13.03.2020 - 09:26 Uhr
HirschauOberpfalz

Historischer Dachstuhl des Hirschauer Rathauses als Modell

Es ist wahrlich ein Kunstwerk, was derzeit unter den geschickten Händen des 82-jährigen Schreinermeisters Josef Hauer entsteht. Als Nummer 33 seiner Nachbauten von historischen Dachstühlen ist nun das Hirschauer Rathaus an der Reihe.

Schreinermeister Josef Hauer (links) präsentiert Bürgermeister Hermann Falk das Modell des historischen Hirschauer Rathaus. Die unterste Ebene beherbergt den Sitzungssaal. Dort ist der Dachstuhl in allen seinen Feinheiten sichtbar.
von Gerhard FleischmannProfil

In seiner ehemaligen Schreinerei in Parkstein konstruiert er ein Modell dieses Dachstuhls, der im Jahr 1490 gefertigt wurde und in seiner Art einmalig in der Oberpfalz ist. Der Nachbau entsteht wie das Original aus Holz, als Verbindungen kommen Holznägel und Zapfen zum Einsatz, wie es eben im 15. Jahrhundert üblich war. Der Dachstuhl des Hirschauer Rathauses hat im Original eine Länge von 28,5 Metern und ist 14,5 Meter breit – das Modell misst etwa zwei mal einen Meter. Alle Teile sind nummeriert. 5278 Meter und insgesamt 178 Kubikmeter Kantholz sind im Original verbaut.

Bürgermeister Hermann Falk begutachtete das Modell, das derzeit zusammengebaut wird und zeigte sich begeistert von dem Kunstwerk. Ab Sommer soll das Modell im Hirschauer Rathaus präsentiert werden.

1490 war Haltbarkeit eine wichtige Eigenschaft. "Über 500 Jahre steht das Teil nun schon, während heute Häuser manchmal schon nach 50 Jahren abgerissen werden", bemerkte Josef Hauer. Der Holzexperte ist seit etwa einem halben Jahr mit dem Modell beschäftigt, und das täglich um die acht Stunden. Für ihn ist diese Arbeit mehr als ein Hobby. Hauer ist begeistert von seinem Handwerksberuf und will zeigen, welche Kunstwerke früher ohne Computer mit relativ einfachen Werkzeugen, Fachwissen und viel Geduld hergestellt wurden.

Josef Hauer betrieb von 1960 bis 2005 eine eigene Schreinerei, verpachtete die dann zehn Jahre lang und hat sich seit 2016 dem Dachstuhl-Modellbau verschrieben. Das Rathaus von Weiden, der Salzstadel in Regensburg, der Liebfrauendom in München und der außergewöhnliche Dachstuhl der Basilika St. Martin in Amberg finden sich ebenso unter seinen Werken wie der älteste Dachstuhl Tschechiens, der auf der Franziskanerkirche in Eger sitzt.

Nachdem inzwischen immer wieder Universitätsvertreter, Baufachleute und Professoren bei Hauer vorbeischauen, erhält er Unterstützung vom pensionierten Fachlehrer Karl Müller aus Kohlberg, der als erfahrener Fachmann im Schreinerhandwerk die Information der Besucher übernimmt und die Projekte erläutert.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.