Haidenaab bei Speichersdorf
29.12.2023 - 10:51 Uhr
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Gastwirtschaft Veigl in Haidenaab seit 200 Jahren in Familienhand

Seit zwei Jahrhunderten führt die Familie Veigl das gleichnamige Gasthaus in Haidenaab. Die Geschichte des Wirtshauses und die der Familie reicht aber noch viel weiter zurück.

Seit 1823 und damit seit 200 Jahren ist das Gasthaus Veigl im Besitz des gleichnamigen Geschlechts. Seit 1978 und damit seit 45 Jahren bewirtschaften Heribert und Rita Veigl die Traditionsgaststätte in sechster Familiengeneration – ein stolzes Jubiläum, vor allem vor dem Hintergrund, dass immer mehr Dorfwirtshäuser aussterben oder vom Aussterben bedroht sind. Im Kirchdorf Haidenaab trotzen die beiden familiengeführten Gaststätten Veigl und Scherm dem landläufigen Wirtshaussterben.

Erstmals beurkundet wurde das Gasthaus Veigl bereits im Jahr 1550. Die Traditionsgaststätte der Wirtsleute Rita und Heribert Veigl kann somit auf ein beurkundetes 473-jähriges Bestehen zurückblicken. Damit zählt es zu den ältesten, noch intakten Wirtshäusern in der oberpfälzisch-oberfränkischen Grenzregion zwischen Bayreuth und Kemnath.

Das Dorfwirtshaus gehörte früher dazu wie die Kirche zum Dorf. Mit Kirche und Schule waren sie früher die wichtigsten Einrichtungen, waren gesellschaftlicher und politischer Mittel- sowie Dreh- und Angelpunkt für den Austausch im Ort. Darüber hinaus dienten sie zur Beherbergung und Bewirtung von Fremden. Viele Veranstaltungen fanden im Wirtshaus statt, wie Versammlungen und Gemeinderatssitzungen.

Zapfrecht seit 1550

Dabei geht die Geschichte der Veigls, wie der Haidenaaber Heimatforscher Werner Veigl akribisch recherchiert hat, auf das Jahr 1400 zurück. Seinerzeit hatte ein Tressauer Gutsherr vier Anwesen in Haidenaab, die als Kirchenlehen bezeichnet wurden. Dazu gehörte auch der Lindenhof, Hausnummer 7 – heute das Anwesen Veigl. Ob zu diesem Zeitpunkt bereits ein Wirtshaus bestand, konnte bisher noch nicht ermittelt werden, berichtet Werner Veigl. Nachweislich ist aber seit 1550 das Zapfrecht auf dem Anwesen Hausnummer 7.

Als erster Wirt erscheint Hannsen Schilhern, über den es heißt: „1. Schilling zu Zapfenrecht wird zu haydenab von Hannsen Schilher, ,Schepfer‘ benant und geben.“ Über einen Georg Raabs steht geschrieben: Er besaß "2 Kühe, 1 Jährling, 2 heurige, 1 Schweinl, 1 Binstock, ein Gütl sambt Zapfenrecht“. Dieses „Zapfenrecht“ oder als „Gueth mit Schenkstatt“ bezeichnet wird bei allen Käufen, Verkäufen, Beurkundungen immer wieder herausgestellt. Einige Eigentümer werden direkt als Wirt bezeichnet, andere als hospes oder caupo ac sutor (Wirt und Schuster), die die Bierschankgerechtigkeit und auch den Salzhandel besaßen. Auch die Witwe Maria Stich wird 1792 in der Heiratsmatrikel als cauponissa (Wirtin) genannt.

Anwesen ersteigert

Anfang des 18. Jahrhunderts taucht schließlich der erste „Feigl-Wirt“ auf (bis Mitte des 19. Jahrhunderts schrieben sich die Veigls mit "F"). Vitus Feigl aus Haunritz, Kutscher beim kurfürstlichen Forstmeister Graf Theodor von Morawitzy in Kulmain, ersteigerte am 14. Mai 1823 das hoch verschuldete Anwesen für 1372 Gulden. Drei Jahre nachdem der Vorbesitzer Johann Stich an "Abzehrung" gestorben war, war somit der erste Feigl-Wirt in Haidenaab. In den folgenden Jahren und bis heute übergaben die Besitzer das Gasthaus immer an ihre jeweiligen Söhne: Auf Vitus folgten Leonhard (1832), Georg (1859), Johann (1900), Adolf (1946) und Heribert (1978).

Bereits 1856 ließ Leonhard Feigl das hölzerne Wohnhaus abbrechen und ein neues Wohn- und Gasthaus mit Stall aus Stein und Ziegeln erbauen. Sein Nachfolger Georg Veigl verkaufte dann 1876 für die Erbauung der Fichtelgebirgsbahn Grundstücke mit einer Gesamtfläche von 5 Tagwerk und 71 Dezimale für 4700 Mark. 1895 erfolgte die erste Bierlieferung durch die Brauerei Maisel in Bayreuth. Die 120-jährige Geschäftsbeziehung wurde 2015 groß gefeiert und besteht noch heute.

Johann Veigl bekam am 13. Januar 1900 das Anwesen, bestehend aus Wohnhaus mit Stall, Stadel, Schafstall und Backofen, von seinen Eltern. Er war von 1912 bis 1919 Bürgermeister von Haidenaab. 1946 vermachte die Wirts- und Bauerswitwe Margaretha Veigl das Anwesen ihrem Sohn Adolf Veigl, und nach einem 32-jährigen Besitz übergaben die Wirtseheleute Adolf und Barbara Veigl 1978 das Anwesen an ihren Sohn Heribert, der es nun mit seiner Frau Rita in der sechsten Generation bewirtschaftet. Unterstützt werden sie dabei von ihren Kindern Andreas, Martin und Kerstin.

Gründungslokal

Für viele Vereine war und ist das Gasthaus Veigl nach wie vor Stammlokal und Heimat. So wurde hier 1899 der Veteranenverein (heute Krieger- und Soldatenkameradschaft), 1932 der Katholische Burschenverein und am 18. September 1960 der ASV Haidenaab gegründet. Hauptlehrer Ignatz Huber gründete zwischen 1911 und 1928 einen Pfeifenclub, der sich in beiden Haidenaaber Wirtshäusern abwechselnd traf. Auch die Feuerwehr hat hier ihr Vereinslokal, der Obst- und Gartenbauverein hält hier Versammlungen ab. Die Dorffrauen hielten seit den 1980er Jahren zwischen Ostern und Allerheiligen hier montags ihre "Hutzaabende" oder trafen sich zum Stricken. Bis in die 60er Jahre war auch ein Tanzsaal vorhanden, der für den Maitanz, den Faschings- und Kirchweihtanz sowie für Theateraufführungen genutzt wurde. Bis in die 30er Jahre war auch eine Kegelbahn im Hof in Betrieb, wie Heribert Veigl berichtet.

Heute hat sich vieles verändert, erzählt der Gast- und Landwirt. Zwar kämen die Vereine schon noch zusammen. Aber Stammgäste und Stammtische in ihrer ursprünglichen Form gebe es heute so nicht mehr. Heute kommt kaum noch jemand allein des edlen Hopfensaftes wegen. Das dürfte vor knapp 130 Jahren noch ganz anders gewesen sein: 1895 bezahlten die damaligen Wirtsleute bei der Brauerei für den Liter Lagerbier 15 und für das Exportbier 17 Pfennige.

Info:

Das Gasthaus Veigl

  • 1550: erstmalige urkundliche Erwähnung, Zapfrecht
  • erster Wirt: Hannsen Schilhern
  • 14. Mai 1823: Vitus Feigl aus Haunritz ersteigert das hoch verschuldete Anwesen für 1372 Gulden
  • Weitergabe des Gasthauses an die jeweiligen Söhne
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