31.01.2020 - 10:10 Uhr
Hirschwald bei EnsdorfOberpfalz

Die Naturpark-Ranger: Herz und Hirn des Hirschwalds

Wenn Christian Rudolf und Jonas Nelhiebel durch den Hirschwald streifen, hören, sehen und riechen sie Dinge, die andere gar nicht wahrnehmen. Die Ranger sind Herz und Hirn des Naturparks. Ihren Job sehen sie als Passion.

Jonas Nelhiebel (links) und Christian Rudolf gewährten bei einer zweistündigen Wanderungen einen Einblick in ihre Arbeit als Naturpark-Ranger.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Christian Rudolf weiß, wie er seine Zuhörer in den Bann zieht. Früher versuchte er die Menschen als Wildnispädagoge für die Natur zu begeistern, heute tut er das in seiner Funktion als Ranger des Naturparks Hirschwald. Eine Sache funktioniert immer, um Aufmerksamkeit zu generieren: Feuer machen.

Was für jene, die das noch nie ohne Feuerzeug und Zündhölzer zuwege gebracht haben, wie eine Wissenschaft klingt, ist schnell dechiffriert. Alles, was Rudolf dazu braucht, sammelt er ein (Distelsamen und Feuerstein) oder hat er einstecken (Zunderschwamm und ein Stück Eisen am Schlüsselbund). Mit dem Eisen schlägt der 41-Jährige auf den Feuerstein. Die Funken entzünden den Distelsamen, mit dem wiederum der Zunderschwamm zum Glühen gebracht werden kann. Fertig ist das Feuer à la Fred Feuerstein. Es gibt auch noch andere Möglichkeiten, eine Glut zu entfachen.

Der ehemalige OTV-Mitarbeiter Jonas Nelhiebel tauschte TV-Kamera gegen Fernglas ein und arbeitet sei Anfang Januar als Ranger.

Wie das geht, hat der Lengenfelder schon endlos oft bei Vater-Kind-Wochenenden oder Führungen gezeigt, als er noch eine Wildnisschule betrieb. Das macht er auch künftig. Nur eben jetzt als Naturpark-Ranger. Natürlich kann Rudolf noch mehr als Feuer machen. Viel mehr. Für den studierten Forstwirt und ehemaligen Berufsjäger ist die Natur so etwas wie sein Wohnzimmer.

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Amberg

"Lauterachtal eine Pracht"

Seit Anfang Januar erhält der 41-Jährige Unterstützung. Der Freistaat finanziert für den Hirschwald einen zweiten Ranger. Jonas Nelhiebel sah darin seine Chance, die Branche zu wechseln. Das forcierte der gelernte Mediengestalter bereits seit einiger Zeit. Der 31-Jährige engagiert sich schon lange für den Landesbund für Vogelschutz (LBV). "Für mich persönlich sehe ich keine andere Stelle, bei der ich so wertvolle Sachen machen kann", sagt Nelhiebel über seinen neuen Job. Schon die Jüngsten könnten für die Schönheit der Heimat sensibilisiert werden. Nelhiebel schwärmt selbst von ihr in höchsten Tönen: "Das Lauterachtal ist eine wahre Pracht. Wenn du am Jurasteig oben entlang gehst, geht dir das Herz auf."

Noch etwas pusten, damit die Glut sich richtig entfalten kann. Christian Rudolf weiß, wie er in der Natur Feuer machen kann.

Für die Landschaft und den Naturpark engagieren sich die beiden Ranger in etlichen Bereichen. Sie beteiligen sich am Ferienprogramm, um ihrem Bildungsauftrag gerecht zu werden. Sie sind verantwortlich für die Landschaftspflege. Auch die Forschung zählt zum Aufgabengebiet. Im vergangenen Jahr hat Rudolf 550 Fledermaus-Nistkästen aufgehängt. Ein umfassendes Naturschutzprojekt. Derzeit haben die Großen Hufeisennasen - die Art gibt es nur noch in der Region - ihr Winterquartier auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels aufgeschlagen. Wenn die Fledermäuse im Frühling die Kästen als Unterschlupf nutzen, beginnen Rudolf und Nelhiebel die Population zu zählen.

Zwei Ranger sind für den Naturpark Hirschwald zuständig.

Im kommenden Jahr wollen die beiden Ranger ein weiteres Naturschutzprojekt ins Leben rufen. Amerikanische Signalkrebse bevölkern seit Jahren die Flüsse und verdrängen heimische Krebsarten. "Es ist so aus dem Gleichgewicht geraten, dass uns nichts anderes übrig bleibt, als einzugreifen", sagt Rudolf. Die Ranger wollen Kontakt zu den Fischereivereinen von Amberg bis Schmidmühlen aufnehmen. Fanggruppen sollen gebildet und die Leute geschult werden. Auch mit dem Planetarium in Ursensollen planen Rudolf und Nelhiebel eine Zusammenarbeit. So könnte sich beispielsweise an einen Sternenkunden-Kurs eine Nachtwanderung im Hirschwald anschließen. Das sind Projekte, die angegangen werden können, weil die Grundlagen geschaffen sind. Die erste Zeit war Rudolf damit beschäftigt, die Strukturen zu schaffen, Netzwerke aufzubauen. Dazu zählte auch, die Infrastruktur digital einzupflegen. Fledermauskästen, Infotafeln, Hörstationen und die Kunstwanderstation können die beiden Ranger nun auf einer virtuellen Landkarte am Tablet einsehen. Den Großteil des Naturparks haben Rudolf und Nelhiebel erkundet und erfasst - sie sind damit sozusagen das Hirn des Hirschwalds.

Zwei Ranger sind für den Naturpark Hirschwald zuständig.

Fuchs, Eisvogel und Bisamratte

Neben all den Projekten und Pflichtaufgaben besitzen die beiden eine Faszination für die Natur, die ansteckt. Als Nelhiebel über eine Brücke geht, riecht er die Hinterlassenschaften eines Fuchses. "Der hat hier sein Revier markiert", erklärt er. Während andere nur Flüsse und Wiese sehen, sagt der 31-Jährige: "Hier ist gerade narrisch viel los: Oben fliegt ein Silberreiher, da vorne ein Eisvolgel, zwei Stockenten und eine Bisamratte sind gerade weggeschwommen. Dort hinten war eben ein ganzer Trupp Stieglitze im Baum." Die Naturpark-Ranger sind das Herz des Naturparks. Sie sehen, hören und riechen Dinge, die andere gar nicht wahrnehmen.

Themenseite Naturpark Hirschwald

Zwei Ranger sind für den Naturpark Hirschwald zuständig.
Hirschwald:

Drittkleinster Naturpark in Bayern

Der Naturpark Hirschwald zählt mit einer Größe von 277 Quadratkilometern zu den kleineren in Bayern. Genauer gesagt ist er der drittkleinste. Zum Vergleich: Der Naturpark Bergstraße-Odenwald wartet mit einer Größe von rund 3500 Quadratkilometern auf.

Der Naturpark Hirschwald wurde am 18. Dezember 2006 als 17. bayerischer Naturpark ausgewiesen. Unterhalten wird er vom Trägerverein "Naturpark Hirschwald", der seinen Sitz in Amberg hat. Flächenanteil am Naturpark haben zudem die Gemeinden Ensdorf, Hohenburg, Kastl, Kümmersbruck, Rieden, Ursensollen sowie Schmidmühlen. Die Große Hufeisennase ist nur noch in der Region beheimatet. Überleben konnte die Fledermausart aufgrund ihrer Nähe zum Truppenübungsplatz Hohenfels. Aktuell wird im Hirschwald Lebensraum für die Tiere geschaffen.

Vom Naturpark aus werden einige Veranstaltungen und Kurse angeboten. Das Programm und weitere Informationen sind auf der Internetseite abgebildet. www.naturparkhirschwald.de

Jonas Nelhiebel geht in seinem neuen Job auf. Er lobt auch die Familienfreundlichkeit seines neuen Arbeitgebers. Seine Kinder darf er jederzeit in die Arbeit mitnehmen.
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