25.06.2020 - 12:20 Uhr
Oberpfalz

Herausnehmbarer Zahnersatz als Alternative für Implantate

Zahnverlust – egal aus welchem Grund – beeinträchtigt die Sprech- und Kauffunktion des Kiefers sowie die gesamte Mundästhetik. Herausnehmbare Prothesen können helfen, diese Defizite wieder auszugleichen.

Eine herausnehmbare Zahnprothese ist eine geeignete Alternative für teurere Implantate.
von Mona-Isabelle Aurand Kontakt Profil

Zahnverlust hat viele Gründe: schlechte Mundhygiene, Immunschwächen, Stoffwechselstörungen oder ein Sportunfall. Die fehlenden Zähne sollten ersetzt werden, um die ursprüngliche Kaufunktion und Mundästhetik wieder herzustellen. Eine Möglichkeit sind herausnehmbare Zahnprothesen.

Grundsätzlich werden zwei Varianten der Zahnprothesen unterschieden: Teilprothesen und Voll- oder Totalprothesen. Nach der Diagnose entscheidet der Zahnarzt gemeinsam mit dem Patienten, welcher Zahnersatz sich am besten eignet. Das hängt vor allem von der Beschaffenheit der Restzähne sowie des Kiefers, dem allgemeinen Gesundheitszustand sowie den individuellen Wünschen und finanziellen Möglichkeiten des Patienten ab. Denn eine herausnehmbare Zahnprothese ist in den meisten Fällen kostengünstiger als Implantate oder Brücken. Zudem lassen sich die Prothesen leichter reinigen oder reparieren als ein festsitzender Zahnersatz.

Teilprothesen

Fehlen bereits so viele Zähne, dass eine Brücke keinen ausreichenden Halt mehr findet, rät ein Zahnarzt häufig zu einer Teilprothese. Diese wird über unterschiedliche Systeme an den vorhandenen Zähnen des Patienten befestigt. Anders als bei Brücken müssen die Zähne, die den Zahnersatz halten, dafür höchstens ganz leicht beschliffen werden.

Klammerprothesen

Die kostengünstigste Variante einer Teilprothese ist die Klammerprothese. Wie der Name bereits vermuten lässt, wird diese mit Halteklammern an den übrigen gesunden Zähnen befestigt. Bei den einfachsten Modellen werden die Klammern aus Kunststoff oder gebogenem Draht hergestellt. Diese Prothesenform wird allerdings meist nur als Provisorium eingesetzt – beispielsweise nachdem dem Patienten ein Zahn gezogen wurde. Die Prothese schützt die Wunde und schließt zeitweilig die Lücke.

Für einen dauerhaften Zahnersatz kommt die sogenannte Modellgussprothese zum Einsatz. Deren Grundlage bilden Gussklammern aus Stahl. Gesetzliche Krankenkassen zählen sie zur Regelversorgung, nach der sie den Festzuschuss beim Zahnersatz ermitteln. Allerdings bringt sie einige Nachteile mit sich: Im vorderen Kieferbereich sind die Klammern deutlich zu sehen, was Betroffene psychisch belasten kann. Außerdem ist der Sitz einer Klammerprothese nicht immer optimal. Die Verbindungsstücke am Gaumen oder unter der Zunge können das Kauen und Sprechen beeinträchtigen. Die gesunden Zähne, an denen die Prothese angebracht ist, nutzen ab – sie müssen gezogen und die Prothese erweitert werden.

Geschiebe- und
Teleskopprothesen

Wer etwas mehr Komfort wünscht, greift auf eine Teleskop- oder eine Geschiebeprothese zurück. Sie eignen sich, wenn besonders viele Zähne im Gebiss fehlen. Ähnlich wie Klammerprothesen werden sie mit den noch vorhandenen Zähnen verbunden, sitzen aber wesentlich fester am Kiefer. Die Verbindungselemente sind normalerweise von außen nicht erkennbar.

Für die Geschiebeprothese wird der Zahn, der direkt an die Prothese angrenzt, überkront und erhält eine feste Verankerung. Dieser Teil des Geschiebes heißt „Matrize“. Das Gegenstück, die „Patrize“, ist Bestandteil der herausnehmbaren Prothese. Um die Geschiebeprothese zu befestigen, müssen Matrize und Patrize wie eine Steckverbindung ineinandergeschoben werden.

Die Teleskopprothese besteht aus der Primärkrone – oder Innenteleskop – und der Sekundärkrone – oder Außenteleskop. Die Primärkrone aus Metall sitzt wie ein Hütchen auf dem natürlichen Zahn. Die Sekundärkrone ist in die Teilprothese eingearbeitet. Sie ist so exakt auf die Primärkrone angepasst, dass sie wie eine zweite Kappe darauf gesetzt werden kann und so einen festen Halt garantiert. Farblich angepasste Sekundärkronen sind kaum von den natürlichen Zähnen zu unterscheiden. Nur wenn die Prothese herausgenommen wird, sind die Primärkronen aus Metall zu erkennen.

Vollprothesen

Sollten im Ober- oder Unterkiefer oder sogar in beiden Kiefern gar keine Zähne mehr vorhanden sein, ist die Vollprothese die sinnvollste Lösung, um wieder fest zubeißen zu können. Sie ist aus dem Kunststoff Polymethylmethacrylat (PMMA) gefertigt, der rosa eingefärbt wird, um eine möglichst natürliche Erscheinung zu bewahren. In diesen Kunststoff werden die künstlichen Zähne einsetzt.

Die Voll- oder Totalprothesen halten hauptsächlich durch den Unterdruck, der zwischen Prothese und Kieferschleimhaut entsteht, sowie durch den Speichel. Im Notfall können auch Haftpulver oder -cremes zu Hilfe genommen werden – der Zahnarzt steht als Ansprechpartner zur Verfügung.

Pflege und Reinigung

Zwar sind die künstlichen Zähne unanfällig für Karies, dennoch ist Zähneputzen für eine lange Lebensdauer der Zahnprothese unerlässlich. Nach jeder Mahlzeit sollte der Patient seine Prothese herausnehmen und unter fließendem Wasser reinigen. Mindestens zweimal täglich ist es notwendig, die Prothese gründlicher zu säubern. Dazu am besten eine weiche Zahnbürste oder eine spezielle Prothesenbürste verwenden – jedoch keine handelsübliche Zahnpasta. Diese kann die empfindliche Oberfläche der Dritten angreifen. Belag durch Bakterien und Essensreste bildet sich leichter, was wiederum Mundgeruch oder Entzündungen verursachen kann. Ist die Zahnprothese stark verschmutzt, helfen ein Wasserbad mit einer speziellen Reinigungstablette oder ein Ultraschallbad – die gibt es inzwischen auch für den Hausgebrauch.

Auch die übrigen Zähne sollten bei der Mundhygiene nicht vernachlässigt werden. Speisereste gehören ganz regulär beim Zähneputzen entfernt. Die Zahnzwischenräume sollten mit Zahnseide oder einer Interdentalbürste ebenfalls von Schmutz befreit werden, um Karies zu vermeiden. Eine Zahnfleischmassage mit einer weichen Bürste ist ebenfalls empfehlenswert. Zu guter Letzt ist es wichtig, dass der Zahnarzt die Prothese zweimal im Jahr kontrolliert und gegebenenfalls über Nachbehandlungen oder Anpassungen entscheidet.

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