28.10.2019 - 11:46 Uhr
HirschauOberpfalz

Kurioser Fund in Hirschau: Ein Flug-Karpfen

Überraschung für einen Hirschauer: Direkt neben seinem Haus fand dieser jetzt einen toten Karpfen. Wie kam der dorthin? Möglich, dass er geflogen (worden) ist.

Ungewöhnlicher Anblick vor einem Wohnhaus in Hirschau: Ein "Flug-Karpfen". Der stattliche Fisch ist mit Schlamm überzogen und hat eine Fleischwunde hinter der Kieme.
von Autor INDProfil

Ein renommiertes Restaurant im Landkreis wirbt im Oktober mit dem Spruch „Die Gänse fliegen tief“. Dieser Spruch kam einem Hirschauer in den Sinn, als er in seinen Garten ging und direkt neben dem Haus, halb auf dem Pflaster, halb im Gras, einen prächtigen Karpfen fand. Kopfschüttelnd überlegten er und seine Frau, woher dieses Prachtexemplar kommen könnte. Der Fisch war mindestens vier Pfund schwer und hätte damit als "Weiherchef" durchgehen können: So nennt das erwähnte Restaurant seine großen Karpfen.

Da die Post in der Siedlung zu diesem Zeitpunkt schon lange durch war, kann der Fisch nur aus der Luft gekommen sein – so unwahrscheinlich dies auch klingen mag. Der Gedanke des Hirschauers dazu: Vielleicht hatte ein Vogel sich diesen Fisch gekrallt und ihn dann im Flug verloren. Darauf deutet auch eine größere Fleischwunde hin, die der Karpfen direkt hinter der Kieme hatte. Aber welcher Vogel käme dafür in Frage?

Der Vogelkundler Paul Lingenhöhl vom Landesbund für Vogelschutz versuchte, eine Lösung für das Rätsel zu finden. In der näheren Umgebung werden derzeit mehrere Weiher abgefischt. Da der Fisch stark mit Schlamm überzogen war, könnte er auch im Weiher im Morast gesteckt haben und beim Abfischen übersehen worden sein.

Ein Grau- oder ein Silberreiher kommt für den Transport einer so großen Beute nicht in Frage, da er diesen schweren Fisch wahrscheinlich kaum tragen könnte, meinte der Experte. Außerdem verzehren Reiher ihre Fische direkt an Ort und Stelle. Der Kormoran, nicht unbedingt der Freund der Fischer, schnappt sich seine Beute, in der Regel kleinere Fische, in Tauchgängen. Ein Bussard würde Beute nicht direkt aus dem Wasser holen.

So bleiben nach Ansicht des Fachmanns nur noch die Fischadler und die Seeadler übrig. Erstere sind als Zugvögel aber jetzt nicht mehr da, sie verlassen bereits im Spätsommer unsere Region. Es könnte der wesentlich größere Seeadler gewesen sein, zu dessen Beute nicht nur prächtige Fische, sondern auch Tiere wie Fuchs und Hase oder auch Gänse, Enten und Schwäne gehören. In unserem Landkreis gibt es einige Brutgebiete. Aber auch im benachbarten Truppenübungsplatz Grafenwöhr ist der Seeadler als Standvogel den ganzen Winter über anwesend. Normalerweise verlieren die Seeadler ihren einmal festgekrallten Fisch nicht. Sicher ist dies jedoch auch nicht.

Bleibt also noch die Frage, ob sich der Fisch vielleicht selbst verflogen hat. Dann könnte man den eingangs zitierten Werbespruch abwandeln und sagen: „Die Fische fliegen heute tief.“ Dem erstaunten Haus- und Gartenbesitzer ist so etwas auf jeden Fall noch nie passiert - und man kann davon ausgehen, dass so ein Vorfall wohl seltener ist als ein Sechser im Lotto.

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