24.05.2020 - 12:41 Uhr
GuteneckOberpfalz

Trefnitz sogar älter als München

Das kleine Trefnitz ist älter als München: Zu diesem Schluss kommt Kurt Engelhardt, Kreisheimatpfleger für Archäologie. Die Gegend war nicht nur Siedlungsort der Slawen im Frühmittelalter: Hier lebten bereits vor Christi Geburt Menschen.

Matthias Seegerer zeigt stolz das von ihm entdeckte Mahlsteinstück, das er dem Nabburger Stadtmuseum übereignete.
von Claudia Völkl Kontakt Profil
Eine große Fläche wurde für die erste archäologische Untersuchung bei Trefnitz im September 2018 abgeschoben.

Kurt Engelhardt hat Glück: Er kann auf Matthias Seegerer setzen, ein Trefnitzer mit einem Auge für archäologische Funde, und auf Helfer wie Thomas Frömel und Walter Wolf. Ein Haupttreffer war bekanntlich die Entdeckung der Familie Seegerer: Eine slawische Drehmühle samt Kumpf belegten, dass Trefnitz im achten Jahrhundert nach Christi von diesem Volksstamm besiedelt war.

In Namibia und Tibet

Handdrehmühlen sind heute noch in Namibia und Tibet im Gebrauch. Für oberpfälzer Breiten gilt, "dass solche Handmühlen bevorzugt in slawischen Haushalten des Frühmittelalters verwendet wurden", weiß Engelhardt. Matthias Seegerer hob nach dem Fund der 80er Jahre im Jahr 2017 erneut ein großes 6850 Gramm schweres Bruchstück in der Flur "Spitzenwies" aus dem Erdreich. Ein Spinnwirtel gibt darüber hinaus den ersten Hinweis auf eine Besiedlung dieses Bereichs weit zuvor: in der Eisenzeit (also der Hallstatt- und der Latènezeit, 750 v. Chr. bis etwa Christi Geburt).

Da muss noch mehr sein, dachte sich Engelhardt. Es stieß nicht weit von der Kreisstraße SAD 34 auf insgesamt sieben kleine Bruchstücke von Silexknollen, die aus dem Jura stammen, also "eingeführt" worden sein müssen. Aus diesem Material fertigten steinzeitliche Jäger Werkzeuge, Jagdgeräte, solche zur Fleisch- und Fellbearbeitung sowie Waffen. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege geht davon aus, dass man es hier mit einer mesolithischen Freilandstation (8000 bis 5000 v. Chr. ) zu tun hat. Die in dieser Epoche lebenden Menschen errichteten noch keine festen Siedlungen, sondern zogen auf der Suche nach Fischfang- und Jagdgründen als Nomaden umher. "Man kann deshalb in dieser Epoche auch nicht von einer Besiedlung von Trefnitz sprechen", erläutert der Kreisheimatpfleger.

Weitere Funde lassen sich allerdings eindeutig in die Eisenzeit einordnen. Engelhardt hebt einen besonders schönen Fund aus der Spätlatènezeit (ab 200 v. Chr.) hervor. Was auf den ersten Blick wie ein Stück von einem Wasserrohr aussah - es war beim Bau eines Güllebehälters in der Ortsmitte, unmittelbar gegenüber dem Hofanwesen der Seegerers vom Bagger zutage gefördert worden - war das Teilstück eines Gebrauchsgefäßes aus Graphitton, außen mit einer Kammstichverzierung versehen. "Wahrscheinlich handelte es sich um einen Kochtopf", meint Engelhardt. Seinen dritten eisenzeitlichen Fund förderte er zwischen Kreisstraße SAD 34 und dem Gleiritscher Weg zutage: Fünf Keramikscherben aus Graphitton, die aus der Latènezeit (450 v. Chr. bis Christi Geburt) stammen.

"Wir können also an dieser Stelle festhalten, dass Trefnitz mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon in der Eisenzeit, die auch gerne die Zeit der Kelten genannt wird, also zwischen dem 8. Jahrhundert v. Chr. und Christi Geburt, besiedelt war. Es ist damit älter als unsere Landeshauptstadt München".

Alter Hausgrundriss

Kurt Engelhardt bedauert sehr, dass wider besseren Wissens bei einer Baumaßnahme über einem ausgewiesenen Bodendenkmal in der Flur "Klumpsenäcker" Oberboden abgeschoben wurde. Die archäologische Sondagen durch zwei Fachfirmen brachten dann immerhin noch Pfostengruben und Stakenlöcher hervor. Engelhardt schließt auf den teilweisen alten Grundriss eines Hauses. Die Zeitstellung dieser Besiedlung bleibt allerdings unklar. Sicher ist nur, dass sie in die Vor- oder Frühgeschichte zu datieren ist, am wahrscheinlichsten in das 8. und 9. Jahrhundert nach Christus.

Der Kreisheimatpfleger fasst zusammen: Der Nordosten von Trefnitz dürfte den Funden nach zu schließen bereits in vorgeschichtlicher Zeit, spätestens in der Latènezeit, besiedelt gewesen sein, außerdem im Frühmittelalter, spätestens im achten oder neunten nachchristlichen Jahrhundert.

Für Engelhardt ist das lange nicht das Ende der Fahnenstange: Matthias Seegerer fand beim Ackern eine Reihe von unterschiedlich alten Hufeisen. Darunter befindet sich mindestens ein "Wellenrandhufeisen", das ins 11. oder 12. Jahrhundert n. Chr. datiert und wahrscheinlich auch eines oder zwei sogenannte "Hussiteneisen" aus dem frühen 15. Jahrhundert. Man darf auf Engelhardts nächste ärchäologische Abhandlung gespannt sein.

Die fünf anpassenden Fragmente der großen, dickwandigen Graphittonscherbe mit Kammstrichverzierung und Flickloch, die Matthias Seegerer gegenüber seines Anwesens entdeckte.
In etwa diese Form könnte das 30 bis 40 Zentimeter hohe Gefäß, das annähernd dieselbe Breite aufwies, gehabt haben.
Info:

Heimat Nabburg

Wer sich für die Ortsgeschichte von Trefnitz aus archäologischer Sicht interessiert: Zu finden in der Beitrag in der "Heimat Nabburg", der heimatkundlichen Serie des Nabburger "Forums".

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