19.11.2018 - 17:06 Uhr
HahnbachOberpfalz

Ikea-Katalog als Brotzeitbrett

Unfallverhütung, Hygiene im Haushalt oder Ernährung im Alter - die Grundausbildung "Effektive Haushaltsführung" umfasst viele Themen. Nach 20 Unterrichtsstunden gibt es sogar ein Zertifikat.

Ingrid Götz (Mitte) erklärt den zehn Teilnehmern der Grundausbildung "Effektive Haushaltsführung" der AOVE-Koordinationsstelle "Alt werden zu Hause" was sie erwartet.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

"Besonders wichtig ist das Gefühl der Wertschätzung für die älteren Menschen", erklärte Ingrid Götz den Teilnehmern der hauswirtschaftlichen Grundausbildung "Effektive Haushaltsführung" der AOVE-Koordinationsstelle "Alt werden zu Hause". Die 39-Jährige hat als Krankenschwester gearbeitet, bevor sie den Beruf der Familie zuliebe aufgab und in die Hauswirtschaft ging. Erfahrung mit pflegebedürftigen Personen hat sie aber nicht nur wegen ihres Berufs. "Ich stamme vom Bauernhof, da kümmern sich die Jüngeren um die Älteren", erzählte sie den Anwesenden.

Rund um den Haushalt

Zehn angemeldete Teilnehmer und AOVE-Mitarbeiterin Monika Schedl waren im Hahnbacher Rathaus zusammengekommen. Unter die Frauen mischte sich auch ein junger Mann. Allesamt interessierten sich, entweder aus privaten oder beruflichen Gründen, für das Thema. Die Grundausbildung kann als hauswirtschaftlicher Teil der Qualifizierung für Angestellte im Bereich haushaltsnaher Dienstleistungen entsprechend der gesetzlichen Verordnung anerkannt werden. Diese wird benötigt, damit zusätzliches Pflegegeld freigegeben wird. Den Zuschuss gibt es dabei nur, wenn die Pflege zu Hause durch einen "Dienstleister" mit entsprechender Qualifizierung erbracht wird. "Mich interessiert vor allem wie ich meinen Haushalt "effizient" führen kann", sagte eine Teilnehmerin. "Ich hab einfach das Gefühl, man wird nie fertig und etwas verbessern lässt sich im Haushalt immer", erzählte eine andere Frau mit einem Schmunzeln.

Der Kurs umfasst insgesamt 20 Unterrichtseinheiten mit je 45 Minuten, die sich über fünf Termine erstrecken. Gemäß den vorgeschriebenen Richtlinien sind die Kursinhalte: Biografiearbeit und hauswirtschaftliche Betreuung, Hygiene im Privathaushalt, Gesundheitsschutz der Mitarbeiter, Unfallverhütung, Reinigung im Privathaushalt, Textilpflege, Ernährung im Alter und ein Abschlussgespräch, bei dem den Teilnehmern auch Bescheinigungen ausgestellt werden.

Wäsche heikles Thema

Thema der ersten Sitzung sind vor allem die Biografiearbeit und die Gewohnheiten der betreuten Personen. "Ich hab da schon einiges erlebt, auch den Ikea-Katalog als Brotzeitbrettchen", erzählte Götz. Andere Teilnehmer, die auch schon in der Pflege gearbeitet haben, stimmten ihr zu: "Da gibt es ganz spezielle Vorlieben. Wie jemand sein Hemd knöpft zum Beispiel, bevor er es in den Schrank legt. Wäsche ist ein heikles Thema." Götz betonte, wie wichtig es sei, den Dienstleistungsgedanken zu verinnerlichen: "Es muss klar sein, für was ich zuständig bin und für was nicht. Kommunikation und Planung sind das Wichtigste - auch bei der Angehörigen-Pflege."

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Selbstschutz: "Machen sie so viel wie möglich im Sitzen und achten sie auf frische Luft und gutes Licht." Doch der vielleicht wichtigste Punkt ist gleichzeitig auch der Einfachste: "Oft ist es aber auch einfach nur da sein, lächeln und zuhören, was den Leuten besonders wichtig ist. Sie sollen merken: Ich werde nicht vergessen", resümierte Götz.

Ingrid Götz (Mitte) erklärt den zehn Teilnehmern der Grundausbildung "Effektive Haushaltsführung" der AOVE-Koordinationsstelle "Alt werden zu Hause" was sie erwartet.

 

 

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