23.05.2019 - 15:19 Uhr
HirschauOberpfalz

Posaunenklänge in Hirschau: "Heute bläst ein guter Geist

Eine weiße Flagge mit violettem Kreuz zierte den Marktplatz - die Fahne der evangelischen Kirche. Aus allen Richtungen strömen Menschen mit Blasinstrumenten herbei und stimmen fröhliche, bekannte und moderne und wohlvertraute Klänge an.

Die Posaunenchöre am Rathaus in Hirschau.
von Heidi KurzProfil
Dekan Karlhermann Schötz hielt die Ansprache beim Dekanatsposaunenchortag in Hirschau.

Gut 50 Bläser von 15 Posaunenchören des evangelischen Dekanatsbezirks Sulzbach-Rosenberg kamen im Schatten des Rathauses zum Dekanatsposaunenchor-Tag zusammen. Die Klänge des Einblasens lockten zahlreiche Bürger auf den Marktplatz. Posaunenchor-Obmann Ulrich Siebenbürger stellte das Ensemble und die Tradition kurz vor. Bürgermeister Hermann Falk freute sich über diesen Besuch und lobte das Engagement der evangelischen Kirchengemeinde und ihres Pfarrers vor Ort, die das Leben der Stadt mit vielfältigen Veranstaltungen bereichert. "Heute bläst ein guter Geist", betonte der katholische Pfarrer Hans Peter Bergmann. Gekonnt und charmant führte der Leiter und Dirigent der Vereinigten Posaunenchöre, Kurt Lehnerer aus Sulzbach-Rosenberg, durch das vielfältige und bunte Programm. Es erklangen nicht nur Kirchenlieder. Doch auch die hatten ihren Platz. Es war eine besondere Atmosphäre, als die Anwesenden gemeinsam in altvertraute Choräle wie "Großer Gott, wir loben dich" und "Lobet den Herren, den mächtigen König" einstimmten.

Luthers Botschaft vertont

Volkslieder und Evergreens wie "Über den Wolken" oder "Yesterday" quittierte das Publikum mit Bravo-Rufen. Aber auch neues geistliches Liedgut wurde präsentiert, darunter Stücke des 1987 geborenen Jens Uhlendorf und des Amerikaners Richard Robbe, der bis 2009 den Lehrstuhl für Jazz und Big Band an der Hochschule für Musik in Würzburg inne hatte und heute in Unterfranken lebt. Applaus bekamen nicht nur die Musiker, sondern auch Dekan Karlhermann Schötz für seine Ansprache, die er in Anlehnung an die schmerzliche Geschichte des Dreißigjährigen Krieges begann: "Die Protestanten sind da, und niemand fürchtet sich." Dass heute am Marktplatz Volkslieder erklingen, sei nichts Ungewöhnliches. Martin Luther habe seine Botschaft mit Melodien bekannter Volkslieder vertont. So den bekannten "Kassenschlager" der Reformation: "Nun freut euch, liebe Christen gmein" sei auf die Melodie eines bekannten Liebesliedes gedichtet worden.

Schötz verwies die öffentlichen Diskussionen anlässlich der Freiburger Studie, die immer wieder vom "Niedergang der Kirche und des Glaubens" reden machen. "Aber, wer einmal einen Blick in die volkstümliche Musik tut, merkt, da wird viel von Gott und Glauben gesprochen", sagte der Dekan und zählte Titel von Interpreten wie Florian Silbereisen, Bianca, dem Naabtal-Duo und Stefanie Hertel auf. Er frage sich, warum so viele Menschen der Kirche den Rücken zudrehen und austreten. All denen sage er: "Stellen Sie sich doch unser Land ohne die Kirchen und all dem, was dazugehört vor. Ohne kirchliche Kindergärten, ohne Caritas und Diakonie, ohne Kirchtürme. Wollen wir so ein Land haben?"

"Kirche soll offen sein"

Schötz verwies auf die biblische Überlieferung, dass Posaunen Mauern zum Einsturz brachten, und versicherte dem Bürgermeister, dieses Mal würden die alten Mauern stehen bleiben. Es sei die Musik, die verbinde, Brücken baue und es schaffe, verschiedenste Menschen zusammenzubringen. "Wenn, dann fallen heute Mauern in den Herzen." Schötz sprach von einer Vision, die er für die Kirche hegt: "Kirche soll offen sein, dort hingehen, wo die Menschen sind, und sich nicht hinter Mauern verschanzen." Nach einem gemeinsamen Vaterunser sprach Pfarrer Stefan Fischer den Segen, der Chor stimmte als Schlussstück in das Lob Gottes ein: " Gloria sei dir gesungen".

Info:

Open-Air-Konzert

Traditionell kommen alle Posaunenchöre an einem Sonntag im Frühjahr zusammen und geben ein Open-Air-Konzert an verschiedenen Orten im Dekanat. Auch geistliche Impulse sind beim Dekanatsposaunenchor-Tag vorgesehen.

Gut eineinhalb Stunden dauerte die kurzweilige Veranstaltung, die Pfarrer Stefan Fischer in Absprache mit den Dekanats-Verantwortlichen nach über 40 Jahren einmal wieder nach Hirschau geholt hatte. Mit dem bekannten Marsch aus „Pomp and Circumstands“ von Edward Elgar begann das Frühlingsblasen. „Herzlich willkommen in der Unesco-Kulturerbe-Stadt Hirschau“, hieß Pfarrer Fischer die Bläser willkommen. Die Stadt sei seit 2016 auf der Liste des immateriellen Unesco-Kulturerbe verzeichnet.

Fischers Dank ging an die Stadt Hirschau und Bürgermeister Hermann Falk, der nicht nur offen für die Idee, den Dekanatsposaunenchor-Tag in seiner Stadt abzuhalten, gewesen sei, sondern auch die Bewerbung und Organisation mit übernommen hatte.

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