08.02.2020 - 02:06 Uhr
HirschauOberpfalz

Seiner Zeit voraus: Solarenergie- und E-Auto-Pionier Richard Birner

Es ist Samstag, der 16. November 1991, 10 Uhr. Im Haus von Richard und Barbara Birner, Max-Reger-Straße 27, geschieht etwas bislang im Landkreis noch nie Dagewesenes: Die erste Photovoltaikanlage geht in Betrieb.

Am Samstag, 16. November 1991, nahm Richard Birner (l.) in seinem Wohnhaus, Max-Reger-Straße 27, die erste Photovoltaikanlage im Landkreis Amberg-Sulzbach in Betrieb. Die AZ berichtete darüber am 14. Dezember nach einer Besichtigung der PV-Anlage durch den damaligen CSU-Stadtratsfraktionsvorsitzenden Werner Schulz (r.).
von Werner SchulzProfil
Für den Solarpionier Richard Birner war sowohl der Bau der PV-Anlage auf dem Dach als auch der Anschluss an das OBAG-Netz Neuland.
Im Jahr 1995 wurde Richard Birner erneut zu einem Vorreiter in Sachen praktiziertem Umweltschutz, als er mit seinem „Microcar Light“ das erste Elektroauto bei der Kfz-Zulassungsstelle des Landkreises anmeldete. Seine Familie legte damit 45 000 Kilometer bis zur Stilllegung im Jahr 2010 zurück. Heute steht der Zweisitzer in der Garage der Familie Birner.
Für seine Pioniertaten und seine beispielgebenden Umweltaktivitäten wurde Richard Birner mehrfach geehrt. Der Landkreis Amberg-Sulzbach verlieh ihm 1993 den Umwelt- und Naturschutzpreis, später im Februar 2000 die „Grüne Hausnummer“.
Gleich fünfmal, nämlich 1992, 1993 und 1996, zeichnete die Stadt Hirschau Richard Birner für „besondere Verdienste im ökologischen Bereich“ aus. Er engagierte sich insbesondere auch in herausragender Weise in der AG Schulgarten der Hirschauer Schule und als Umweltbeauftragter des CSU-Ortsverbandes.

Richard Birner beschreibt den für ihn unvergesslichen Moment: „Ich stand vor dem Zählerschrank. Im Keller lief die Waschmaschine, einige Lampen waren eingeschaltet. Draußen schien die Sonne. Der Stromzähler drehte sich normal. Ich schaltete die PV-Anlage ein. Der Zähler ruckte kurz. Nun lief er rückwärts. Es wurde mehr Solarstrom erzeugt, als im Haus momentan verbraucht wurde. Ich setzte mich auf die Kellertreppe, machte mir ein Bier auf und beobachtete nur den Zähler. Unvergesslich: Sonnenstrom das erste Mal im Landkreis im OBAG-Stromnetz.“ Es war ein langer Weg, den Richard Birner bis dahin zu bewältigen hatte. Aus Sonnenlicht Strom zu erzeugen, davon hatte der gelernte Elektriker in den 1980-er Jahren schon öfter gehört und gelesen. Er erschien ihm als etwas Wunderbares, Sonnenlicht einzufangen und daraus kosten- und schadstofffrei Energie zu gewinnen. Als der Bund 1990 das 1000-Dächer-Photovoltaikprogramm auflegte, stellte er einen formlosen Antrag an die Regierung der Oberpfalz. Diese forderte ihn am 19. Februar 1991 auf, einen formgerechten Förderantrag einzureichen. Am 4. September kam der Bewilligungsbescheid. Mit dem Aufbau der Anlage begann er am 30. Oktober, nachdem er beim Suchen nach einem Lieferanten von Photovoltaikprodukten bei der AEG in Nürnberg fündig geworden war.

16 Pfennig pro Kilowattstunde

Nach dem 16. November wurde das Wohnhaus zeitweise zum Mekka der Solarenergie-Interessierten. 1992 kamen zum Tag der offenen Tür über 400 Besucher. So begeistert er vom gelungenen Start war, so ernüchternd war die Reaktion der OBAG-Monteure, die die Zähleranlage umbauten. Solarstrom in ihrem Stromnetz – das bezeichneten sie als Pipifax. Er wäre viel zu teuer und würde sich nie durchsetzen. In der Tat war man damals von einer Wirtschaftlichkeit der 1,8 kWp-Anlage weit entfernt. Sie kostete ca. 44 000 DM. Bei einer Förderung von 32 100 DM blieb eine Eigenleistung von 12 000 DM. Für den an die OBAG verkauften Strom gab es 16 Pfennig je kWh. Der von ihr bezogene kostete 32 Pfennig pro kWh. Im Durchschnitt erzeugte man 1 200 kWh pro Jahr. Die Birners achteten darauf, ihre Elektrogeräte möglichst bei Sonnenschein einzuschalten. Der Strom war ja kostenlos. Rentabler wurde die Sache durch das 2000 in Kraft getretene Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG). Die Einspeisevergütung für PV-Anlagen wurde für 20 Jahre auf 99 Pfennig pro kWh festgelegt – Grund genug für Birner, seine Anlage auf 3 kWq zu vergrößern.

Seither produziert er jährlich rund 3 000 kWh Strom. Er hofft, noch heuer die Marke von 70 000 kWh Photovoltaikstrom zu überschreiten. Heute belächelt er die, die vor fast 30 Jahren dieser Stromerzeugung keine Zukunft gaben. Dem Strom aus Wind und Sonne gehört die Zukunft. Der nächste Schritt wäre für ihn die Speicherung von sauberem Strom. Wasserstoff biete sich dafür an. Die Stromwirtschaft-Lobbyisten setzten aber auf Monstertrassen, die Windstrom von der Nordsee nach Bayern liefern. Dabei stünden heute schon zeitweise Windräder still, weil zu viel sauberer Strom im Netz ist. Kritisch sieht er auch die 70-Prozent-Drosselung der Wechselrichter. „So kann man mit sauberer Energie nicht umgehen!“

Erstes Elektro-Auto

Vier Jahre später wurde der Solarpionier wieder zu einem Vorreiter in Sachen praktiziertem Umweltschutz. 1995 meldete er das erste Elektroauto – ein „Microcar Light“ – bei der Kfz-Zulassungsstelle des Landkreises an. 28 000 DM kostete der im Ausland erstandene Zweisitzer, weitere 10 000 DM die Nickel-Cadmium-Hochleistungsbatterie. Richard Birner und seine Frau Barbara waren von dem Zweitwagen voll überzeugt: „Unser E-Auto ist sympathisch, leise, vollautomatisch, emissionsfrei, wendig, rostfrei, wirtschaftlich, 5 Jahre steuerfrei, enorm versicherungsgünstig, leicht, praktisch und mit einer Reichweite von ca. 80 km sowie einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h autobahntauglich.“ Rückblickend können die Birners feststellen, dass sie mit ihrer Einschätzung richtig lagen. Von 1995 bis 2010 legten sie ca. 45 000 Kilometer zurück. Die weitesten Fahrten gingen nach Nürnberg, Straubing und Pappenheim. Die weiteste mit einer Batterieladung gefahrene Strecke betrug 128 Kilometer. Pro Jahr zahlte man 22,50 Euro Steuern und 105 Euro für die Versicherung. Dank hauseigenem Solarstrom entstanden so gut wie keine Verbrauchskosten. Es brauchte keine größere Reparatur, die Kundendienstkosten waren gering. Einmal brauchte man einen Satz Reifen. Nach 15 Jahren machte die Batterie 2010 schlapp. Seither steht das „Microcar light“ in der Birner-Garage. Richard Birner: „Ich hatte es nach Theuern ins Elektro-Museum gebracht. Die hätten es aber im Freien aufgestellt. Dazu war mir mein Auto zu schade. Immerhin ist es ja das erste E-Auto im Landkreis.“ In einem Punkt ist sich der E-Auto-Pionier sicher. Elektro-Autos sind nicht die Zukunft. Sie sind eine Übergangslösung. Die Zukunft gehöre auch in der Fahrzeugtechnik dem Wasserstoff.

Für seine Pioniertaten und seine beispielgebenden Umweltaktivitäten wurde Richard Birner, der sich als Umweltbeauftragter der Hirschauer CSU genauso engagierte wie in der AG Schulgarten der Hirschauer Schule und beim Amberger Solar-Förderverein, mehrfach geehrt. Die Stadt Hirschau zeichnete ihn 1992, 1993 und 1996 für seine besonderen Verdienste im ökologischen Bereich aus. Der Landkreis verlieh ihm 1993 den Umwelt- und Naturschutzpreis, im Februar 2000 die „Grüne Hausnummer“. Diese Auszeichnung erhielt er nicht nur wegen seiner PV-Anlage. Im Hause Birner war und ist die Regenwassernutzung genauso selbstverständlich wie die Warmwasseraufbereitung durch Solarenergie.

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