären wir im Landkreis nicht als Gewinner aus dieser schweren Zeit hervorgegangen. Die 1,5 Milliarden, die als Ausgleichsmittel geflossen sind, haben wir ihm zu verdanken, ob man es wahrhaben möchte oder nicht. Er war ja auch der politische Ziehvater für viele Kommunalpolitiker der CSU. Seine guten Ratschläge waren auch da immer wichtig, er hat einen nie ins offene Messer laufen lassen.

ONETZ: Hätten Sie sich vor über 40 Jahren vorstellen können, dass sich der Landkreis einmal wirtschaftlich so gut entwickelt?

Johann Wilhelm: Nein, das dachte niemand. Nach dem Ende der BBI in Wackersdorf und der Maxhütte in Haidhof haben wir genau das Gegenteil von dem erreicht, was viele zurecht befürchteten. Es sind immer mehr wichtige Betriebe im Landkreis entstanden. Was natürlich aus der Sicht der Landwirtschaft leider auch zunehmenden Flächenverbrauch bedeutete.

ONETZ: Werden Sie 2020 nochmals für den Kreistag kandidieren?

Johann Wilhelm: Ich habe mich noch nicht entschieden. Aber ich gehe davon aus, dass ich es nicht mehr machen werde. 42 Jahre sollten reichen. Wichtig wird es sein, gute Repräsentanten der Landwirtschaft für eine Kandidatur zu gewinnen. Denn Vertreter der Bauern sollten unbedingt auch weiterhin dem Kreistag angehören, zumal unser Landkreis ja doch immer noch ländlich geprägt ist.

ONETZ: Zu Ihrer Heimatgemeinde: Sie sind 2008 Erster Bürgermeister in Guteneck geworden. Was hat sich seither zum Positiven verändert?

Johann Wilhelm: Ja, ich bin 1990 in den Gemeinderat gekommen, war dann bis 1996 Dritter und bis 2008 Zweiter Bürgermeister, bevor ich zum Ersten Bürgermeister gewählt wurde. Wir haben Projekte, die sich in Zehn-Jahres-Dimensionen bewegen. Ich denke da an die Flurbereinigung oder die Dorferneuerung. Auch mit dem Mobilfunk-Masten war es so: Zum Glück haben wir einen privaten Investor gefunden, der den Masten baute und ihn dann an Telekom und Vodafone vermietet. Er steht ja inzwischen auf dem Herrnberg und soll dann im September in Betrieb gehen, so dass dann das Handy-Netzloch geschlossen sein dürfte. Das war lange Zeit für uns ein wirtschaftlicher Nachteil, aber auch ein Imageschaden. Denn die vielen Besucher der Großveranstaltungen auf dem Schloss konnten mit ihrem Handy hier nichts machen. Aber die großen Telekommunikationsunternehmen hat es gar nicht interessiert, dass wir im Jahr rund 100 000 Besucher in der Gemeinde haben. Da hat man mir nur gesagt: 'Die haben ja schon alle ein Handy.'

ONETZ: Wie kommen Sie bei den anderen Projekten voran?

Johann Wilhelm : Bei der Dorferneuerung haben wir ja am Schlossberg schon einiges gebaut. Da haben wir auch einen Kinderspielplatz und den Wanderparkplatz gefördert bekommen, der sowohl von einheimischen Radlfahrern als auch bei Touristen gut angenommen wird. Bei der Flurbereinigung läuft der Wegebau. Wir haben das ehemalige Schulhaus in Guteneck saniert, und sind da noch nicht ganz fertig. Und wir brauchen ein neues Baugebiet. Denn unsere Bauplätze sind ziemlich alle weg. Aber da zeichnet sich in Weidenthal was ab. Da könnten 15 neue Parzellen entstehen. Wir wollen unbedingt unsere jungen Leute hier halten, denn wenn sie mal weg sind, sind sie meistens für immer weg. Wichtig ist da auch, dass wir einen Kindergarten haben und die Grundschule erhalten konnten. Wir reden nicht nur über kurze Beine, kurze Wege - wir führen das auch aus. Da kommen wir mit Rektor Häusler gut klar. Wir setzen da, wie auch bei anderen Themen, auf gute Zusammenarbeit und können nicht mit dem Kopf durch die Wand.

ONETZ: Treten Sie bei der nächsten Bürgermeisterwahl wieder an?

Johann Wilhelm: Gesundheitlich geht es mir jetzt Gott sei Dank wieder gut. Da hatte ich bei meinem 50. Geburtstag mehr Probleme. Wir haben in Guteneck einen Top-Gemeinderat, der keine Spitzfindigkeiten sucht. Bei uns wird auch mal heftig diskutiert, aber wir arbeiten alle zusammen, und so bringen wir auch was voran. Da fällt es einem schwer aufzuhören. Endgültig festgelegt habe ich mich noch nicht: Aber ich kann mir vorstellen, dass ich es schon nochmals machen würde, wenn ich gefragt werde.

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