30.09.2020 - 10:51 Uhr
HirschbachOberpfalz

Fallschirmspringer aus Sperrholz: Modellflugverein Achtel international erfolgreich

Auch die Modellsportler sind 2020 von den Corona-Auflagen betroffen und können keine Wettbewerbe in gewohntem Umfang abhalten. Not macht erfinderisch - und so ist die Idee zu einem Online-Wettbewerb im Zielspringen entstanden.

von Externer BeitragProfil

Normalerweise wetteifern die Modellsportler bei gemeinsamen Treffen um die höchste Zielgenauigkeit. Wegen Corona musste heuer jeder einzeln auf seinem Heimatflugplatz die Aufgabestellung absolvieren. Die Ergebnisse trugen die Teilnehmer - natürlich auf Ehr' und Gewissen - auf einer Online-Plattform ein. "Vier Sprünge wurden gewertet", erzählt Ernst Herbst vom Modellflugverein (MFV) Achtel. Gelandet werden sollte möglichst nah an einem markierten Punkt - jeder Zentimeter Entfernung vom Landepunkt ergab einen Strafpunkt.

Gewinner ist, wer in vier Sprüngen aufsummiert die wenigsten Zentimeter Entfernung vom Landepunkt vorzuweisen hat. Vom MFV Achtel beteiligten sich vier Mitglieder an dem Online-Wettbewerb. Drei davon waren Jugendliche. Außerdem waren der amtierende Europameister, der amtierende Deutsche Meister und neben den deutschen Modellsportlern auch Teilnehmer aus Südafrika, USA, Schweiz und Holland am Start.

Im Maßstab von 1:4

Doch wie funktioniert ein Modellfallschirmsprung überhaupt? Ernst Herbst erklärt es: "Es handelt sich um ein Modell im Maßstab von etwa eins zu vier, also 40 bis 50 Zentimeter groß. Der Springer besteht hauptsächlich aus Sperrholz und wird von den Sportlern meist selbst gebaut." Laut den Wettbewerbsregeln muss das Modell einem Springer nachempfunden sein - samt Armen und Beinen, außerdem muss der Kopf mit Springerhelm erkennbar sein. Ganz wichtig ist, dass das Modell auch richtig gekleidet sein muss - mit Springeranzug, Stiefel, und das Wichtigste für den Sprung, einen Schirm-Packsack mit Gurtzeug, trägt. Der Schirm besteht aus Original-Fallschirmseide und wird meist in einer Größe von etwa 170 mal 70 Zentimeter genäht. Um eine gute Steuerbarkeit für den Zielsprung zu erreichen, wird laut Herbst meist die Form eines Paraschirms, auch Matratzenschirm genannt, gewählt.

Und wie wird so ein Modell ins gewünschte Ziel gesteuert? "Im Bauch des Modellspringers befinden sich drei kleine Elektromotoren - Servo genannt -, ein Funkempfänger für die Fernsteuerung und ein kleiner Akku", erklärt Herbst. Über ein Servo wird das Öffnen des Packsacks und somit das Entfalten des Schirms gesteuert. Die beiden Arme besitzen ebenfalls je ein Servo und werden damit auf und ab bewegt. Über Steuerleinen, die an den Händen befestigt sind, wird dann die Hinterkante des Schirms nach unten gezogen, um Kurvenflüge und Gleitwinkel zu koordinieren.

Um den Modellspringer überhaupt in die Luft zu bekommen verwenden die Teilnehmer ein "Schleppmodell". "Im MFV Achtel übernehme ich mit meinem Modell diese Aufgabe", brichtet Herbst. Dabei handelt es sich um ein sehr leicht gebautes, elektrisch angetriebenes Flugzeug-Modell mit 2,8 Metern Spannweite. Mit diesem Modell können zwei Springer gleichzeitig nach oben gebracht werden. "Die Springerpiloten sagen mir dabei, wo ich ihren Springer absetzen, beziehungsweise ausklinken soll. Normalerweise wird das in einer Höhe von etwa 300 Metern gemacht. Der Springerpilot orientiert sich dabei an Windgeschwindigkeit und Richtung, damit er eine gute Ausgangsposition für den anschließendem Gleitflug zum Zielpunkt hat."

Elfjähriger mit guter Platzierung

Das bedeutet quasi, dass der Schlepppilot den Springer abwirft. Ersterer steuert das Absetzen, anschließend übernimmt der Springerpilot selbst. Nach einem kurzen freien Fall öffnet er den Fallschirm und versucht sofort, den Schirm vor dem Wind auszurichten. Der Springerpilot beobachtet die Gleitgeschwindigkeit und steuert so den Springer mit dosierten Gleitwinkelveränderungen und Kurven, um möglichst nahe am Zielpunkt zu landen. Für die Wertung wird der Punkt des ersten Bodenkontakts der Springerfüße zum Zielmittelpunkt gemessen.

Im Online-Wettbewerb mit insgesamt 73 Teilnehmern aus aller Welt haben sich die Sportler des MFV Achtel gut geschlagen. Beachtlich ist das Ergebnis des erst elfjährigen Peter Kummer, der im wahrsten Sinn des Wortes auf Platz 27 landete. Bei seinen vier Sprüngen verpasste er das Ziel nur um 2,45, 4,6, 2,6 und 1,8 Meter.

Damit rangiert der Bub 706 Punkte hinter dem amtierenden Europameister und führt in der Achtler Gruppe vor Karin Herbst, Elias Harzer und Fabian Kummer. Der Elfjährige freute sich zusammen mit den Vereinskameraden riesig über die gute Platzierung.

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