20.11.2020 - 10:13 Uhr
HirschauOberpfalz

Evangelische Gemeinden gedenken der Toten am Ewigkeitssonntag

Der Ewigkeitssonntag, der am Wochenende in den evangelischen Kirchengemeinden in Stadt und Land am Sonntag vor Advent begangen wird, ist das Pendant zu Allerheiligen in der katholischen Kirche.

Vieleorts praktizieren auch die evangelischen Kirchengemeinden Andachten auf den örtlichen Friedhöfen zum Gedenken an die Verstorbenen am Ewigkeitssonntag, ebenso wie die katholischen Pfarreien bereits an Allerheiligen. Die Amberger Paulanergemeinde beschränkt sich im Coronajahr auf Gottesdienste in der Paulanerkirche und dem Andreas-Hügel-Haus in Amberg sowie dem Martin-Schalling-Haus in Kümmersbruck.
von Adele SchützProfil

Was für die Katholiken Allerheiligen ist, ist für die evangelischen Christen der Ewigkeitssonntag. Immer am Sonntag vor dem ersten Advent, heuer am 22. November, begehen die Protestanten diesen Festtag.

"Der Ewigkeitssonntag steht unter dem Motto Tod, Sterben und Ewiges Leben", informiert Pfarrer Stefan Fischer von der evangelischen Gemeinde in Hirschau. Viele Gemeinden laden laut Fischer deswegen zu einem Gottesdienst am Friedhof ein, bei dem die Angehörigen die Gräber ihrer Verstorbenen besuchen. "Das kennt man aber überwiegend in Gemeinden, die mehrheitlich evangelisch sind. Wir in Hirschau haben die Angehörigen der Verstorbenen des vergangenen Jahres zu diesem Gottesdienst um 9.30 Uhr in der Gustav-Adolf-Gedächtnis-Kirche schriftlich eingeladen und können einen großen Rücklauf verzeichnen", informiert Fischer. Die Anmeldung ermögliche die Einhaltung der Hygienevorschriften aufgrund von Corona mit einem Sitzplan für die Kirche. Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes übernimmt Dr. Thomas Falk an der Orgel mit Improvisationen zu "Meine Hoffnung und meine Freude".

"Gott trocknet jede Träne"

In der Predigt will Pfarrer Fischer auf den Text aus der Offenbarung eingehen, der am offenen Grab am Ende jeder Beerdigung gelesen wird "Gott wird abwischen die Tränen von den Augen". "Viele Tränen wurden heuer Zuhause im Verborgenen geweint, weil Abschiednehmen am Grab im Frühjahr wegen Corona nur begrenzt möglich war. Aber Gott sieht jede Träne und er wird sie trocknen, dann wenn sein Versprechen Eintritt: Siehe ich mache alles neu", macht Fischer deutlich. Die Angehörigen dürfen im Rahmen des Gottesdienstes dann noch bereitgestellte Kerzen an der Osterkerze entzünden und mit nach Hause nehmen oder an das Grab des Verstorbenen bringen.

"Der Tod ist oft spürbare und bittere Wirklichkeit in unserem Leben. Der Verlust von geliebten Menschen. Die eigenen Ängste. Die schrecklichen Nachrichten. Der Tod ist eine Zumutung und manchmal nur schwer auszuhalten", sagt Pfarrer Bernd Schindler von der evangelischen Paulanergemeinde Amberg. Am Ewigkeitssonntag hätten Menschen die Möglichkeit, den ganz unterschiedlichen Gedanken und Gefühlen zum Sterben und Tod einen Raum zu geben. Alle Nachdenklichen und Bewegten, und insbesondere die Angehörigen der im letzten Kirchenjahr Verstorbenen, sind zu den Gottesdiensten eingeladen.

Der Paulanergemeinde liege nach seiner Aussage sehr am Herzen, dass wirklich Jede und Jeder am Sonntag die Kirche sicher betreten kann. Deshalb bittet die Gemeinde um Anmeldung unter Tel. 09621/48590 zu folgenden Gottesdienstmöglichkeiten: Paulanerkirche um 9.30 Uhr und 11 Uhr mit Pfarrer Matthias Weigart, Andreas-Hügel-Haus um 9.30 Uhr und 11 Uhr mit Pfarrerin Julia Sollinger und Martin-Schalling-Haus in Kümmersbruck um 9 Uhr und 10.30 Uhr mit Pfarrer Bernd Schindler.

Für viele Menschen sehr wichtige und nicht mehr wegzudenkende Tradition am Vorabend zum Ewigkeitssonntag ist die musikalische Andacht "Musik bei Kerzenschein" geworden. Texte, insbesondere Musik, Gebet und Segen können helfen, sich das zu erschließen, was im Innersten bewegt und trägt. Aufgrund der Coronasituation ist man in Amberg vom Martin-Schalling-Haus in die Paulanerkirche umgezogen. Gerhard Fehrl (Orgel, Klavier), Michaela Tobisch (Gitarre, Gesang), Reiner Schirm (Gesang) und Pfarrer Bernd Schindler werden den Besuchern mit klassischen wie auch modernen Stücken sowie nachdenklichen Texten und Gebeten eine berührende Abendandacht am Samstag, 21. November, um 18 Uhr in der Paulanerkirche bescheren. Auch hier erbittet die Paulanergemeinde um Anmeldung unter 09621/48590.

Trauerhilfe beim Hospizverein

Die Koordinatorin des Hospizvereins, Angelika Hering, weist auf die Bedeutung der Trauerarbeit hin: "Trauer ist eine normale und notwendige Reaktion auf einen schwerwiegenden Verlust durch Tod und Krankheit beispielsweise. Sie ermöglicht die psychische Anpassung an eine veränderte Lebenssituation", erklärt sie. Trauer habe unterschiedliche Gesichter: Chaotische Gefühle, Gedanken und körperliche Empfindungen könnten auftreten. "Für einen heilsamen Prozess ist es notwendig, die persönliche Trauer zu durchleben. Die einen trauern offensichtlich, andere nutzen Strategien, die im Stillen, in der Abgeschirmtheit funktionieren, wie Beten, Schreiben, Musikhören, Spazierengehen."

Verschiedene Angebote des Hospizvereins in der Region tragen mit dazu bei, die Trauer zu teilen: monatliches Trauercafe in Amberg und Hirschau, Offener Austausch beim Kochen für Witwer, Trauergruppe für Kinder und Jugendliche, Trauerspaziergang und Einzeltrauerbegleitung.

Detailinformationen gibt es auf der Homepage des Hospizvereins Amberg

So haben die Katholiken in Amberg und im Landkreis Amberg-Sulzbach Allerheiligen gefeiert

Amberg
Am Ewigkeitssonntag wird Pfarrer Stefan Fischer für die evangelische Kirchengemeinde in der Gustav-Adolf-Gedächtnis-Kirche den Gottesdienst zum Gedenken an die Verstorbenen dieses Jahres besonders gestalten. Für die geladenen Angehörigen werden auch Kerzen zum Mitnehmen bereit gestellt, die sie der Osterkerze entzünden können.

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