24.05.2019 - 16:58 Uhr
GuteneckOberpfalz

Kläranlage braucht teure Kur

Im Härtefall gibt es einen Zuschuss, doch die Investitionen sind enorm. Betroffen hören die Gemeinderäte von Guteneck und Altendorf, was bei der Sanierung der gemeinsamen Kläranlage auf sie zukommt.

Die Gemeinderäte von Guteneck und Altendorf mit den Bürgermeistern Johann Wilhelm (stehend) und Georg Köppl (Mitte) stehen bei der Sanierung der gemeinsamen Kläranlage vor einer schwierigen Entscheidung.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Seit 20 Jahren verfügen die Gemeinden Altendorf und Guteneck über eine gemeinsame Kläranlage. So lange ist es her, dass beide Gremien gemeinsam an einem Tisch saßen. Jetzt hat die sanierungsbedürftige Anlage zur Abwasser-Reinigung erneut eine gemeinsame Sitzung erforderlich gemacht. Claudia Scharnagl vom Ingenieurbüro UTE in Regensburg lieferte Informationen über die Defizite der Anlage und Umbauvarianten.

Handlungsbedarf besteht vor allem deshalb, weil die Kläranlage nicht mit dem Stickstoff fertig wird, der hier mit dem Abwasser ankommt. Schon 2006 musste der vorgegebene Grenzwert von 18 auf 25 Milligramm pro Liter angehoben werden, doch in den vergangenen Jahren hat sich die Situation extrem verschlechtert. "Wir liegen jetzt bei einem Wert von circa 55 Milligramm pro Liter", berichtet Bauamtsleiter Thomas Prey von der Verwaltungsgemeinschaft Nabburg gegenüber Oberpfalz-Medien, "die Kläranlage kriegt das nicht in den Griff". Anders als bei Kohlenstoff klappt hier die Elimination des Stickstoffs so gut wie gar nicht. Bei dieser Größenklasse der Kläranlage gibt es zwar eine grundsätzliche Verpflichtung, für die Stickstoff-Elimination zu sorgen, ein gesetzlicher Grenzwert ist aber nicht gefordert. Aber die Schwachstelle der Anlage hat finanzielle Konsequenzen: Weil der im Wasserrecht festgesetzte Bescheidswert nicht eingehalten wird, gibt es keine Befreiung von der Niederschlagswasser-Abgabe, und die beiden Kommunen müssen jährlich 5000 bis 6000 Euro für das Wasser mit der unerwünschten Fracht zahlen, das in die Schwarzach fließt.

Keine Schwarzen Schafe

"Die hohen Stickstoff-Werte kommen nicht aus einem einzigen Teileinzugsgebiet, sondern eigentlich überall her", ergänzt Prey. Schwarze Schafe habe man da nirgendwo ausmachen können, man habe die Proben mehrfach überprüft - mit immer dem gleichen, ungünstigen Ergebnis. Auf der Suche nach den Ursachen für dieses Manko wurde festgestellt, dass die Anlage eigentlich von der Dimension her ausreichen würde, allerdings nur beim Kohlenstoff. Außerdem wurde deutlich, dass der Rotationstauchkörper seine zu erwartende Lebensdauer von 15 Jahren bereits um 5 Jahre überschritten hat. Weil wenig Regen im Kanal landet, wird das Abwasser kaum verdünnt, die Reinigungsleistung noch schlechter. "Das Wasser fault teilweise auf dem Weg zur Kläranlage, das macht den Prozess noch schwieriger", so Bauamtsleiter Prey.

Der Rat der Experten vom Ingenieurbüro ist deshalb eindeutig: Hier ist dringender Handlungsbedarf zur Ertüchtigung der Anlage geboten. Das Regensburger Ingenieurbüro wartete bei der Sitzung mit drei Varianten auf. Die Umrüstung auf ein Belebungsbecken mit Neubau eines Nachklärbeckens würde Investitionen in Höhe von rund 1,45 Millionen Euro erforderlich machen. Ohne Nachklärbecken, aber mit Lamellenklärer und Belebungsbecken würde die Sanierung rund 1,02 Millionen Euro kosten, bei einer Ertüchtigung der Bestandsanlage kämen 709 000 Euro auf die Gemeinden zu. Diese Informationen müssen die Gemeinderäte nun erst einmal verdauen. "Wir waren wie erschlagen", kommentiert der Gutenecker Bürgermeister Johann Wilhelm am Tag nach der Sitzung die Einschätzung der Fachleute, "das Problem ist, dass bei uns und in Altendorf derzeit noch so viele andere Maßnahmen laufen".

Info-Tour geplant

Vor einer Entscheidung werde man sich zunächst bei anderen Kommunen mit ähnlichen Maßnahmen umsehen, kündigte er an. Auch bei der Verwaltung will man noch ein letztes Mal Messungen zur Ursachenforschung für die hohen Stickstoffwerte vornehmen, bevor es an die Kostenkalkulation geht. "Die Bürger müssen wohl zahlen, daran führt kein Weg vorbei", bedauert der Bauamtsleiter mit Blick auf die zwingend kostendeckende Einrichtung. Ob das über höhere Gebühren oder einen Festbetrag in Raten erfolgt, ist offen.

Info:

Drei Varianten

Die teuerste Variante für die Kläranlage von Guteneck und Altendorf sieht eine Umrüstung auf ein Belebungsbecken mit Neubau eines Nachklärbeckens vor. Die Vorteile laut Ingenieurbüro: Flexibilität bei der Reinigungsleistung, Einhaltung der Bescheidswerte, Räumung von Teich und Absetzbecken entfällt, und die Werte können zukünftig auch bei erhöhten Anforderungen in Bezug auf Stickstoff eingehalten werden. Durch Auflassung des Teichs bleiben 1700 Quadratmeter an nutzbarer Fläche übrig. Kosten: Rund 1,45 Millionen Euro bei Betriebskosten von rund 75.000 Euro

Auch bei Variante 2 (Belebungsbecken mit zusätzlichem Lamellenklärer) ist ebenfalls Flexibilität gegeben, die Werte können eingehalten werden, ein Absetzbecken erübrigt sich. Allerdings ist nach wie vor eine Räumung des Klärteichs erforderlich, Ablaufwerte können sich durch den Klärteich wieder verschlechtern, und die Klärschlammentsorgung durch den Zweckverband Thermische Klärschlammverwertung Schwandorf ist in diesem Fall nicht gesichert. Kosten: rund 1,02 Millionen Euro bei Betriebskosten von rund 79000 Euro.

Die thermische Verwertung ist auch ein Problem bei Variante 3 (Ertüchtigung der Bestandsanlage). Weitere Nachteile: nahezu keine Flexibilität bei der Reinigungsleistung, regelmäßige Räumung von Klärteich und Absetzbecken notwendig, Verschlechterung der Ablaufwerte durch den Klärteich, Reinigung teilweise nur durch Verdünnung des Abwassers, weiterhin Zahlung von Niederschlags-Wasserabgabe und von erhöhter Abwasserabgabe sowie aufwendiger Austausch der Tauchkörper nach 15 Jahren. Kosten: 709.000 Euro bei Betriebskosten von rund 86.000 Euro

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