Los ging es mit dem Kirwabetrieb bereits am Samstag. Dabei gab es ein Novum: Erstmals war der Festspielverein alleiniger Ausrichter mit Christian Gnan als Chef-Organisator. Beim Baumaufstellen führte Altbürgermeister Hans Drexler das Kommando. Nach einer halben Stunde hatten er und die acht zupackenden Burschen es geschafft, das 17 Meter hohe, aus dem Stadtwald stammende Kirwawahrzeichen auf der untersten Stufe der Festspieltribüne in die Senkrechte zu hieven. Die schon zum Auftakt zahlreichen Gäste wurden vom 35-köpfigen Helferteam bewirtet. Als kulinarischer Renner erwies sich die „z’rupfte Sau“ in der Semmel. Die acht Musikanten der Gruppe Jedsmal anerschd brachten mit ihren schmissigen Klängen die ohnehin gute Stimmung auf Hochtouren.
Am Sonntag machte sich nach drei von Roland Fritsch abgefeuerten Böllerschüssen der Kirchenzug auf zum Festgottesdienst in die Pfarrkirche. Mit einem kurzen und bündigen „Schej, dass dou san“ hieß dort Pfarrgemeinderats-Sprecher Laurenz Beck Pfarrer Johann Hofmann willkommen. Man freue sich auf eine harmonische, für die Pfarreiengemeinschaft gewinnbringende Zusammenarbeit.
Nach seiner persönlichen Vorstellung sah Hofmann in seiner Predigt die Zukunft der Kirche in einer Gemeinschaft entschiedener und verantwortungsbewusster Christen. Man erlebe den Übergang vom Traditionschristentum zu einem Christsein der eigenen bewussten Entscheidung. Das bringe mit sich, nicht mehr mit großen Zahlen aufwarten zu können. Die Kraft der Wenigen sei aber mehr als die Passivität der großen Zahl. In dieser zahlenmäßig kleinen Herde aktiv mitzuarbeiten, machte der Geistliche Mut. Pluspunkte sammelte er bei seinen Schäflein mit der Ankündigung kurzer Predigten, dass er sich in den Festzug einreihte und sich im Schlosshof beim Weißwurst-Frühschoppen unter die Besucher gesellte. Sie wurden vom Musikzug, der vorher den Kirchen- und Festzug angeführt und die Messfeier mitgestaltet hatte, schwungvoll unterhalten.
Nachdem eine Trachtlergruppe das Nachmittagsprogramm mit flotten Tanzeinlagen eröffnet hatte, tuckerten die 14 von Michaela Meier und Regina Merkl zsammagwürfelten Kirwapaare auf den Schlosshof, mit dabei Stadtheimatpfleger Sepp Strobl mit seiner Zuchhamanie und Martin Merkl mit der Drehorgel – versehen mit der Aufschrift „Hirschauer-Stückl-Kirwa“. Als solches dürfte das Fest in die Kirwa-Annalen eingehen, brachten doch die 10 Boum und 14 Moidln ihren eigenen Baum samt Ständer mit, eine sechs Meter hohe geschmückte Fichte.
Anspielend auf den Standort des großen Kirwabaums auf der Tribünen-Treppe hieß es in einem Gstanzl: „Um an Baam ummetanzn, ja des gäiht halt schöi. Owa um den Baam duart, wöi soll denn des göih? Dou derfst halt niat blöid seij, homm mia uns gedacht, und hom nan wöi letzts Joah wieda selwa mitbracht.“ In ihren Gstanzln nahmen Sepp Strobl und die Kirwaleit lokale Gegebenheiten aufs Korn. Da wurde der Bau des Stadtbrunnens zeitplan- wie kostenmäßig mit dem des Berliner Flughafens verglichen und die Uneinigkeit der „Regierung in Rengschburg und der Stadträt vo Hirschau“ beim Schulhausneubau beklagt. Fehlen durfte auch nicht, dass „in Eijahfeld die kloin Kinda streikn, wal d’Kircha wieda koi Geld fia d’Kindagoartnsanierung hot“. Zum Thema Pfarrerwechsel hieß es: „Mitn neia Pfoarra hoffma alle, dass endlich besser wird, denn da alte hot se af Eijahfeld ganz seltn voirrt.“
Mindestens genauso gut wie das Singen beherrschten die Kirwapaare das Tanzen. Dieter Kohl hatte beim Einüben der Sternpolka, des Zwiefachen, des Jägermarsches und der Kutsche ganze Arbeit geleistet. Der Walzer endete mit der Kür von Franziska Dorner und Bastian Mader zum Oberkirwapaar. Die Besucher ließen es sich derweil bei Kaffee, Kuchen und Köichln gut gehen. Die zrupfte Sau war am frühen Nachmittag ausverkauft. Am späten Abend galt das auch die Pfälzer mit Kraut, die Fisch- und Lachssemmeln und den Käse. Die Hirschauer Wirtshausmusi mit Franz Dolles, Uwe Herrmann, Alexander Götz und Hans Drexler sorgte mit ihrer gelungenen Mischung aus bodenständigen Instrumentalstücken sowie humorvollen und nachdenklichen Liedern dafür, dass die Besucher ganz lange ausharrten















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