05.07.2019 - 14:47 Uhr
Guttenberg bei KemnathOberpfalz

Glaube ähnlich wie ein Fahrrad

Ein besonderer Anlass war mit dem Patrozinium der dem heiligen Ulrich geweihten Kapelle in Guttenberg verbunden. Konnte doch der Radfahrerverein Concordia auf 30 Jahre seit der Wiedergründung zurückblicken.

Die Vereine ziehen vom Dorfplatz zur Ulrichskapelle, wo Pfarrer Heribert Stretz den Gottesdienst zum Patrozinium zelebriert.
von Hans LukasProfil

Vor der Messe formierte sich auf dem Dorfplatz ein langer Zug von Vereinen aus der Pfarrei und vom Radfahrerverein Concordia Reuth mit den Ehrengästen zum Kapellenplatz. In der Predigt ging Pfarrer Heribert Stretz die erste Gründung von Concordia Guttenberg im Jahr 1923 zurück. Die Originalvereinsfahne, die den Zweiten Weltkrieg schadlos überstanden hat, sei ein bemerkenswertes Zeugnis für die Opferbereitschaft und den Zusammenhalt der ehemaligen Dorfbewohner in der schweren Zeit nach dem Ersten Weltkrieg.

Auch wenn es den Verein zeitweise nicht mehr gab, blieb die Hoffnung auf Wiederbelebung der Concordia in den Herzen der Guttenberg immer wach. Patronin der Radfahrer ist die Madonna del Ghisallo. Ihre Kapelle steht nahe Magreglio in der norditalienischen Provinz Como. Der Legende nach wurde Graf Ghisallo einst dort von Räubern überrascht. In größter Not entdeckte er ein Bild von Maria, hinter dem er sich versteckte. Während er betete, gingen die Angreifer vorbei, so dass er entkommen konnte.

Im Laufe der Jahre legten mehr und mehr Radfahrer in Magreglio eine Pause für ein Gebet ein. Das brachte den dortigen Pfarrer Ermelindo Vigano nach dem Zweiten Weltkrieg auf die Idee, die Kapelle dem Radsport zu weihen und die Jungfrau Maria als Hauptschutzpatronin der italienischen Radfahrer segnen zu lassen. Papst Pius XII. ernannte daraufhin am 13. Oktober 1949 die Madonna del Ghisallo ganz offiziell zur Schutzpatronin der Radfahrer.

Nach dem Selbstverständnis der Concordia soll Radfahren so sein, dass auch Kinder mitfahren können. Diese werden ab sechs Jahren als Mitglieder aufgenommen. Laut Stretz besagt der Vereinsname Concordia, dass es wichtig ist, eines Sinnes zu sein und in Eintracht das gesteckte Ziel zu erreichen. "Eintracht ist eine christliche Grundhaltung."

Der Glaube habe ebenfalls zwei Räder, meinte der Seelsorger. Als Christen werden wir ebenfalls doppelt gehalten. Das Vorderrad sei der Kontakt zu Gott, das Gebet, das Lesen und das Verstehen der Bibel. Das Hinterrad sei die Gemeinschaft mit anderen Menschen und das Miteinander in der Kirche. Das Rad habe einen Lenker, und das sei im Glauben die Beziehung zu Gott. Er gebe dem Leben die Richtung.

Die Bremsen verglich Stretz mit den Zehn Geboten. Die ersten drei Gebote würden für das Vorderrad gelten und besagen: Brems dich, wenn dir deine Termine keine Zeit lassen, den Namen Gottes im Gebet auszusprechen, oder wenn dir dein Arbeitseifer auch am Sonntag keine Ruhe lässt. Bei den übrigen Geboten gehe es um das Verhältnis zu den Mitmenschen. Hier gelte es ebenfalls zu bremsen, wenn falsche Wege die Familie in Gefahr brächten, gerne die Wahrheit ein wenig verändert werde und wenn Neid Beziehungen zerstöre.

Der Lebensweg sei nicht immer eine Einbahnstraße. Es gebe Streckenabschnitte, die recht steil und mühsam seien und einem einiges abverlangten. Bewusst Rad zu fahren bringe den Menschen mit sich selber, mit der Schöpfung, mit Gott und untereinander in inneren Einklang und Harmonie. Stretz schloss seine Predigt mit einem Zitat des ehemaligen US-Präsidenten John F. Kennedy: "Nichts ist vergleichbar mit der einfachen Freude, Rad zu fahren."

Den Festgottesdienst begleiteten der Volksgesang und Christoph Dumler am Keyboard. Nach dem Schluss- und Wettersegen sowie zwei Strophen der Bayern-Hymne erfolgte der gemeinsame Zug zum Dorfplatz.

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