12.06.2020 - 10:37 Uhr
HirschauOberpfalz

Graziöse, batonschwingende Begleiterinnen des Musikzugs – die Majoretten

Drei Ereignisse machen 1975 zu einem markanten Jahr in der 68-jährigen Musikzuggeschichte: Die Namensänderung von Spielmanns- in Musikzug, die Teilnahme an der Steuben-Parade in New York und die Gründung der Majorettengruppe.

Die aktuelle Majorettengruppe kann das 45-Jährige wegen der Corona-Krise nicht wie erhofft feiern. V. l. Leonie Hubmann, Nadine Treutel, Carola Hiemer, „Chefin“ Lilli Pfab, Olivia Neal, Franziska Paulus, Marie Giehrl und Katharina Stein.
von Werner SchulzProfil

Dass den Musikzug seit 45 Jahren bei vielen Anlässen junge, ihren Baton schwingende Damen begleiten, ist vor allem dem Musikzuggründer Sepp Uschold zu verdanken. Es war die Französin Viviane Flaus, die ihn Ende 1974 bei einem Auftritt des Musikzugs in Saarlouis faszinierte und inspirierte. Die junge Dame verstand es perfekt, den Baton in die Luft zu werfen und ihn graziös um und durch die Finger gleiten zu lassen. Am Ende stand für Uschold fest, dass eine Majorettengruppe eine Bereicherung für seinen Spielmannszug wäre.

Daheim besprach er die Idee mit Gerlinde Strobl. Sie nahm die Gründung der Gruppe in die Hand. Am 15. März 1975 fuhr sie mit Karin Uschold, Christine Schreiner und dem 2. Vorsitzenden Hans Bösl nach Saarbrücken, um sich bei einem Majoretten-Kurs die ersten Grundbegriffe anzueignen.

Wenige Wochen später, beim 3. Jahrestag des Kaufhauses Storg, traten die Mädchen in verändertem Outfit mit hellblonden Perücken auf

Anfang April 1975 trafen sich Erika und Marion Ackermann, Claudia und Petra Dotzler, Anita Hopfner, Ottilie Lindner, Gabriele Reil, Elke Schön, Petra Scholzen, Erika und Christine Schreiner, Ursula Schulz, Ulrike Skribelka, Heike Strobl sowie Conny und Karin Uschold zum ersten Training. Als erster Tanz wurde der “Mohikaner” eingeübt, es folgten “Like Deeler”, “Fiesta Mexikana” und “Rosamunde”. Ab Mitte April unterstützte Majorettenmutter Viktoria Böller die jungen Damen. Karin Uschold wurde Kommandeuse.

Zum Drachenstich

Unmittelbar vor dem ersten öffentlichen Auftritt nahmen Viktoria Böller, Gerlinde Strobl, Christine Schreiner, Heike Strobl du Ulrike Skribelka in Aschaffenburg an einem zweiten Kurs teil. Dort traten die Hirschauer als Gründungsmitglied dem „Tanzsportverband Deutscher Majorettengruppen“ bei. In den 80-er Jahren wurde dieser in „Deutscher Twirling-Sportverband“ (DTSV) umbenannt. Musikzug-Chef Werner Stein wurde 2005 als Beisitzer in dessen Vorstand gewählt. Von 2011 bis 2016 übernahm er dort das Amt des Schriftführers. 2016 trat der Musikzug aus dem Verband aus, da die Kurse für die Majoretten nur mehr in zu großer Entfernung in Aschaffenburg oder Frankfurt stattfinden.

Am 10. August 1975 war es dann so weit. Es gab den ersten öffentlichen Auftritt! Beim Drachenstich in Furth im Wald marschierten erstmals - ihren Baton schwingend - an der Spitze des Spielmannszuges in blauer Tracht die jungen Damen des Majorettenkorps!

In Hirschau stellten sie sich drei Wochen später bei der Premiere des Marktplatzfestes vor. Mit dem „Huldigungsmarsch” kamen die Mädchen über den dicht umsäumten Marktplatz zur Grundaufstellung. Das Publikum spendete tosenden Beifall! Die Zugaberufe waren so hartnäckig, dass das Programm zweimal wiederholt werden musste!

Wenige Wochen später, beim 3. Jahrestag des Kaufhauses Storg, trat die Gruppe in verändertem Outfit mit hellblonden Perücken auf. Die Tracht hatte man durch weiße Blusen vervollständigt. Später tauschte man die Perücke gegen einen blauen Hut mit weißer Feder.

Repertoire erweitert

Bestaunt und umjubelt wurden die Majoretten bei ihrem ersten Auftritt in Hirschau anlässlich des „1. Hirschauer Marktplatzfestes“ im August 1975.

In der Folgezeit aktualisierten die Mädchen ständig ihr Repertoire. Mit ihren Tanz- und Marschdarbietungen begeisterten sie ihr Publikum - egal ob sie uniformiert oder kostümiert, mit Leucht- oder Fahnenstäben auftraten. Auch als Sologruppe stellten sie ihr Können unter Beweis. Sogar in der Karnevalshochburg Düsseldorf sorgten der Musikzug und seine Majoretten für Aufsehen. Seit 1978 sind sie dort beim Rosenmontagszug mit von der Partie. 1980 verabschiedeten sich Gerlinde Strobl und Karin Uschold. Erika Ackermann wurde Kommandeuse, Viktoria Böller Leiterin der Majorettengruppe. Als Kommandeusen folgten von 1990 bis 1992 Michaela Kamm, 1992 bis 2003 Monika Linseele, nach ihr Daniela Siegert und Manuela Tardel bis 2016. Dann übernahm Marie Giehrl bis 2019 diese Aufgabe, seither die17-jährige Lilli Pfab aus Steingloh. Sie ist zugleich die Chefin der 12-köpfigen Nachwuchsgruppe. Deren Mitglieder sind zwischen fünf und 12 Jahre alt.

Marie (liegend) und Julia Giehrl (Mitte) zeigten 2012 beim DTSV-Sichtungsturnier in Hirschau als Soltänzerinnen ansprechende Leistungen, ebenso das Duo Olivia Neal (l.) /Nadine Treutel (r.). Sie qualifizierten sich für das Endrundenturnier in Villingen.

Mit dem Aufbau einer Nachwuchsgruppe hatten Kerstin Ackermann und Sonja Treutel 2003 begonnen. Ihre Arbeit trug bald Früchte. 2005 konnten die Kleinen wie Großen beachtliche Erfolge erzielen. Sie qualifizierten sich für das C-Endrundenturnier des DTSV und belegten hervorragende Plätze. Zur Vorbereitung war sogar Brigitte Steinhäuser, Trainerin der deutschen Twirling-Nationalmannschaft, angereist.

2010 glänzten das Geschwisterpaar Marie und Julia Giehrl und das Duo Theresia Schneider/Nadine Treutel mit sehr guten Leistungen. Sie belegten beim B-Sichtungsturnier des DTSV einen hervorragenden zweiten bzw. dritten Platz. 2012 richtete der Musikzug in der Schulturnhalle ein Sichtungsturnier des DTSV aus, an dem 180 Akteure teilnahmen.

Ihr 40-Jähriges feierten die Majoretten 2015 im Rahmen des Musikzug-Osterkonzertes. Julia und Marie Giehrl, Olivia Neal, Lilli Pfab, Nikola und Leonie Hubmann marschierten in kurzer schwarzer Hose, weißem T-Shirt und schwarzem Hut auf und präsentierten – vom Orchester begleitet – ihren Jubiläumsshowtanz „New York, New York“, die Giehrl-Schwestern und Olivia Neal später den „Summernight Rock“.

Das 45-Jährige kann zum Leidwesen der aktuellen neun Majoretten im Alter zwischen 17 und 27 Jahren wegen der Corona-Krise nicht entsprechend gefeiert werden. Das ändert nichts daran, dass man guten Gewissens feststellen kann: Die Majorettengruppe ist zu dem geworden, was sich Sepp Uschold von ihr bei der Gründung versprochen hatte - eine echte Bereicherung für den Musikzug!

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