14.06.2020 - 15:58 Uhr
HahnbachOberpfalz

Schule daheim: Mutter als Krisenmanagerin hoch drei

In drei Tagen hat Nina ein tolles Buch gelesen. Da hatte der stillstehende Schulbetrieb seine Vorteile. Jetzt aber reicht es, sagen ihre Brüder und sie, es soll endlich wieder losgehen mit dem Unterricht. Doch das Durcheinander ist groß.

Extra für die Fotografin: Ein Familienfoto im Hahnbacher Garten mit allen Mitgliedern.
von Helga KammProfil

Drei Kinder hat die Familie Aures, die elfjährigen Zwillinge Nina und Nico und den 15-jährigen Felix. Sie besuchen drei verschiedene Schulen, seit Mitte März aber sind alle drei daheim. Für die Eltern Daniela und Christian war das Homeschooling nicht immer einfach, "aber was jetzt kommt", so die Mutter, "wird wohl noch schwieriger werden".

Start am 15. Juni

Felix besucht die Städtische Wirtschaftsschule in Amberg, er wird in zwei Jahren mit der Mittleren Reife abschließen. Sein Unterricht beginnt am Montag, 15. Juni, in geteilten Klassen und abwechselnd zwischen einer Woche Präsenzunterricht und einer Woche Lernen daheim. Auch Nicos fünfte Klasse in der Grund-und Mittelschule Hahnbach ist geteilt. Er hatte schon Unterricht vor den Pfingstferien und zwar in einer Woche an drei Tagen. Ab dem 15. Juni geht er an zwei Tagen wöchentlich zur Schule. Nina, die Gymnasiastin an der Dr.-Johanna-Decker-Schule in Amberg, muss erst am 22. Juni antreten, weil sie vor den Pfingstferien schon eine Woche lang Unterricht hatte. Auch sie wechselt wöchentlich den Unterricht in der Schule mit dem Lernen daheim.

Für die Kinder, mehr noch aber für Mutter Daniela setzt dieser Flickenteppich das disziplinierte Führen von Terminkalendern voraus und das Studieren von Unterrichtsplänen, er bedeutet Organisation und ständiges Beobachten von kurzfristigen Veränderungen im Schulbetrieb. "Ich bin halt das Mädchen für alles", stellt Daniela fest, "muss nachschauen, überprüfen, helfen und das hoch drei!"

Trotzdem habe sie es sich anfangs schlimmer vorgestellt: "Man wächst hinein". Zwei Computer gibt es im Hause Aures, so dass die Kinder von ihren Schulen Aufgaben erhalten, sie bearbeiten und wieder zurückschicken konnten. "Von Null auf Hundert ging das mit dem digitalen Unterricht", schaut Vater Christian zurück, "da haben wir schon alle zusammengeholfen, vor allem der Felix". Dass nicht in allen Familien entsprechende PC-Ausrüstung zur Verfügung steht, weiß Nina. Der Förderverein des Decker-Gynmasiums habe deshalb Computer finanziert, aber auch Smartphones seien oftmals verwendet worden. "Sie haben diszipliniert gearbeitet, jedes auf seine Art", lobt Daniela ihre Kinder. Nina habe viel gelesen, Nico sogar freiwillig Deutsch-Aufgaben vorgearbeitet.

Weniger schön finden sie die Einschränkungen außerhalb des Schulbetriebs. Einmal ins Kino gehen, spontan in die Eisdiele, Stunden im Hallenbad verbringen, Freunde treffen, das war verboten, und "da wird's Zeit", sagt Felix, "dass das wieder geht". Die drei Kinder und der Vater sind begeisterte Tennisfreaks, da hat auch das Training sehr gefehlt. Aber, da ist sich die ganze Familie einig: "Wir haben es trotzdem gut. Ein eigenes Haus mit weitem Garten, eine große Familie mit Opa und Onkel im Haus, da wird es nicht einsam."

Sport daheim

Und dann geht immer noch, auch wenn nicht trainiert werden kann, das Sporteln daheim: Tischtennis in der Garage, Tennis auf der Straße, Radeln durch Wald und Flur der heimatlichen Umgebung und dem Vater helfen bei seinem Nebenjob als Platzwart beim TC Blau-Weiß Rosenberg. "In Bewegung waren sie immer", bestätigt Daniela. Und Felix und Nina verweisen nicht ohne Stolz auf ihre Inliner-Tour von Hahnbach nach Amberg.

Auf den Neustart des Unterrichts freuen sich die Aures-Kinder. Ferien seien cool, aber so viele Wochen dann doch eher langweilig. So hat alles zwei Seiten. Wie die Folgen sein werden des schulischen Mischbetriebs, des Homeschoolings, der Ausnahmesituation für Schulen, Lehrer, Schüler und Eltern, das ist ebenso ungewiss wie der weitere Verlauf der Pandemie, die all dies verursacht hat.

Info:

Hygieneregeln

Neu und gewöhnungsbedürftig waren und sind an den Schulen die Hygiene-Vorschriften. Auch für die Aures-Kinder. „Wir haben einen Rundweg über die Turnhalle ins Klassenzimmer“, erzählt Nico . In seiner Hahnbacher Schule gibt es für jede Klasse ein bestimmtes WC, die Pausenzeiten sind unterschiedlich, Abstand halten im Pausenhof Gesetz. „Ein bisschen nervig ist das schon“, gibt Nico zu, er sei froh, dass er die Maske im Klassenzimmer abnehmen dürfe. Mund- und Nasenschutz im Bus der Fahrschülerin Nina, ebenso im Schulhaus, in den Pausen und beim Klassenzimmerwechsel, das alles sind Herausforderungen, mit denen die Mädchen und Buben fertig werden müssen, die die drei aus Hahnbach aber hinnehmen, „weil’s halt so sein muss“.

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