23.06.2019 - 14:50 Uhr
HahnbachOberpfalz

Wirtshaus mit langer Geschichte: die Frohnberg-Wirtschaft

Die Bewirtschaftung auf dem Frohnberg reicht viele Jahrhunderte zurück. Sie begann mit einem Bauernhof, später gab es eine Klause und schließlich eine Wirtschaft. Diese dient bis heute zur Versorgung der kirchlichen und weltlichen Wallfahrer.

von Autor MMAProfil

Für 1430 ist eine Bewirtschaftung durch Josef Ulrich Meyer nachgewiesen, einer der angesehenen Schöffen des Hahnbacher Vogteigerichts. Der Hof kommt 1560 in den Besitz des Marktes Hahnbach. Das Hofkastenamt Amberg weiß laut Zinsbucheintragung von zwei Pächtern 1565. Ab 1569 werden mehrere "Untertanen" auf dem Frohnberg genannt, darunter Johann Frohnhofer mit seiner Frau Kunigunde. Nachdem diese 1582 an Pest gestorben war, heiratet Frohnhofer Klara Dirier von Gallmünz.

Mehrfach abgebrannt

Schon zwei Jahre später, 1584, ist Hans Weyß aus Kümmersbuch Pächter. Ihm genehmigt der Hahnbacher Bürgermeister, ein Zimmer anzubauen und das Dach mit Stroh neu zu decken. Zwar bemühen sich 1616 weitere Pächter um den Frohnberg, doch Weiß bleibt dort wohl Hausherr bis zum Brand 1630. Noch einmal brennt der wieder aufgebaute Hof ab - 1661, wird aber dann nicht wieder sofort aufgebaut.

Als man 1666 von einer Marienwallfahrt auf den Frohnberg berichtet, wird eine Einöde erwähnt, die 1695 der unterfränkische Eremit Frater Sebastian Schmidt bewohnt. Er bekommt die Erlaubnis, Almosen zu sammeln und baut eine neue Klause "mit eigenen Mitteln". Schmidt wird sogar der einzige, der in der Kirche begraben werden durfte. Am rechten Seitenaltar erinnert an ihn ein Epitaph.

Eine neue Klause wird 1750 zusammen mit dem Turm der Kirche gebaut. 1774 gibt es eine Nachfrage des Amberger Landrichters von Gobel in Hahnbach nach den zwei öden Höfen auf dem Frohnberg. Von einer Antwort weiß man allerdings nichts. Erst wieder 1776 wird vermerkt, dass aufgrund der Fahrlässigkeit des Klausners Anton Wild die Klause bis auf ihre Grundmauern abgebrannt sei. 1812 will man sie verkaufen, findet aber keinen Pächter. Daraufhin werden das Gebäude und der Garten von 106 Hausbesitzern aus Hahnbach um 213 Gulden erstanden. Für diese Genossenschaft führt Johann Wiesnet, ein eigener Pfleger, Buch. Ein Streit der Genossenschaftsmitglieder 1882, da einige die Klause verkaufen wollten, wurde zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung. Weitere Pächter interessierten sich aber bald für die mittlerweile recht gutgehende Wirtschaft, die im Sommer immerhin sechs bis sieben Hektoliter Bier ausschenkte. 1926 beantragte Paul Lobenhofer die Erlaubnis zum Betrieb einer Gast- und Gartenwirtschaft auf dem Frohnberg. Er begründete dies mit dem Vermerk, dass sich zum ersten Frohnberg-Sonntag bereits 600 Wallfahrer des katholischen Arbeiter- und Arbeiterinnenvereins Bavaria aus Amberg angemeldet hätten. Offensichtlich hat aber in den Folgejahren der Besuch sehr nachgelassen.

Prozess mit der Kirche

Schon 1929 fiel die Klause zurück an die Kirchenstiftung. Die meisten Anteilnehmer verzichteten damals auf ihren Anteil an dem maroden Gebäude. Man restaurierte "gründlich" für 1500 Mark. Im Nationalsozialismus beanspruchte die Gemeinde Hahnbach die Verwaltung der Klause, was zur gerichtlichen Auseinandersetzung mit der Kirche führte, die gewann.

Strenge Ordnung:

1845 wurden die Aufgaben des Frohnberger Kirchenwächters definiert: „Der Wallfahrtsort ist ein Ausflugsort, der Kirchenwächter hat für strenge Ordnung zu sorgen und Ärgernis zu verhüten. Er muss täglich dreimal läuten, regelmäßig an Sonn- und Feiertagen die Kirche von Mittag bis Abend und für Wallfahrer zu gegebener Zeit öffnen, die Kirche ist sauber zu halten, Einheimischen und Fremden ist auf Verlangen Wasser zu reichen, sowie bei Verhinderung des Mesners dessen Dienst zu verrichten.“

Sein Lohn waren jährlich 18 Gulden (der damalige Wert einer Kuh), freie Wohnung, ein Klafter Holz (etwa die Länge, die ein Erwachsener mit ausgebreiteten Armen greifen kann) und die Benutzung des zur Klause gehörenden Ackers.

Die Kirchenstiftung bemühte sich weiter um Verbesserungen der Klause. 1956 wurde beim Treppenaufgang im Norden des Frohnberg mit Hilfe von Eduard Winter, dem Troppbauern Ede, ein Brunnen gegraben - zwölf Meter tief, zwischen der 8. und 9. Kreuzwegstation. Das Grundstück gehörte Sebastian Wiesneth aus Hirschau, einem gebürtigen Hahnbacher, der es zum Frohnbergfest 1957 der Kirche schenkte. 1957 kam auch noch die Elektrifizierung durch die Hahnbacher Firma Winkler, dem Schöller Gust, dazu.

Neubau unumgänglich

1987 war ein Neubau der Wirtschaft unumgänglich. Nach Verhandlungen mit der politischen Gemeinde steuerte diese 400 000 DM bei, die restlichen 500 00 DM musste die Pfarrgemeinde erbringen. Eine Küche, zwei große Gastzimmer und ein Nebenraum entstanden. Vor dem letzten Pächterwechsel wurde 2016 das Dachgeschoss als Pächterwohnung ausgebaut.

Als 1992 die Klause südlich neben der Gastwirtschaft grundsaniert und entkernt wurde, stürzte über Nacht die südliche Außenmauer ein. Das finanzielle Engagement des bayerischen Landsamtes für Denkmalschutz, der politischen und kirchlichen Kräfte ermöglichte aber eine gelungene Fertigstellung des Hauses, das seitdem vermietet wird.

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