28.04.2020 - 11:29 Uhr
HahnbachOberpfalz

Toter Kormoran in der Nähe von Hahnbach zur Schau gestellt

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Es ist ein grausiger Fund, den ein ein Mann am vergangenen Wochenende in der Nähe von Hahnbach (Kreis Amberg-Sulzbach) macht: Ein toter Kormoran steckt mit dem Schnabel in einem Metallrohr. Nun ermittelt die Polizei.

Ein Leser macht in der Nähe von Hahnbach eine grausige Entdeckung: Ein toter Kormoran steckt mit dem Schnabel voraus in einem Metallrohr. Nun ermittelt die Polizei Sulzbach-Rosenberg, ob ein Tierquäler am Werk war.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Klaus Schäfer aus Sulzbach-Rosenberg machte am vergangenen Wochenende einen grausigen Fund in einem Weihergebiet zwischen Hahnbach und Süß: Ein toter Kormoran steckt mit dem Schnabel voraus in einem Metallrohr. Schäfer fasst sein Entsetzen in Worte: "Die Auffindesituation im Gebiet von Dutzenden Fischteichen spricht sehr dafür, dass dieser Vogel als sogenannter „Fischräuber“ umgebracht, mit dem Schnabel in ein Rohr gesteckt und auf diese Weise zur Schau gestellt wurde. Die Variante, dass der Vogel dabei noch lebte, mag ich mir erst gar nicht vorstellen."

Kormorane unter Schutz

Wie fast alle europäischen Vogelarten, steht auch der Kormoran unter besonderem Schutz. Die Tiere zu fangen, zu verletzen oder zu töten ist damit grundsätzlich verboten. Das Problem mit Kormoranen: Bei ihnen steht hauptsächlich Fisch auf der Speisekarte. Doch der Finder des toten Exemplars springt für das Tier in die Bresche: "Tatsache ist, dass es sich hier um ein Wildtier handelt, dass ausschließlich seiner ihm bestimmten Natur nachgeht und nicht unterscheiden kann, ob ein Weiher mit Fischen ein natürlicher ist oder zu kommerziellen Zwecken von Menschen angelegt wurde." Trotzdem stellen Fischräuber, wie Kormorane oder Reiher, ein Ärgernis für viele Fischzüchter dar. Um wirtschaftliche Schäden in der Branche durch eine zunehmende Ausbreitung zu vermeiden, gibt es die Allgemeinverfügung für Kormorane in der Oberpfalz.

Legale Maßnahmen gegen Fischräuber

Diese erlaubt beispielsweise das Schießen und Jagen der Kormorane zwischen April und Mitte August. Auch Eier dürfen gegen Plastikexemplare ausgetauscht werden. Bernhard Moos, Kreisvorsitzender des Landesbund für Vogelschutz (LBV), erklärt: "Für einen professionellen Fischzüchter gibt es eigentlich genügend legale Möglichkeiten Probleme mit Kormoranen in den Griff zu kriegen und keinen Grund ein Tier gewaltsam zu töten." Hobbyzüchter würden sich häufiger über die Fischräuber ärgern. Eine absichtliche Tötung des Kormorans könne Moos zu Folge deshalb nicht ausgeschlossen werden: "Das passiert schon mal. In letzter Zeit sind mir aber keine weiteren Vorfälle bekannt." Möglich sei auch ein Unfall: "Zum Beispiel fliegen Meisen häufig in die offenen Rohre an Straßenschildern und schaffen es dann nicht mehr hinaus. Was hier der Fall war, kann man nicht mit Sicherheit sagen."

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Neues Problem: Gänse

Eigentlich sei der Kormoran etwas aus dem Fokus gerückt, so Moos: "Die Diskussion über die Fischzucht und Kormorane liegt eigentlich schon zehn Jahre zurück. Damals war der Vogel unter Schutz gestellt worden und hatte sich dann massiv ausgebreitet." Daraufhin wurden eben jene Regelungen in der Allgemeinverfügung geschaffen, die für ein harmonisches Miteinander sorgen sollen. Auch Klaus Schäfer, der sich selbst als ausgewiesenen Freund der Land-, Teich- und Forstwirtschaft bezeichnet, plädiert für "eine für uns Menschen nötige Bewirtschaftung, die immer auch die Belange der Natur, die unser aller Lebensbasis ist, in Einklang hält."

Laut Moos würden aktuell eher Gänse Probleme in der Landwirtschaft und im Gemüseanbau bereiten: "Vor allem im Donauraum ist das schwierig. Auch an Badegewässern. Dort koten die Tiere oft die ganzen Liegewiesen voll." Da es im Landkreis Amberg-Sulzbach auch einige Kiesweiher gibt, ist die Lage vor Ort noch nicht so akut wie beispielsweise am Brombachsee oder am Wöhrder See in Nürnberg.

Die Polizei ermittelt

Wegen des toten Kormorans bei Hahnbach ermittelt nun die Polizeiinspektion Sulzbach-Rosenberg, ob ein Tierquäler am Werk war. Falls das Tier gewaltsam zu Tode gekommen ist, würde das einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz darstellen. Pressesprecher Peter Krämer erklärt, dass die Polizei nun verschiedene Möglichkeiten in Betracht zieht. Unter anderem auch, dass das Tier legal gejagt wurde. Dennoch teil er mit: "Grundsätzlich ist es gut, wenn Bürger solche Beobachtungen zur Anzeige bringen."

Klaus Schäfer, für den der Hass, der sich in der Handlung mit dem Kormoran widerspiegelt, unverständlich ist, hält abschließend fest: "Solange wir als Menschen immer noch meinen, die Natur benutzen, missbrauchen und vergewaltigen zu dürfen, solange müssen wir uns über den Zustand unserer Erde nicht wundern. [...] Letztlich gilt immer: Die Natur stellt keine Rechnung, sondern präsentiert uns irgendwann die Quittung."

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