12.06.2020 - 10:00 Uhr
HirschauOberpfalz

Sakrales Kleinod feiert Patrozinium

Sie steht auf einer Anhöhe östlich der Kreisstraße AS 18 nach Ehenfeld an der Westseite des Friedhofs – die Vierzehnnothelferkirche. Auf den Festtag Mariä Heimsuchung am 2. Juli fällt alle Jahre ihr Patrozinium.

Noch vor der Amberger Mariahilfbergkirche war die Vierzehnnothelferkirche bis ins 18. Jahrhundert eine viel besuchte Wallfahrtskirche, insbesondere an ihrem Patroziniumstag Mariä Heimsuchung (2. Juli). Die Pfarrgemeinde kann ihn heuer wegen der Corona-Pandemie nicht wie gewohnt in dem Kirchlein feiern. Pfarrer Johann Hofmann wird – unter Beachtung der Vorschriften - den Festgottesdienst in der Stadtpfarrkirche zelebrieren.
von Werner SchulzProfil

Unter Hirschaus Sakralbauten gilt das spätgotische Kirchlein als wahres Kleinod. Diese Bewertung verdankt sie vor allem ihrem Hochaltar. Sie wird von Fachleuten als Meisterwerk der Akanthus-Schnitzerei eingestuft. Die Anfänge der Kirche reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück, als in Hirschau die Pest wütete. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1522. Seine heutige Gestalt dürfte das Gotteshaus Ende des 17. Jahrhunderts erhalten haben. Vor der Reformationszeit bis ins 18. Jahrhundert war es eine vielbesuchte Wallfahrtskirche, zu der – wie die Chroniken ausweisen – an ihrem Patrozinium die Pilger in Scharen strömten. Die letzte Quelle dafür stammt aus dem Jahr 1792. Bis 1970 sind noch die Ehenfelder und Schnaittenbacher mit ihren Bittgängen zu den 14 Nothelfern gepilgert.

Wallfahrt wiederbelebt

Die Jahrhunderte währende Bedeutung als Wallfahrtskirche belegen die Zeilen, die der Stifter des Altars, Johann Jakob Weinzierl, an den Altarschöpfer, den Amberger Bildhauer Johann Hirschl, 1711 geschrieben hat: "Weillen darinnen ein alter und schlechter Altar dazumal sich befand und gleichwohl sonderliche Devotion von den Leuten zu ermelten Heiligen (d.h. den 14 Nothelfern) getragen wird, inmassen jährlich am Fest Unser Frauen Heimsuchung darinnen vollkommener Ablaß zu gewinnen, verschiedene Herren Geistliche proceßionaliter dahin kommen und gemeininglich zu 1200 bis 1300 Communikanten gezählt werden." Der Kirchenturm wurde 1884 erbaut.

2001 wurde die viele Jahrzehnte unterbrochene Wallfahrtstradition wieder aufgenommen. Die Initiative dazu war vom Heimat- und Trachtenverein und seiner damaligen stellvertretenden Vorsitzenden Brunhilde Fehlner ausgegangen. Die Pfarrangehörigen pilgerten in einer Prozession am Patroziniumstag vom Bischof-Bösl-Platz aus zur Vierzehnnothelferkirche und feierten dort den Festgottesdienst, bei dem der verstorbenen Trachtenvereinsmitglieder gedacht wurde. Die ursprünglich respektable Wallfahrerzahl wurde von Jahr zu Jahr kleiner. Deshalb entschloss man sich 2016, auf die Prozession wieder zu verzichten.

Glanzstück der Inneneinrichtung ist der von Hirschl geschaffene Hochaltar mit dem Akanthusschnitzwerk aus dem Jahr 1710. Im Rankenwerk, das – einer Ikonostase vergleichbar – die gesamte Ostwand einnimmt, sind 18 Figuren: Die 14 Nothelfer in zwei Siebenergruppen, zusätzlich Maria als Patronin sowie die Heiligen Florian, Rochus und Sebastian. Da bis heute der 1972 gestohlene hl. Eustachius nicht wieder aufgetaucht ist, genauso wie die damals entwendeten Engelköpfe mit Blattwerken an den Türen und die an der Kanzel angebrachten Evangelisten sowie der lehrende Heiland, mussten die Figuren neu gestaltet werden. Die ursprünglich leeren Nischen im Altarraum wurden in Folge der vom damaligen Stadtpfarrer Edwin Völkl initiierten Renovierung 1984 mit dem hl. Franz von Assisi und 1988 mit den Figuren der Mutter Theresia von Jesu Gerhardinger und der hl. Elisabeth, gestiftet vom Frauenbund, aufgefüllt. Im Jahr 2018 sorgte die Kolpingfamilie dafür, dass es die Besucher des Kirchleins beim Knien etwas bequemer haben. Mit einer Spende finanzierte sie die Polsterung der Kniebänke.

Wertvollstes Stück der Inneneinrichtung der Vierzehnnothelferkirche ist der von Hirschl geschaffene Hochaltar mit dem Akanthusschnitzwerk aus dem Jahr 1710. Im Rankenwerk, das - einer Ikonostase vergleichbar - die gesamte Ostwand einnimmt, sind 18 Figuren: Die 14 Nothelfer in zwei Siebenergruppen, zusätzlich Maria als Patronin sowie die Heiligen Florian, Rochus und Sebastian.

Ölbilder der Apostel

Auch die Anfang des 18. Jahrhunderts entstandene Emporenbrüstung mit den originalen Ölbildern der zwölf Apostel, Christus als Salvator sowie Maria und Paulus ist von besonderem Wert. Ein weiteres echtes Schmuckstück ist die noch im Original erhaltene, 1764 von Johann Conrad Funtsch aus Amberg erbaute Orgel, die zu den bedeutendsten historischen Werken in der Oberpfalz zählt. Leider sind nur noch sechs der zehn Register original erhalten. Der Prospekt – also der optische Aufbau der Pfeifen – zeigt die typische Funtsch-Handschrift: Einen überhöhten Mittelturm und abfallende Seitenfelder, die nach innen geschwungen sind. Solche Orgelwerke gibt es nur noch selten.

Stadtpfarrer Johann Hofmann kann heuer den Festgottesdienst, zu dem alle Pfarrangehörigen eingeladen sind, wegen der Corona-Pandemie nicht in dem Kirchlein zelebrieren. Die Messfeier soll am Donnerstag, dem 2. Juli, um 19 Uhr in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt stattfinden.

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