01.07.2020 - 13:03 Uhr
HirschauOberpfalz

Corona-Pandemie verhindert Patroziniumsfeier der Vierzehnnothelferkirche

Sie steht auf einer Anhöhe östlich der Kreisstraße AS 18 nach Ehenfeld an der Westseite des Friedhofs – die Vierzehnnothelferkirche. Patroziniumstag ist am 2. Juli, dem Festtag Mariä Heimsuchung. Heuer verhindert Corona die Feier.

Die Vierzehnnothelferkirche in Hirschau: Wegen den Bestimmungen zur Corona-Pandemie kann Stadtpfarrer Johann Hofmann den Festgottesdienst zum Patroziniumstag am 2. Juli dort nicht wie gewohnt zelebrieren.
von Werner SchulzProfil

Unter Hirschaus Sakralbauten gilt die Vierzehnnothelferkirche, ein spätgotisches Kirchlein, als wahres Kleinod. Diese Bewertung verdankt es vor allem seinem Hochaltar. Fachleute stufen es als Meisterwerk der Akanthus-Schnitzerei ein. Die Anfänge der Kirche reichen zurück ins 15. Jahrhundert, als im Ort die Pest wütete. 1522 wurde sie erstmals urkundlich erwähnt. 1685 wurde die Kirche als baufällig bezeichnet. Seine heutige Gestalt dürfte das Gotteshaus Ende des 17. Jahrhunderts erhalten haben. Von einer im Freien errichteten Steinkanzel waren 1835 noch Bruchteile vorhanden. Der Kirchturm wurde 1884 erbaut.

Beliebte Wallfahrtskirche

Vor der Reformationszeit bis ins 18. Jahrhundert war es eine vielbesuchte Wallfahrtskirche, zu der laut Chronisten an ihrem Patrozinium die Pilger in Scharen strömten. Die letzte Quelle dafür stammt aus dem Jahr 1792. Die Ehenfelder und Schnaittenbacher Katholiken waren noch bis 1970 bei ihren Bittgängen zu den 14 Nothelfern gepilgert. Die Jahrhunderte währende Bedeutung als Wallfahrtskirche belegen die Zeilen, die der Stifter des Altars Johann Jakob Weinzierl an den Altarschöpfer, den Amberger Bildhauer Johann Hirschl, 1711 geschrieben hat: „Weillen darinnen ein alter und schlechter Altar dazumal sich befand und gleichwohl sonderliche Devotion von den Leuten zu ermelten Heiligen (d.h. den 14 Nothelfern) getragen wird, inmassen jährlich am Fest Unser Frauen Heimsuchung darinnen vollkommener Ablaß zu gewinnen, verschiedene Herren Geistliche proceßionaliter dahin kommen und gemeininglich zu 1200 bis 1300 Communikanten gezählt werden.“

2001 wurde die Jahrzehnte unterbrochene Wallfahrtstradition auf Initiative des Heimat- und Trachtenvereins und dessen damaliger stellvertretender Vorsitzenden Brunhilde Fehlner neu belebt. Zum Patrozinium zogen die Pfarrangehörigen am Patroziniumstag vom Bischof-Bösl-Platz zur Nothelferkirche und feierten dort den Festgottesdienst mit Gedenken an die verstorbenen Trachtenvereins-Mitglieder. Die ursprünglich respektable Zahl der Wallfahrer wurde von Jahr zu Jahr kleiner. Deshalb entschloss man sich 2016, auf die Prozession wieder zu verzichten. Glanzstück der Inneneinrichtung ist der von Hirschl geschaffene Hochaltar mit dem Akanthusschnitzwerk aus dem Jahr 1710. Im Rankenwerk, das – einer Ikonostase vergleichbar – die gesamte Ostwand einnimmt, sind 18 Figuren: Die 14 Nothelfer in zwei Siebenergruppen, zusätzlich Maria als Patronin sowie die Heiligen Florian, Rochus und Sebastian.

Figuren fehlen bis heute

Da bis heute der 1972 gestohlene Heilige Eustachius nicht wieder aufgetaucht ist, genauso wie die damals entwendeten Engelköpfe mit Blattwerken an den Türen und die an der Kanzel angebrachten Evangelisten sowie der lehrende Heiland, mussten die Figuren neu gestaltet werden. Die ursprünglich leeren Nischen im Altarraum wurden mit Franz von Assisi sowie mit Theresia von Jesu Gerhardinger und der Heiligen Elisabeth aufgefüllt.

Auch die Emporenbrüstung mit den originalen Ölbildern der zwölf Apostel, Christus als Salvator sowie Maria und Paulus ist von besonderem Wert. Ein weiteres Schmuckstück ist die 1764 von Johann Conrad Funtsch aus Amberg erbaute Orgel. Original erhalten sind nur noch sechs der zehn Register.

Wertvollstes Stück der Inneneinrichtung der Vierzehnnothelferkirche ist der von Hirschl geschaffene Hochaltar mit dem Akanthusschnitzwerk aus dem Jahr 1710.
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