20.05.2019 - 17:44 Uhr
HahnbachOberpfalz

111 Jahre Hahnbacher Burschen: Ein Fest der Superlative

Kilometerlang, aus fast 80 Vereinen gebildet, die bis aus Dachau, Ingolstadt oder dem Fichtelgebirge kamen: Der Festzug zum 111-Jährigen des Hahnbacher Burschenvereins war aber nicht der einzige Knüller zum Abschluss der Festtage.

Die Fahnenträger der 80 Vereine werden im Festzelt begeistert gefeiert.
von Autor MMAProfil

Höhepunkt des 111-Jährigen beim Katholischen Burschenverein (KBV) Hahnbach war der Sonntag. Nach dem Eintrag ins Goldene Buch des Marktes im Rathaus zogen bereits 14 Vereine mit Bannern und Fahnen zum Festgottesdienst zur St.-Jakobus-Pfarrkirche. KBV-Mitglieder ministrierten und dienten Präses und Ortspfarrer Christian Schulz und Ehrenpräses Pfarrer Thomas Eckert als Lektoren. Trompetenklänge von Jakob Hofmann und Regina Rester-Achhammer, Renate Werner an der Orgel und die Gruppe Eviva begleiteten den Gottesdienst.

Pfarrer Schulz erinnerte an die KBV-Gründung unter Pfarrer Maximilian Knerr, bei der man feierlich versprochech habe, "Glaube, Sitte, Berufstüchtigkeit, Heimatliebe, Frohsinn und Scherz treu und redlich zu fördern". Mit den gesegneten drei Fahnenbändern ging es anschließend mit den Marktbläsern unter Benno Englhard zur Festwiese. Unter anderem mit dabei: der Patenverein Aschach und als ältestes Mitglied mit 87 Jahren Toni Platzer.

Präses Pfarrer Christian Schulz segnet beim Festgottesdienst die Fahnenbänder

Vorsitzender Lukas Götz erinnerte an die Anfänge des Vereins und die Bedeutung seiner Farben. So stehe Grün für Hoffnung, Weiß für Freude und Rot für Nächsten- und sogar Feindesliebe. Auch weiterhin wolle man die Gemeinschaft fördern und das christliche Erbe pflegen. Rauch betonte, man sei "mit Fug und Recht darauf stolz, was auf die Beine gestellt wurde". Dies beweise, "Hahnbach steht zusammen".

Auch Pfarrer Schulz betonte, dass er stolz auf den KBV sei. Bürgermeister und Schirmherr Bernhard Lindner, Ehrenpräses Thomas Eckert, der stellvertretende Landrat Hans Kummert und Erich Übler von der Raiffeisenbank schwärmten von einem "super gelungenen Fest". Für den Patenverein Aschach sprach Vorsitzender Fabian Pemp von einer "riesengroßen Ehre". Ein Höhepunkt war die Ernennung von Florian Rauch zum Ehrenmitglied des KBV. 16 Jahre, davon 9 Jahre im Vorstand, habe er sich um den Verein besondere Dienste erworben. Minutenlanger Applaus im Festzelt stimmte dieser einstimmig beschlossenen Ehrung zu.

Der Patenverein Aschach freut sich über ein Kruzifix für seinen neuen Vereinstadel und ein Fahnenband.

Im Anschluss formierte sich ein kilometerlanger Festzug mit fast 80 Vereinen. Dazwischen spielten der Musikverein Vilseck, die Blasmusik Gebenbach und der Musikzug Hirschau auf. Die Gebenbacher Fahnenschwinger bekamen viel Applaus. Den gab es auch für witzige Einlagen der Vereine. Beim Einzug ins Festzelt standen die Hahnbacher Honoratioren, der KBV und die Festdamen Spalier. Im Festzelt warteten bereits Grögötz Weißbir mit Florian Gröninger, Bastian Prechtl, Sebastian Schöpf, Johannes Köbler und Kathl Strobl. Christian Seifert und Tobias Christau hießen die schwingenden Fahnenträger aller Vereine unter viel Applaus willkommen. Im Festzelt wurde noch bis in den Abend hinein gesungen und geschunkelt.Weitere Bilder im Internet: www.onetz.de/2729202

Die Farben der Burschen

Kilometerlanger Festzug

Die KBV-Vorsitzenden Lukas Götz und Martin Wawersig übereichen Florian Rauch (links) die Urkunde zur Ehrenmitgliedschaft.
Der KBV beim Festzug am Sonntagnachmittag.
Den Festzug führte der 87- jährige Toni Platzer, alias Schneinderkannes, als ältestes Mitglied des Hahnbacher KBV im Cabrio an.
Hintergrund:

Was nicht im Programm stand

Kümmersbucher fragten sich bei Festen immer wieder, warum sie nicht mit der Zille heimfahren: Keine Angst vor Führerscheinverlust, kein anstrengendes Radeln, nur vilsabwärts gleiten mit dem Boot. Beim Aufbau für das Burschen-Jubiläum machten sie Nägel mit Köpfen: Die beiden bestiegen die Zille, flott ging es Richtung Heimat. Als aber einer einschlief (er hatte sehr viel gearbeitet), kam der Kahn aus dem Gleichgewicht. Es dauerte nicht lange, da fiel der zweite Bootsmann in die sehr kalte Vils – und war „mit einem Schlag nüchtern“. Beide kamen trotzdem relativ „heil an Leib und Seele“ an – nur „etwas verspätet“.

Nicht schlecht gestaunt haben die ersten Aufräumer am Sonntagmorgen, als zwei Pferde vor dem Zelt grasten. Jemand hatte das Gatter einer nahen Koppel geöffnet und die Tiere gingen auf Wanderschaft. Gut, dass nicht mehr passiert ist: Die B 14 führt am Festzelt vorbei.

Den Leupoldsdorfern, die im Festzelt als die „grünen Stimmungsmacher“ allabendlich ins Auge fielen, wurde ihr grünes Banner gestohlen. Noch am Sonntag hofften sie auf ein Schreiben zur Auslöse – vergebens. Nun vermuten sie, dass ihr Vereinszeichen eine private Trophäe ist. Aber manches taucht ja doch irgendwie irgendwo wieder auf.

Gestohlen wurde auch das Vereinsschild der Kirwaleit von Axtheid-Berg. Diese erhielten eine Forderung zur Auslöse. Da ihnen die aber völlig überhöht vorkam, schlugen sie das Angebot aus und werden nun wohl „a nejs Daferl schnitzn laoa“.

Aus Wiedenzhausen bei Dachau waren übermütige Jungs angereist. Einer davon legte – angeblich auf der verzweifelten Suche nach einer Verehrerin – in der Bar eine Art Striptease hin, der, so die Aussage von Augenzeugen, „weit genug ging“. Aber welche Enttäuschung: Keine Maid ließ sich vom Waschbrettbauch bezirzen. Ein weiterer Kamerad der Gruppe war offensichtlich noch verzweifelter und landete mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus. Am Sonntag aber „hat er schon wieder etwas runterbracht“, erklärten seine Kumpels. Fünf der Herrschaften gerieten später noch in Sulzbach-Rosenberg in einer Disko mit einer Gruppe von 18 „Gegnern“ in einen handfesten Streit. Aber niemand trug auch nur ein blaues Auge davon.

Als die Fahnen schwingend einzogen, bekam eine der Festdamen eine Fahnenstange auf die Nase, die daraufhin heftig zu bluten anfing. Aber der jungen Frau, so wird versichert, wird kein größerer Schaden bleiben.

Einer der Festbesucher meinte, bei einem anderen Verein hätte man sich im Vorfeld, nicht nur wegen der vielen Arbeit, sicher zerstritten und mindestens zehn Austritte als Folge gehabt. Aber beim Burschenverein gab es sogar einige Eintritte aufgrund der dort erlebten Kameradschaft.

111 Jahre Burschenverein Hahnbach

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