16.08.2019 - 10:21 Uhr
HirschauOberpfalz

Sandboarding in Peru: Ein Freudenberger beim großen Bruder des Monte Kaolino

Vom Monte Kaolino in Hirschau zur Düne in Huacachina: Ein Sandboard-Pionier aus Freudenberg erlebt einen südamerikanischen Boarder-Traum. Er würde diesen Traum gerne teilen.

Von einem Lift wie am Monte Kaolino träumen die Teilnehmer in Südamerika nur.
von Christian LinglProfil

"Am Anfang haben wir uns nicht getraut, mitzufahren", berichtet Manuel Ries (40) von seinen Anfängen auf dem Sandboard. Zu groß war sein Respekt, als Rookie (Neuling) bei der Weltmeisterschaft in Hirschau zu starten. Das war 1995. Damals gab es noch die WM am Monte Kaolino. Drei Jahre später ging er dann doch noch an den Start. Heute gehört er zur Spitze der Szene.

Der Freudenberger Manuel Ries möchte sich in Zukunft mehr für den Nachwuchs in seiner Sportart einsetzen

Mitte der Neunziger Jahre boomte das Boarden. Nicht unbedingt auf Sand, vielmehr mischten die hippen Typen mit ihren modischen Klamotten den Wintersport auf. So war es nicht verwunderlich, dass diese Szene am Monte Kaolino mit seinem karibischen Flair auch im Sommer ihre Heimat fand. Während die Masse der Teilnehmer von auswärts kam, fanden aber auch ein paar wackere Oberpfälzer ihren Weg zu diesem Sport. Und während die Karawane weiterzog und am Monte Kaolino nach dem WM-Trubel wieder Ruhe und Beschaulichkeit einzog, blieb Manuel Ries dem Sport treu.

Mit dem 120 Meter hohen Sandberg und dem Freibad kann man Hirschau getrost als die Karibik der Oberpfalz bezeichnen. Dieses besondere Feeling machten sich ab Mitte der 1990er-Jahre auch die Sandboarder zu eigen.

Ries stammt aus Freudenberg - nur ein paar Kilometer vom Monte entfernt. Inzwischen gehört er zu denen, die mit dem Organisator des Sandspirit-Festivals, Sven Flachenecker, die "Familie" zusammenhalten. Er bezieht Quartier am Monte, wenn am zweiten Juli-Wochenende der Sandspirit auf dem Programm steht. Ries baut die Strecken für Parallelslalom und Boardercross auf und schaufelt mit am Becken für die Waterslide: Ein zehn Meter langes Wasserbassin muss bei der Nachfolge-Veranstaltung der WM am Skiberg überwunden werden. In Zukunft möchte sich der 40-Jährige mehr in die Nachwuchsarbeit einbringen. "Ich habe genügend alte Boards im Keller stehen", sagt er. "Wer Interesse hat, darf sich gerne bei mir melden." Er wünscht sich, dass sich die Szene wieder ein bisschen verjüngt und dass es weitergeht. (Infos unter ries.freudenberg[at]gmx[dot]de)

Manuel Ries beim diesjährigen Sandspirit. Die Waterslide hat er selbst mitgebaut.

Die Szene lässt sich längst nicht auf die 50 bis 60 Starter in Hirschau reduzieren. Es gibt unter anderem Rennen in Namibia und in Peru. Eine Reise dorthin hat der Freudenberger Heizungsbauer beim Sandspirit 2018 gewonnen. Der Veranstalter des Sandboard-Worldcups, Martin Guerra, war schon mehrmals in Hirschau zu Gast. Als Gastgeschenk hat er Einladungen zu seinem Event mitgebracht. Einmal schon gewann der Hirschauer Sandboarder Bernhard Hornek diese Reise. Diesmal flatterte das Ticket Manuel Ries, Luca Flachenecker und Katja Seegerer zu.

Die drei Gewinner der Südamerika-Reise müssen zu Fuß an den Start gehen

Reise gewonnen

Von Nürnberg ging es über Amsterdam auf einem halbtägigen Flug nach Lima. "Wie Promis wurden wir am Flughafen empfangen von einem Typen, der ein Schild mit unseren Namen hochhielt." Diesen "Typen" hatte ihnen Martin Guerra geschickt. Mit ihm fuhren sie in einem Taxi noch mal sieben Stunden weiter, bis sie die Oasenstadt Huacachina bei Ica erreichten. Inzwischen war es drei Uhr morgens. Bevor sie endlich ins Bett durften, galt es aber erst mal, noch einen Absacker mit Martin an der Bar zu nehmen.

Untergebracht waren die drei in einem Hostel. "Sechs Mann auf einem Zimmer. Duschen am Flur", erzählt Ries, "wie früher bei der Bundeswehr." Kaum hatten die drei dort ihren Jetlag überwunden, mussten sie ein Problem lösen: Die Taschen mit ihrem Boarder-Equipment kamen nicht an. Das Gepäck war noch immer in Amsterdam.

"In der Früh bin i der Erste...", sang einst schon Wolfgang Ambros in seinem Kultlied "Skifoarn". Das trifft in Peru genauso zu wie in Österreich.

Da aber die Wettkämpfe immer näher rückten, musste natürlich auch trainiert werden. Gut, dass Guerra am Ort eine Boarder-Schule nebst Verleih betreibt. So bekamen die Gäste von ihm ein paar Leihbretter. "Huacachina gehört mit zu den Top-Ten-Attraktionen von Peru", erklärt Ries. "Die Oasenstadt ist so etwas wie das Mallorca Perus. Touristen aus aller Welt sind da, sei es zum Boarden oder zum Partymachen."

Ries schreckt auch nicht vor großen Sprüngen zurück. Trotzdem gewann er heuer nur Blech. Platz 4 in Peru und Platz 4 in Hirschau

Dementsprechend fallen auch die Partys am Abend aus. "Allerdings", räumt der 40-jährige ein, "merkt man schon, dass bei den Teilnehmern ein gewisser Ehrgeiz herrscht. Vielleicht ein bisschen mehr als am Monte, wo das Event etwas familiärer ist." Auch kann man in Peru nicht einfach so an den Start gehen. Nur auf Einladung ist man startberechtigt. Zu spüren bekam das ein Tourist aus der Schweiz, der zufällig vor Ort war. Er durfte zwar mitmachen, musste aber durch sämtliche Qualifikationsläufe. Gerade noch rechtzeitig vor Beginn der Wettkämpfe bekamen Ries und seine Reisegefährten dann endlich ihr Equipment geliefert - beziehungsweise mussten es abholen. Ohne die Beharrlichkeit ihres Taxifahrers hätten sie es vermutlich nie bekommen. "Südamerika funktioniert halt anders als Deutschland."

Aber nicht nur solche Lektionen mussten die drei Deutschen erst lernen. Auch die Pistenbeschaffenheit - sprich der Sand - ist ganz anders als in Hirschau. Entsprechend wurden die Bretter präpariert. Dazu haben die drei sich Resopal von einem Schreiner besorgt. Dies wurde allerdings anders herum - also mit der Dekorseite innen - auf die Bretter geklebt und dann mit Kerzenwachs präpariert. Der Verschleiß war dennoch hoch. Nach jeder fünften Abfahrt musste der Belag gewechselt werden. Auch hier wurde einmal mehr die Konkurrenz deutlich. So richtig sagte ihnen keiner, wie es geht. Das sollte die drei Asse aus Deutschland aber nicht stören. Bald hatten sie den Dreh raus.

Der Ausblick vom Gipfel ins Tal ist dem von Hirschau nicht unähnlich.

Bestzeit in der Quali

Manuel Ries schockte die Konkurrenz mit der Bestzeit in der Quali zum Boardercross. Doch dann war in der ersten Runde schon Schluss. Zum einen musste er den Belag zwischen den Läufen wechseln, zum anderen durfte sich der Quali-Sieger - anders als in Hirschau - nicht den Startplatz aussuchen. So hatte er eben ein bisschen Pech. Besser lief es im Parallelslalom. Da wurde Ries beim Sieg von Luca Flachenecker Vierter. Katja Seegerer konnte gleich zwei Siege mit nach Hause nehmen: Im Boardercross und im Parallelslalom. Für den musste der Tross sogar umziehen. Der Parallelslalom fand in Paracas statt, eine zweistündige Busfahrt von Ica entfernt.

Ries ist nicht nur der Erste, der rauf fährt. Er genießt das Boarden auch bis zum Sonnenuntergang.

Nicht nur aus sportlicher Sicht bleibt die Reise bei Manuel Ries in Erinnerung. An einem wettkampffreien Tag machten die drei in einem geliehenen Buggy eine ausgiebige Dünentour. "Es gibt nichts Schöneres, als auf dem Brett dem Sonnenuntergang entgegenzufahren", schwärmt Ries. Ganz anders, aber nicht weniger imposant, war der Abschlussausflug zur alten Inka-Stadt Machu Picchu. Ries ist sich sicher, dass das nicht der letzte Besuch in dem südamerikanischen Land war. Nächstes Jahr beim Sandspirit hat er wieder die Gelegenheit, eine Reise dorthin zu gewinnen.

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