03.06.2020 - 10:38 Uhr
HirschauOberpfalz

150 Jahre TuS Hirschau: Verein mit bewegter Geschichte und zahlreichen Erfolgen

Eine bewegte Geschichte hat der TuS Hirschau, der heuer 150 Jahre alt wird. Große Erfolge wurden gefeiert, Mannschaften stiegen bis in die Bundesliga auf, Einzelsportler feierten Siege deutschlandweit und sogar international.

von Gerhard FleischmannProfil

Hauptzweck des Vereins war aber immer der Breitensport als Angebot für alle Hirschauer, vom Kleinkind bis zum Senior. Als einzige Abteilung der insgesamt 14 Sparten, die im Laufe der Jahre kamen und gingen, waren die Turner immer dabei, sie sind die Gründungsabteilung. Schwimmen, Kegeln und Volleyball sind die weiteren Sportarten, die der TuS Hirschau aktuell anbietet.

Offiziell beschlossen wurde die Gründung eines Turnvereins am 17.September 1894 im Gasthaus Dorfner. Hirschau zählte damals etwa 1700 Einwohner. Dem ersten Turnerrat stand provisorisch Wilhelm Franz Männer vor. Der Beschluss, das Gründungsjahr auf 1870 neu zu datieren, wurde erst 1955 gefasst. Damals war in alten Chroniken der Stadt entdeckt worden, dass die wohl erste Veranstaltung, an der sich Turner aus Hirschau beteiligten, das Anturnen am 17. Mai 1870 in Amberg war. Ausrichter war der dortige TV 1860, der bereits 1869 eine größere Turnfahrt nach Hirschau unternommen hatte und später zum Hirschauer Patenverein wurde. Die Stadtchronik von 1895 notiert zudem, dass 1867 Turngeräte an die Feuerwehr übergeben wurden. Es musste also auch schon vor 1870 Turnbegeisterte in Hirschau gegeben haben.

1896, dem Jahr der ersten Fahnenweihe, übernahm der Verein gebrauchte Geräte aus Amberg. Zur Jahrhundertwende stand das Turnen in voller Blüte, wenn auch den Verein finanzielle Sorgen plagten. Im Winter durfte der Schloss-Saal genutzt werden, im Sommer turnte man auf einem städtischen Grundstück beim Maler-Schmid-Haus.

Der Erste Weltkrieg beendete den Aufschwung jäh. Ab 1926 nahm der Verein mit Unterstützung des Fabrikbesitzers Georg Schiffer erneut Fahrt auf, obwohl wegen der Wirtschaftskrise nur ein begrenztes Angebot möglich war. Als zweite Abteilung kamen 1933 die Fußballer dazu, die bis zur Fusion mit dem Verein Weiße Erde und der Gründung des TuS/WE 1995 ein Kernstück des Vereins darstellten.

1933 wurde der Verein in den Deutschen Reichsbund für Leibesübungen eingegliedert. Auf Veranlassung der NSDAP musste Vorsitzender Johann Mayer am 23. Juni 1933 zurücktreten. Am 25 März 1939 findet sich die letzte Eintragung im Protokollbuch. Der Zweite Weltkrieg brachte den Vereinsbetrieb zum Erliegen.

Im September 1945 erlaubte die amerikanische Militärregierung den Spielbetrieb der Fußballer. Am 1. Juni 1946 wurde im Löwenbräusaal, an dessen Platz heute das Josefshaus steht, der TuS wiedergegründet, den Vorsitzender übernahm Edi Schwinger, der 25 Jahre an der Vereinsspitze stand. Auch dessen Nachfolger prägten jeweils meist eine Ära. Auf Paul Winter, der 1971 ein Jahr führte, folgte 1972 bis 1989 Erwin Streber. Nach zwei Jahren Übergang übergab Walter Dolles 1991 an Gerhard Fleischmann. Seit 2016 fungieren Walter Fleischmann, Manfred Groher, Dieter Held und Klaus Wild als Leitungsteam.

Auch in Sachen Sportstätten entwickelte sich der TuS stets weiter. Die Fußballer fanden auf Kirchengrund neben dem Josefshaus ihre Heimat, daneben stand eine Baracke, die die Turner und Boxer, die 1950 zum TuS stießen, nutzten. 1946 hatte sich zudem eine Feldhandballabteilung gegründet. Tischtennis kam 1950 für einige Jahre dazu. Es folgten mit Kegeln 1954, Schach 1955, Ski 1956, Schwimmen 1959 und Leichtathletik 1960 weitere neue Sparten.

Das Jahr 1960 markierte mit der Einweihung des Gebrüder-Dorfner-Stadions einen Meilenstein im Vereinsleben. Fußball, Kegeln und Leichtathletik erhielten dank der Unterstützung des Fabrikanten Hermann Dorfner und mit viel Eigeninitiative erstklassige Sportstätten. Im Jahr davor hatten die Schwimmer im Bad am Monte Kaolino ihr Zuhause gefunden. Mit der Möglichkeit, die Gymnastikhalle und ab 1963 die Schulturnhalle mit nutzen zu können, endete die Daseinsberechtigung der Baracke. Die Turnhalle war die erste im Landkreis. Den Sportplatz beim Josefshaus übernahm die SpVgg Weiße Erde.

Mit Tennis und Volleyball 1974, Reiten 1980 und Inline 2003 schlossen sich weitere Sportarten dem Verein an. Die meisten sind inzwischen wieder ausgeschieden, sie wurden eigenständig oder lösten sich auf.

In den 1990er-Jahren umfasste der TuS neun Abteilungen und über 1500 Mitglieder. Mit dem Bau des Sportparks in Richtung Monte Kaolino fusionierten die beiden Hirschauer Fußballvereine zum TuS/WE, weitere Abteilungen traten aus. 2020 zählt der TuS Hirschau 720 Mitgliedern in den Sparten Turnen, Volleyball, Kegeln und Schwimmen.

Der Sportpark als derzeitige Heimat des TuS Hirschau entstand in den Jahren 1997 bis 1999 mit Unterstützung der Stadt Hirschau, der Firma AKW, zahlreicher Sponsoren und 37 000 Stunden Eigenleistung der drei beteiligten Vereine. Der Sportpark ist ein Gemeinschaftsprojekt mit der Schützengesellschaft Diana und dem 1995 gegründeten Fußballverein TuS/WE. Sechs moderne Kegelbahnen, eine Gymnastikhalle, Fußballfelder und auch die Schießanlage und eine Sauna entstanden. Die vereinseigene Gymnastikhalle entspannte die Situation bei den Hallenzeiten in der Schule spürbar, das offene Kursprogramm läuft seit Jahren hervorragend.

Der TuS Hirschau heute

Hirschau

Auch die sportlichen Leistungen können sich sehen lassen. Die Nachwuchsarbeit trug reiche Früchte. Die Kegler von FAF und Rot-Weiß stiegen bis in die 1. Bundesliga auf, die Volleyballer prägten lange Jahre die Regionalliga. Die Turner beeindruckten sowohl im Leistungsbereich als auch bei Sportgalas. Die Schwimmer glänzten mit Erfolgen im Kinder- und Jugendbereich, aber auch bei den Masters-Wettbewerben. Die Orientierung zum Breitensport zeigt sich auch in den über 100 Sportabzeichen, die jedes Jahr unter der Regie des TuS-Teams abgelegt werden. Das offene Kursangebot der Turnabteilung oder die Schwimmkurse für Kinder unterstreichen diese Orientierung. Aber auch die Erfolge und Angebote der Abteilungen Fußball, Ski, Tennis, Schach, Reiten, Inline oder Leichtathletik prägten das sportliche Leben Hirschaus und den TuS mit.

Im Kern ist der TuS Hirschau ein Breitensportverein. Schwimmkurse oder Turnangebote, vom Mutter-Kind-Turnen über alle Altersgruppen bis zu den Senioren, geselliges Kegeln oder die Jugendarbeit im Volleyball bilden die Basis. Ziel ist es nach dem Leitwort des Turnvaters Jahn, beweglich zu werden, Spaß zu haben und gesellig zu sein.

Und dann kam Corona. Damit ist die Feier des 150-jährigen Vereinsbestehens vorbei, bevor sie angefangen hat. Der BLSV-Präsident hatte zugesagt, zwei Mal wurde verschoben und umgeplant, bis man erkennen musste: Das Virus ist stärker.

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