26.01.2020 - 15:46 Uhr
HahnbachOberpfalz

Ilse Aigner in Hahnbach: "Wir können in Frieden leben"

Stehende Ovationen begleiteten sie schon bei ihrem Einzug in den Ritter-Saal. Applaus sollte Ilse Aigner an diesem Abend noch öfter ernten. Die Landtagspräsidentin war Festrednerin beim Neujahrsempfang der CSU Amberg-Sulzbach in Hahnbach.

Musikalisch gaben die Hahnbacher Marktbläser den Ton beim Neujahrsempfang der Amberg-Sulzbacher CSU an. Der Saal des Gasthauses Ritter platzte angesichts des Andrangs wenige Wochen vor der Kommunalwahl fast aus seinen Nähten. Neben einer Vielzahl von Kandidaten hatte sich auch eine ganze Reihe „Andersgläubiger“ – also Nicht-CSU-Mitglieder – eingefunden, wie Landrat Richard Reisinger es formulierte.
von Erich Lobenhofer Kontakt Profil
Menschen mitnehmen – das hat sich Ilse Aigner nicht nur an die Fahnen geheftet, sondern auch versucht.

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CSU-Kreisvorsitzender Harald Schwartz hatte die ehemalige stellvertretende Ministerpräsidentin in der Anmoderation als ausgleichenden Pol im Maximilianeum vorgestellt, in Zeiten, in denen sich im Parlament viel geändert habe. Ohne sie namentlich zu nennen, zielte der Landtagsabgeordnete auf die AfD. Das Verhalten und Benehmen von deren Vertretern seien dazu angetan, sich um 70 bis 80 Jahre in der Zeitrechnung zurückversetzt zu fühlen. Stünde dem nicht Ilse Aigner als Landtagspräsidentin, sondern ein Scharfmacher gegenüber, "dann hätten wir sehr schnell Szenen, wie wir sie in Deutschland bisher nicht kennen". Nicht zu letzt auch vor diesem Hintergrund plädierte Schwartz angesichts der anstehenden Kommunalwahlen dafür, den "Fuß a bisserl vom Gas zu nehmen".

Hahnbachs Bürgermeister und Hausherr Bernhard Lindner hieß die Landtagspräsidentin mit Blumen willkommen, freute sich über das schon 20 Jahre währende Zusammenspiel mehrerer Kommunen in der AOVE und kündigte für den 14. Februar die Einweihung der neuen Bücherei an. Danach räumte er den Platz auf der Bühne für den hohen Gast.

Ilse Aigner ihrerseits bekannte schmunzelnd, dass ihr Hahnbach am Herzen liege. Schließlich habe sie bei ihrem letzten Besuch vom Bürgermeister ein Zirbelkissen bekommen, "das seither bei mir im Bett liegt". Nach obligatorischen Neujahrswünschen an alle in dem zum Bersten gefüllten Wirtshaussaal stimmte die Festrednerin das hohe Lied auf die Leistungen von Menschen im Ehrenamt an. Dass es in unserem Land so viele davon gibt, bezeichnete sie als "großen Schatz".

Und der leiste auch seinen Beitrag dazu, dass wir zufrieden leben können, denn: "Es geht uns doch gut. Es gab noch keine Generation, der es so gut gegangen wäre wie uns." Das gelte gerade auch für die Oberpfalz mit der geringsten Arbeitslosenquote von ganz Bayern. "Und wir können in Frieden leben."

Geprägt von einem Auschwitz-Gedenken mit Schilderungen von Zeitzeugen Stunden zuvor in Passau warb Aigner dafür, diesen Zustand nicht zu gefährden. Dass sich dort heute Vertreter aus Deutschland, Tschechien und Österreich treffen, um gemeinsam der Opfer von Konzentrationslagern zu gedenken, das sei noch vor Jahren unvorstellbar gewesen.

Wie wertvoll so etwas sei, werde deutlich, wenn man sich vor Augen führe, was sich derzeit auf der Welt abspiele, so Aigner mit Blick auf den Iran und auf Libyen. Auf dem gesamten Globus existierten einstige Strukturen nicht mehr. Die Welt sei aus den Fugen geraten. Zu alledem geselle sich der nicht zu verleugnende Klimawandel: "Wenn jemand sagt, es ändere sich doch nichts, der soll mal nach Australien schauen."

Die Landtagspräsidentin warnte dennoch davor, nun dessentwegen in Hysterie zu verfallen oder zu gar maßlos überzeichnen wie dies unlängst mit dem Lied geschehen sei, indem von der Motorrad fahrenden Oma im Hühnerstall die Rede war und diese als Umweltsau besungen werden. "So etwas geht gar nicht", unterstrich Aigner unter großem Beifall.

Ilse Aigners Streifzug durch die aktuelle Tagespolitik:

"Für Evolutionen und nicht für Revolutionen"

Breiten Raum nahm bei Ilse Aigner der Umweltschutz ein, bei dem sie aber auch Wert darauf legte, auf das Maß und die Mitte zu achten. Beim Volksbegehren „Rettet die Bienen“ sei dies nicht immer so gewesen, sagte sie unter Hinweis auf eine Gemeinde am Ammersee, die einerseits mit rekordverdächtigen 35 Prozent für dieses Volksbegehren, andererseits aber mit 80 Prozent für die Mückenvernichtung vor der eigenen Haustür gestimmt habe.

Und noch ein in die jetzigen Tage passendes Beispiel hatte die Rednerin parat: „Das Versenden einer E-Mail erfordert genauso viel CO2 wie eine Plastiktüte.“ Die Rednerin empfahl deshalb, nicht mit Verboten zu arbeiten, sondern die Menschen mitzunehmen. Und unter großem Beifall legte sie ein Bekenntnis zur bäuerlichen Landwirtschaft ab.

Zugleich forderte sie auf, in die Technologie zu vertrauen. Trotz aller negativen Schlagzeilen, für die deutsche Autohersteller gesorgt hätten, dürften diese nicht verteufelt werden, ebenso wenig wie der Diesel-Antrieb. Letztendlich gehe es auch um den Erhalt von Arbeitsplätzen.

Und es sei nicht wegzudiskutieren, dass es auch in Zukunft Autos geben müsse, denn nicht überall sei ein Fünf-Minuten-Takt im Öffentlichen Personennahverkehr machbar wie in München. Es sei angebracht, Entwicklungen die nötige Zeit zu lassen und rechtzeitig die richtigen Weichen zu stellen. Wie sie selbst das sieht, unterstrich sie mit Nachdruck, als sie betonte: „Ich bin für Evolutionen und nicht für Revolutionen.“ Sie tat dies unter Hinweis auf den einstigen Agrarstaat Bayern und auf die Oberpfalz. „Den Menschen hier ist nichts in den Schoß gelegt worden. Wir haben uns den heutigen Stand erarbeitet“, argumentierte Aigner und setzte ein Spitze in Richtung Nordrhein-Westfalen ab. Dieses einst so reiche Bundesland friste heute ein eher trauriges Dasein, weil die Menschen „dort über Jahrzehnte das Pech von falschen Regierungen hatten“.

Ein weiterer Schwerpunkt, den Aigner setzte, war der gegenseitige Umgang miteinander, insbesondere in den sogenannten sozialen Medien. Der Ton der hier angeschlagen werde, bereite ihr Sorge, denn: „Es gibt bei uns böse Gedanken. Daraus werden böse Worte und mitunter auch böse Taten.“ Insbesondere Abgeordnete seien hier in der Verantwortung und sollten auf ihre Wortwahl achten.

In diesem Zusammenhang übte die Politikerin Kritik an den Gerichten und führte als Beispiel die Beleidigungen und Drohungen gegenüber Renate Kühnast an. Das dieses als rechtens erachtet wurden, nannte Aigner nicht akzeptabel.

Sie sagte dies nicht zuletzt auch angesichts der sich häufenden Anfeindungen gegenüber ehrenamtlich tätigen Kommunalpolitikern. „Dagegen müssen wir vorgehen. Denn Kommunalpolitik ist die Wiege der Demokratie. Das ist ein Schatz“, betonte die Oberbayerin unter dem Beifall ihres Publikums.Sie wandte sich aber auch an alle, die nicht für ein Amt kandidieren. Deren Aufgabe sei es, zur Wahl zu gehen. Denn leider sei die Wahlbeteiligung in den vergangenen Jahren bei Kommunalwahlen rückläufig.Aber es gelte: „Wahlrecht ist auch Wahlpflicht.“

Am Ende ihres knapp 45-minütigen Auftritts dankte der CSU-Kreisvorsitzende Harald Schwartz der leidenschaftlichen Kartenspielerin dafür mit Amberger Schafkopfkarten und „einer Kleinigkeit zum Essen“.

Mit stehenden Ovationen empfing das Publikum am Freitag Landtagspräsidentin Ilse Aigner, als sie mit dem Amberg-Sulzbacher CSU-Kreisvorsitzenden Harald Schwartz (rechts) in den Hahnbacher Ritter-Saal einzog.

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