Das erste Türchen befand sich wieder am Ostgiebel des Rathauses. Es zu öffnen, ist traditionell Aufgabe des Bürgermeisters - für Hermann Falk zum sechsten Mal. Er bezeichnete die 2001 von Josef Dobmeyer ins Leben gerufene Veranstaltungsreihe als „einen sehr wichtigen Beitrag für die Lebendigkeit und Innigkeit der Stadt und ihrer Bewohner“. Er bedauerte, dass sich die einst stade Vorweihnachtszeit ins Gegenteil gewandelt habe und von Trubel und Einkaufsstress geprägt sei. Das tägliche Öffnen eines Adventfensterls biete die Gelegenheit, „den Lauf des Alltags einen Gang herunterzuschalten und innezuhalten, zu spüren, was eigentlich wichtig ist im Leben“. Der Lebendige Adventskalender führe Tag für Tag, Schritt für Schritt auf das Weihnachtswunder hin.
Stattfinden könne die Veranstaltungsreihe nur dank der Bereitschaft zahlreicher Menschen, viele Freizeitstunden zu opfern. Besonders hob Falk das Engagement der Mitglieder des Heimat- und Trachtenvereins mit seinem Vorsitzenden Michael Meier und des Gewerbeverbands mit dem Vorsitzenden Alfred Härtl hervor. Die Trachtler sorgten zusammen mit der Familie Sommerer für Glühwein und Bratwürstln, der Gewerbeverband für das Funktionieren der Technik. Dank galt auch den Geschäftsleuten, die ihre Schaufenster als Adventstürchen zur Verfügung stellen, und allen, die das Fensterlöffnen allabendlich musikalisch oder mit Wort und Spiel begleiten.
Am Eröffnungstag übernahmen diese Aufgabe wie in den Vorjahren die Herzensblecher. Die sechsköpfige Bläsergruppe hatte die zahlreichen Besucher mit dem „Marsche aus Erl“, der „Festlichen Bläsermusik“ und der „Intrada anonym“ in adventliche Stimmung versetzt, bevor der Bürgermeister seine nächsten Aufgaben erfüllte: den Vortrag einer Geschichte und das Öffnen des Rathaus-Adventfensterls. Das Stadtoberhaupt hatte eine für die Advents- und Weihnachtszeit eher untypische, aber aktuell sehr lebensnahe Erzählung ausgewählt. Da trifft ein alter Mann ein Mädchen, das weggeworfene PET-Flaschen und anderen Müll sammelt. Sie begründet ihr Tun damit, dass Müll die Umwelt belastet und damit den Menschen schadet. Der Alte sieht dennoch keinen Sinn im Handeln des Mädchens, da es überall auf der Welt jede Menge Abfall gibt und täglich neue Mengen hinzukommen. Der Tod sei der einzige erfolgreiche Müllsammler. Die Antwort des Mädchens, dass ihre Sammelaktion diesem konkreten Meter Natur etwas bringe, lässt den alten Mann nicht los. In der Nacht lässt er sich den Kreislauf des Lebens, des Abfalls und aller möglichen Dinge durch den Kopf gehen. Tags darauf geht er mit dem Mädchen Müll aufsammeln, überzeugt davon, dass jeder etwas machen kann. Jeder kleine Beitrag sei wichtig und ganz groß. Falks Aufforderung: „Gehen wir mit kleinen Dingen, mit Demut und Liebe in die Herzen unserer Mitmenschen. Etwas Größeres gibt es nicht.“
Nachdem das Geheimnis des Rathaus-Adventfensters gelüftet war und die Herzensblecher mit „Let it snow“, „Mary’s Boy Child“ und „Jingle Bells“ weitere Weihnachtsweisen vorgetragen hatten, dankte Alfred Härtl allen, die heuerr zum Gelingen des Lebendigen Adventskalenders einen Beitrag leisten. Nachdrücklich wies er auf die Spendenbox hin, die jeden Fensterl-Abend begleitet. Ihr Inhalt ist dieses Jahr für den Hospizverein Amberg bestimmt. Rund 60 ehrenamtlich tätige Frauen und Männer kümmerten sich um schwerstkranke und sterbende Mitmenschen, betreuten sie im Krankenhaus, im Seniorenheim oder auch daheim. Nach Beendigung des offiziellen Teils nutzten die Besucher ausgiebig die Gelegenheit zum Plaudern und zum Bummeln durch die Buden des am Samstag eröffneten Weihnachtsmarkts.














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