17.12.2019 - 14:15 Uhr
Oberpfalz

Der heiße Draht zwischen Himmel und Erde

Engel sind Botschafter Gottes. Doch sie erfüllen auch außerhalb der Weihnachtszeit gewichtige Aufgaben. Bereits das antike Griechenland kennt Engel - als "Cupidos".

Diese Putten tummeln sich in der Pfarrkirche in Strirbo (Mies).
von Rainer ChristophProfil

Was wäre unser Weihnachtsfest ohne Engel? In den Krippen landauf, landab, in vielen Liedern und Erzählungen rund ums Fest tauchen die Vertreter der "himmlischen Heerscharen" bereichernd auf.

In vielen Weihnachtsliedern fanden sie Eingang. Eher als Randfiguren, aber stets stark beeindruckend. Mal als schwirrende Putten oder jubilierende Musik-Engel mit unterschiedlichsten Instrumenten, mal als heroische Wesen oder gestrenge Engel, bestückt mit Schwert, einem Soldaten ähnlich. Die Angst der Hirten auf den Feldern um Bethlehem, so verkündigt uns das Weihnachtsevangelium war gewaltig, ihr heller Glanz ließ die Männer fürchterlich erschrecken. Auch Maria erschrak, als ihr ein Engel die Botschaft brachte, sie würde den Heiland gebären. Aber immer tauchen im gleichen Atemzug die beruhigenden Worte auf: "Fürchtet euch nicht!"

Gloria-Engel

Wie der griechische Name besagt, sind Engel "Boten", Abgesandte Gottes. Ihnen gelingt es, eine Verbindung zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und den Menschen herzustellen. Wen wundert es also, dass sie in unseren Weihnachtskrippen nicht wegzudenken sind. Besonders aufwendig geschnitzt ist der vom Himmel schwebende Gloria-Engel - von der kleinsten bis zur größten Krippe. Dazu gesellen sich die Verkündigungsengel mit ihren fröhlichen und recht menschlichen Antlitzen am Feld bei den Hirten.

Um die Weihnachtszeit begegnen wir Engeln besonders oft. Vergessen wir nicht die "Engelämter" (Rorate) der Adventszeit, die bis zum Zweiten Weltkrieg bereits um sechs Uhr früh gefeiert wurden und heute noch Tradition sind. Engel hatten und haben zu allen Zeiten Hochkonjunktur. Nicht nur in den biblischen Erzählungen von Abraham über Lot bis hin zur Auferstehung Jesu kommen sie vor. Romane, Gedichte, Lieder, Popmusik, sogar Filme wie "Der blaue Engel" mit Marlene Dietrich, "Wenn wir alle Engel wären" oder "Der Himmel über Berlin" greifen die Gestalt dieser Wesen auf. Oft sind sie nur für Kinder oder besondere Menschen sichtbar. Stets wollen sie das Gute und nicht selten sogar das Tragische verhindern. "Mein Schutzengel hat mir geholfen", sagen Christen, wenn sie ein Unheil gut überstanden haben. Ein Autoaufkleber mahnt: "Fahr nicht schneller, als dein Schutzengel fliegen kann."

Geschlechtslose Wesen

Auf christlichen Bildern "umschwirren" sie die Heiligen, um Mariendarstellungen und Statuen wie dem St. Johannes von Nepomuk schmiegen sie sich als geschlechtslose Wesen ohne Scheu und oft entblößt in die Nischen der Hoch- und Seitenaltäre. Sie turnen vergnügt, manchmal auch verschmitzt auf den Kapitellen der Säulen, immer fröhlich, unbekümmert oder jubilierend. Engel scheinen allgegenwärtig, aber dennoch nicht greifbar zu sein. So plötzlich wie sie auftauchen, so schnell sind sie auch wieder unseren Blicken entzogen

Vor zweieinhalbtausend Jahren entdeckt das antike Griechenland die Engel-Figuren. Zu finden sind sie auf Juwelen, Gebäuden oder Sarkophagen. Die dem Liebesgott Eros ähnlichen, kleinen nackten Knaben nannten die Griechen "Cupidos". Sie waren die Boten zwischen den olympischen Göttern und den Menschen. Keine Frage, auch den Römern gefielen sie und sie flossen in ihr Brauchtum ein. Merkur, Götterbote der römischen Mythologie, ist so ein Beispiel. Aus dieser Zeit stammt der Begriff "Putten". Beachtlich ist, dass auch in den außereuropäischen Religionen vom Buddhismus bis hin zum Islam Engel eine Rolle spielen.

In der christlichen Kunst tauchen sie ab dem 13. Jahrhundert auf. Steckten sie anfangs in langen kostbaren Gewändern, so änderte sich das in der Renaissance. Nun werden die Engel als "Knaben der Antike", klein, nackt und mit Flügeln versehen. Als Vorbild mag sicher auch das Christuskind in der Krippe gedient haben. Die berühmten Maler Italiens, Raffael oder Tizian, wurden zu den bedeutendsten Malern der Darstellung von Engeln. Voller Sinnlichkeit sind die Barockengel des Niederländers Rubens.

Mit der Erfindung der Postkarten im 19. Jahrhundert tauchen verkitschte Engel auf Weihnachts- und anderen Glückwunschkarten auf. Doch Engel haben nicht nur an Weihnachten Hochkonjunktur. Wer an sie glaubt, muss das zeitlich nicht begrenzen. Sie verkörpern Kraft, Durchhaltevermögen und helfen, gefährliche Situationen zu meistern. Engel können aber auch durchaus menschliche Züge aufweisen. Immer wieder kommt es vor, dass unserer Kranken- und Altenpflegeschwestern in den Kliniken ob ihrer beruhigenden Wirkung "als Engel" tituliert werden. Vielleicht sollten wir gerade vor Weihnachten etwas mehr auf unsere Umgebung achten - trotz unserer hektischen und rationalisierten Zeit. Die Begegnung mit Engeln ist jederzeit möglich und so manchem haben sie vielleicht geholfen, dass aus einem tristen Augenblick ein strahlendes Erlebnis wird.

Engel ließen den Brückenheiligen Nepomuk nicht in der Moldau versinken, sondern nahmen ihn auf in den Himmel. Die Darstellung ist im Diözesanmuseum Bamberg zu sehen.
In der Buchmalerei finden wir immer wieder Darstellungen von Engeln.
Der Engel am Hochaltar in der alten Pfarrkirche in Altenstadt/WN. Geschnitzt wurde er in Waldthurn.
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