19.03.2020 - 10:19 Uhr
HirschauOberpfalz

Krieg stahl Michael Biehler (95) aus Krondorf die Jugendzeit

Er ist einer der ältesten Bürger in der Stadtgemeinde Hirschau: Michael Biehler aus Krondorf feierte im Kreise seiner Lieben 95.Geburtstag

Gratulationscour zum 95. Geburtstag (von links): Kriegervereins-Vorsitzender Peter Dotzler, Pfarrvikar Christian Preitschaft, Ehefrau Margarete (Meta), Sohn Herbert, Tochter Gerda, der Jubilar Michael Biehler, Sohn Sepp, Bürgermeister Hermann Falk, Feuerwehr-Vorsitzender Peter Hofmann und dessen Stellvertreter Markus Stauber.
von Gerhard FleischmannProfil

Hirschaus Bürgermeister Hermann Falk gratulierte ebenso wie Pfarrvikar Christian Preitschaft sowie Abordnungen der Feuerwehr und der Krieger- und Soldatenkameradschaft.

Biehler wuchs mit fünf Geschwistern, zwei Brüdern und drei Schwestern, auf. Sein Bruder Hans fiel im Januar 1943 bei Stalingrad, seine Schwester Katharina verstarb bereits im Alter von 46 Jahren.

Die Kindheit und Jugend verlief mit sieben Jahren Volksschule, zwei Jahren Feiertagsschule und zwei Jahren Beschäftigung beim Schmid in Krondorf geordnet. Der Monatslohn betrug damals 15 Reichsmark, hinzu kamen 50 Pfennig Trinkgeld wöchentlich.

Der Jubilar gehört der Generation an, der die Jugend genommen wurde. Im Oktober 1942 wurde er zum Reichsarbeitsdienst einberufen. Nach kurzer Zeit folgte die Einberufung zum 42. Infanterieregiment in Bayreuth und damit der Beginn entbehrungsreicher Jahre. Die Ostfront mit Kroatien, Albanien oder der Ukraine waren Einsatzgebiete. Drei Verwundungen, darunter ein Kopfschuss und die Malaria, überstand Michael Biehler, aber immer hieß es danach wieder: Zurück an die Front. Am 8. Mai 1945 verließ er mit seinen Kameraden in Schlesien die Stellung, um in die amerikanische Zone zu gelangen. Russen griffen die Flüchtenden auf. Aufenthalte in mehreren Gefangenenlagern folgten, ehe Biehler am 14. Dezember 1948 in Prag aus der Gefangenschaft entlassen wurde und zwei Tage später wieder Zuhause ankam.

Trotz der mageren Nachkriegszeit erlebte Biehler 1948 eines seiner schönsten Weihnachten. Denn nun begann sein Leben neu. Nach fünf Jahren am Bau wechselte er im Frühjahr 1954 zur Firma AKW in Hirschau, wo er bis zu seinem Ausscheiden aus dem Berufsleben 1985 beschäftigt war. Im April 1956 heiratete er Meta Graf aus Burgstall, am 8.April können die beiden den bereits 64. Hochzeitstag feiern. Dem Paar wurden eine Tochter und zwei Söhne geschenkt. Inzwischen wuchs die Familie um sechs Enkel und zwei Urenkel, die den Eheleuten sehr viel Freude machen. Vorbild für die Enkel ist Michael Biehlers unerschütterlicher Optimismus, doch auch mit manch kritischer Meinung hält er nicht hinter dem Berg.

Der Jubilar ist immer noch am Puls der Zeit, er liest täglich die AZ und auch Fernsehen ist angesagt. Ihren Haushalt führen die beiden Eheleute weitgehend selbstständig. Bis vor wenigen Jahren war der Gemüsegarten Biehlers großes Hobby. Der tägliche Spaziergang erhält ihm die Beweglichkeit. In den Urlaub ist er nie gefahren, das hat er aber aufgrund der Kriegsjahre, in denen er weltweit unterwegs war, nach eigenen Angaben auch nicht vermisst. Es blieb bei Tagesausflügen mit Kriegerverein und Feuerwehr.

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