05.09.2020 - 16:04 Uhr
HahnbachOberpfalz

Das macht "Star Search"-Sieger Daniel Siegert heute

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Der erst zwölf Jahre alte Daniel Siegert aus Hahnbach gewann 2003 den Nachwuchs-Wettbewerb der Sat.1-Casting-Show "Star Search". Seitdem hat sich viel verändert: neuer Name, neuer Style, neue Musik.

So sieht Daniel Siegert heute aus.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Deutschland zur Jahrtausendwende: Wie aus dem Nichts folgt im Fernsehen urplötzlich eine Casting-Show auf die nächste. Siegerbands wie die No Angels (2001), Bro'Sis (2002) oder Solokünstler wie Alexander Klaws (2003) werden über Nacht zu Stars. In all dem Trubel mittendrin: Daniel Siegert aus Hahnbach, ein erst zwölf Jahre alter Bub mit Brille und Grübchen, der das Max-Reger-Gymnasium (MRG) in Amberg besucht. Von Moderator Kai Pflaume erfährt er am 10. August 2003 in einer Live-Show vor einem Millionen-Publikum: "Daniel, du hast gewonnen." Heute, mit dem Abstand von etwas mehr als 17 Jahren, sagt Daniel Siegert über seinen großen TV-Moment: "Das war für mich natürlich schon mega." Auf die Frage, ob er zu schnell zu erfolgreich geworden sei und ob das seiner späteren Musikerkarriere eventuell sogar geschadet haben könnte, antwortet der 29-Jährige, der 2010 das Abitur am MRG bestand und vier Jahre später nach Berlin zog: "Nein, so habe ich das nie gesehen. Wer kann schon von sich behaupten, mit zwölf Jahren im Fernsehen gewesen zu sein und auf einer so riesigen Bühne gestanden zu haben? Ich habe alles richtig gemacht und bereue nichts. Das hat mega viel Spaß gemacht. Ich möchte das nicht missen."

Von Eltern "sehr behütet"

Mutter Marianne und Vater Franz achteten sehr darauf, dass der Sohn bodenständig blieb: "Sie haben mich sehr behütet." Auch der Sender Sat.1 habe ihn "nicht verheizt": "Die haben sich super um uns gekümmert. Wir hatten bei den Shows sogar einen Psychologen, der uns betreut." Abgesehen davon war es Daniels eigener Wille, auf dem Boden zu bleiben: "Ich wollte unbedingt mein Abitur machen. Ich hatte nie vor, die Schule zu verlassen, um Musiker zu werden. Das war für mich unvorstellbar." Die Musik habe er aber nie aufgegeben: "Nur weil man nicht dauernd im Fernsehen zu sehen ist, heißt das ja nicht, dass man keine Musik macht." Das tut Daniel, seit er denken kann: "Musik war schon immer meine große Leidenschaft. Etwas, was ich mit dem Herzen mache. Ich habe Musik immer so gemacht, wie ich sie gefühlt habe. Ich wollte immer ich bleiben."

Selbst bei Sender angerufen

Und so ist es kein Zufall, dass es der Zwölfjährige selbst war, der sich bei "Star Search" bewarb, trotz der Bedenken seiner Mutter: "Sie hat damals gesagt, dass ich mich eh nicht traue", sagt Daniel mit einem Lächeln und erzählt, wie er den Werbespot sah, mit dem Sat.1 nach Kandidaten für die Show suchte. Zu einer Zeit, in der auf RTL gerade die erste Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" lief: "Ich habe zu meiner Mama gesagt, dass ich da anrufe." Also schnappte sich der kleine Daniel einen Zettel und einen Stift und wartete, bis die "Star Search"-Ankündigung erneut zu sehen war, um sich die Telefonnummer zu notieren: "Das war alles noch vor Social Media und ist heutzutage unvorstellbar. Man musste damals tatsächlich bei denen anrufen, um sich einen Bewerbungsbogen zuschicken zu lassen."

Daniel traute sich, wählte die Nummer und sprach seine Daten auf Band. Wenige Tage später lag die Einladung für ein Casting in München im Briefkasten. Daniels Herz pochte. Auch, weil seine Mutter sagte: "Daniel! Willst du das wirklich machen?" Daniel wollte und erhielt Unterstützung von seinem Vater, der über seinen Sohn sagte: "Er traut sich das ja. Also müssen wir das auch durchziehen." Und so ging's vom eher beschaulichen Hahnbach aus in die pulsierende Metropole München, genauer gesagt ins Hilton Hotel, wo bereits rund 400 Kinder in Begleitung ihrer Eltern auf das Vorsingen warteten. Daniel Siegert erinnert sich: "Die wirkten alle schon so professionell. Und wir sind da ganz normal hin. In kurzer Hose." Und gar nicht so aufgestylt wie viele der vor allem weiblichen Mitbewerber.

Im Finale gegen späteren Promi

Heute kann der 29-Jährige darüber schmunzeln, indem er feststellt: "Letztlich ging es dann doch wohl eher ums Singen", denn trotz des etwas blauäugigen Auftritts beim Casting, wie es Daniel selbst formuliert, schaffte er es in die Runde der besten Zehn und durfte am nächsten Tag nocheinmal singen. Nach einem erneuten Auftritt stand fest: Daniel Siegert aus Hahnbach hat es in die Show geschafft. Dort überstand er Runde für Runde und sah sich im Finale an der Seite eines Mädchens wieder: Senta-Sofia Delliponti aus Gifhorn. Sie musste dem Sieger Daniel zwar den Vortritt lassen, in den Jahren danach war und ist sie in der Öffentlichkeit aber wesentlich präsenter als der Hahnbacher. Senta-Sofia, die sich mittlerweile Oonagh nennt, machte als Sängerin und Schauspielerin Karriere: Schon 2007 war sie bei Big Brother zu sehen, es folgten Auftritte bei "Das perfekte Promi-Dinner", "Promi Shopping Queen", "Der Staatsanwalt" (ZDF) und in der ARD-Serie "In aller Freundschaft". Vorläufiger Höhepunkt: Im vergangenen Jahr war Oonagh Teil der Helene-Fischer-Show im ZDF.

Dabei handelt es sich um viele Schritte auf der Karriereleiter, die auch Daniel Siegert womöglich hätte gehen können. Doch: "Das bin nicht ich." Der Hahnbacher entschied sich vielmehr dafür, noch zu Schulzeiten seine eigene Band New Year's Launch zu gründen und später nach Berlin zu ziehen, um sich dort neu zu entdecken - menschlich und musikalisch: "Ich bin nach Berlin, um das zu machen, was ich will und was ich bin. Meine eigene Musik, meine eigene Richtung."

Hier sind die Songs von Daniel Francis:

Nichts für Mainstream-Markt

Wiederholt habe er bei großen Plattenfirmen vorgesprochen und vorgespielt - unter seinem neuen Namen Daniel Francis. In einem Outfit und mit einem Musikstil, die nicht mehr zu einem zwölf Jahre alten Gymnasiasten aus Hahnbach passen. Daniel Francis singt nun Englisch und macht einen Mix aus Electro-Dance-Pop. Zudem zeigt er in seinem Video "High" viel Haut und outet sich als homosexuell. Nichts für den Mainstream-Markt: "Die großen Plattenfirmen haben mir gesagt, ich soll doch Deutsch singen. Selbst eine so erfolgreiche Sängerin wie Sarah Connor singt jetzt nicht mehr Englisch, weil sich Deutsch besser verkaufen lässt. Die Plattenbosse suchen lieber nach einem zehnten Mark Forster, Andreas Bourani oder Max Giesinger als nach dem ersten Daniel Francis."

Damit kann der Hahnbacher aber ganz gut leben: "Ich mache lieber das, was mir gefällt, als das, womit ich erfolgreich sein kann. Nur um Erfolg zu haben? Das bin nicht ich. Warum sollte ich über die Liebe zu einer Frau singen, wenn ich über Männer singen will? Das wäre so weit weg von mir." Daniel Siegert alias Daniel Francis, der mittlerweile sein eigenes Album "Freedom & Danger" veröffentlicht hat, geht den Weg mit allen Konsequenzen: "Nein, ich kann von der Musik, die ich mache, nicht leben." Also geht er jeden Tag in die Arbeit, wo er bei einer großen Firma, die sich mit Medienanalysen beschäftigt, im Büro sitzt. Dann ist er wieder Daniel Siegert. In seiner Freizeit, wenn er Musik macht, wird er aber zu Daniel Francis, der für sein Album jeden Song selbst geschrieben hat und der sich ganz bewusst für diesen Namen entschieden hat: "Franz ist mein zweiter Vorname." Außerdem heißt sein Vater so: "Als er erfahren hat, dass ich mich auch wegen ihm in Daniel Francis umbenannt habe, war er schon ein bisschen stolz."

"Einfach nur ehrlich"

Vermutlich aber auch deswegen, weil er weiß, dass sein Sohn sich immer treu geblieben ist und sich nicht vom Millionen schweren Musik-Business hat vereinnahmen lassen. Beste Belege dafür sind diese Sätze von Daniel Francis, 29 Jahre alt, schwul und aus Berlin: "Ich will so sein, wie ich bin. Eventuell ist das naiv. Nein. Da ist nicht naiv. Sondern einfach nur ehrlich."

Daniel Siegert will als Daniel Francis durchstarten

Hahnbach

Jetzt kann ich's ja erzählen: Alle bisherigen Teile der Serie

Daniel Siegert (12) im Juli 2003 in seinem Elternhaus in Hahnbach. Das Foto entstand kurz nach seinem Sieg bei der Sat.1-Show "Star Search".

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