Hirschau
18.09.2025 - 12:33 Uhr
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Die kleine Hirschauer Firma und ihre große Rolle in der europäischen Rüstungsindustrie

Kritische Rohstoffe wie Wolfram werden für Flugzeuge, Panzer oder Munition benötigt. Europa ist da aber vor allem von China abhängig. Das will die EU nun ändern. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Hirschauer Firma Dorfner Anzaplan.

Tatsächlich, sagt Reiner Haus, sei das heute der allererste Besuch eines Politikers in seiner Firma hier in Hirschau. Aber besondere Zeiten erfordern offenbar besondere Einladungen. Seit knapp einem Jahr sei seine Firma –Dorfner Anzaplan – mit dem Thema Verteidigung konfrontiert, erklärt Geschäftsführer Haus. Als Neuling in der Branche gebe es da aber noch „Berührungsängste“ seitens der Rüstungskonzerne, die das Hirschauer Unternehmen freilich noch nicht kennen. „Wir können nicht einfach bei Rheinmetall anrufen und sagen, dass wir mal vorbeikommen“, sagt Haus. Das funktioniere in dieser Branche, in der es viel um Vertrauen gehe, einfach anders. Unter anderem eben auch über die Politik.

„Ich habe mir gedacht, dass wir mal eine Kampagne fahren, um Unterstützung zu bekommen“, sagt der Geschäftsführer, als er Tobias Gotthardt, Staatssekretär im bayerischen Wirtschaftsministerium, im Besprechungsraum des Unternehmens empfängt. Reiner Haus will dem Landtagsabgeordneten der Freien Wähler zeigen, was man so drauf habe. Welche Bedeutung die Firma habe. „Das wird völlig unterschätzt“, sagt der Anzaplan-Chef. „Wir bauen den Wettbewerb gegen die Chinesen auf.“ Durch die Arbeit hier in Hirschau sichere man die Lieferketten der deutschen sowie europäischen Industrie und baue die Abhängigkeit von Ländern wie China ab. Und sie hilft mittlerweile auch, die Sicherheit Europas zu verteidigen.

Die Arbeit von Anzaplan – das Unternehmen gehört zur Hirschauer Dorfner-Gruppe und beschäftigt knapp 70 Mitarbeiter – spielt in vielen Branchen eine wichtige Rolle. Neben der Rüstungsindustrie unter anderem auch in der Medizintechnik, in der E-Mobilität, der Halbleiterfertigung oder bei KI-Chips – sprich: vor allem bei Zukunftstechnologien.

Gesetz rückt Firma in den Fokus

Die Hirschauer Firma beschäftigt sich mit den sogenannten kritischen Rohstoffen. Das sind Rohstoffe wie Kobalt, Lithium, Graphit oder die Seltenen Erden, die für diese Technologien – für Smartphones, E-Autos oder Panzer – unabdingbar sind. Diese werden aber vor allem in Drittländern gewonnen und verarbeitet. Deutschland und die EU sind hier insbesondere stark abhängig von China, das den Zugang zu diesen wichtigen, aber seltenen Ressourcen für andere Länder zuletzt auch einschränkte.

Die EU hat darauf mit dem Critical Raw Materials Act reagiert. Demnach will man bis zum Jahr 2030 unter anderem mindestens zehn Prozent der kritischen Rohstoffe, die man verbraucht, im eigenen Gebiet gewinnen. Mit dem Gesetz will die EU die gesamte europäische Wertschöpfungskette ausbauen – vom Abbau über Verarbeitung bis hin zum Recycling der kritischen Rohstoffe. Dafür werden strategische Projekte gefördert. Und da kommt Anzaplan ins Spiel. Das Gesetz, erklärt Geschäftsführer Reiner Haus, rücke die Arbeit hier in Hirschau in den Mittelpunkt. Bei zehn von knapp 60 Projekten sei man dabei.

Das Oberpfälzer Unternehmen baut die Rohstoffe aber nicht ab, es verarbeitet sie auch nicht – Anzaplan forscht in diesem Bereich. Testet, analysiert. Entwickelt Machbarkeitsstudien und Pilotanlagen. Berät andere Unternehmen. „Wir sind ein Dienstleister, der sich auf kritische Rohstoffe spezialisiert hat“, sagt Haus. „Wir helfen anderen Unternehmen, dass sich eine Lieferkette entwickelt, weil wir diese Rohstoffe entwickeln.“ Anzaplan hilft anderen Unternehmen, deren Versorgung mit diesen seltenen Ressourcen zu sichern. Die Firma hilft, neue Rohstoffquellen zu finden. Aktuell untersuchen sie in Hirschau beispielsweise Gesteinsproben, ob darin Wolfram enthalten ist.

Metall für Panzer finden

Wolfram ist ein extrem hartes und hitzebeständiges Metall, wodurch es nur sehr schwer verformt werden kann. Es ist deswegen einer der wichtigsten Rohstoffe für die Elektronikbranche, die Raum- und Luftfahrt – sowie der Rüstungsindustrie. Das Metall wird unter anderem für Panzerungen, aber auch für panzerbrechende Munition verwendet. Für die Waffenproduktion ist Wolfram unverzichtbar geworden. Mehr als 80 Prozent dieses Rohstoffs stammt allerdings aus China. In Europa gibt es bisher kaum Quellen. Das soll sich aber bald ändern, auch mit der Hilfe aus Hirschau.

„Wir müssen neue Wolfram-Minen finden“, sagt Anzaplan-Chef Haus. Derzeit arbeite die Firma an drei verschiedenen Wolfram-Projekten. Bis aus dem Gestein der potenziellen Minen Wolframmetall entsteht, sei allerdings ein langer und komplexer chemischer Prozess nötig, erklärt Haus. „Das ist eine sehr lange Verfahrenskette, die wir hier in Hirschau aber abbilden können.“

Bei einem Rundgang durch das Labor ist das dann auch zu sehen. In einem Raum stehen zwei Frauen in weißen Kitteln und mit Schutzbrillen auf der Nase – hier wird gerade Gestein geschmolzen. Heraus kommen durchsichtige Tabletten. So kann man nun herausfinden, ob man daraus Wolframmetall entwickeln kann, das dann zum Beispiel für einen Leopard-Panzer verwendet wird.

Hintergrund:

Dorfner Anzaplan

  • 1985 gegründet, gehört zur Dorfner-Gruppe, aus der sich die Firma damals auch herausentwickelte
  • Knapp 70 Mitarbeiter, Sitz und Labor in Hirschau
  • Dienstleister, der sich auf kritische Rohstoffe spezialisiert hat
  • Geschäftsführer ist Reiner Haus
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