09.09.2018 - 18:31 Uhr
HohenburgOberpfalz

Hohenburger Stiefkind zeigt seine Schätze

Die Salvatorkirche gegenüber dem Friedhof in Hohenburg musste schon viel über sich ergehen lassen. Fast stiefmütterlich wurde sie über Generationen hinweg behandelt: Davon erzählen Johann Höllriegl und Paul Böhm amTag des Offenen Denkmals.

Ein Bildnis des heiligen St. Salvator findet man in der Hohenburger Salvatorkirche nur schwerlich – aber als Statue über dem Haupteingang grüßt er Besucher. Wer ganz genau hinsieht, entdeckt innen noch ein weiteres, kleines Bild des Heiligen, das in den Ornamenten des Hochaltars eingelassen ist.
von Paul BöhmProfil

Erst Pfarrer Erwin Strempel bemühte sich 1978 um die Genehmigung zur Renovierung und um die nötigen Zuschüsse, so dass im April 1981 mit der Außenrenovierung der Kirche begonnen werden konnte. 1982 erfolgten die ebenfalls nötigen Arbeiten im Inneren sowie die Instandsetzung der wertvollen Funtsch-Orgel aus dem Jahr 1785.

Von Flüchtlingen genutzt

Über Jahre hinweg nutzte die evangelische Gemeinde, bestehend aus Flüchtlingen unter anderem aus Ostpreußen, Schlesien und dem Sudetengau, den Raum für ihre Gottesdienste, ehe er nach einer Einsichtnahme durch die Baubehörde für gottesdienstliche Zwecke geschlossen werden musste.

Eine erste Instandsetzung konnte damals Pfarrer Heinrich Seitz einleiten, in deren Verlauf der Bau wieder einigermaßen hergerichtet werden konnte. Fachgerechte Sanierungen sind oft ausgeblieben, um wenigstens den Bestand zu sichern.

In der Chronik von Hohenburg kann man nachlesen, dass die Kirche im 19. Jahrhundert viel an Bedeutung eingebüßt hat, weil sie wenig besucht wurde. Schließlich wurde sie zugesperrt. 1910 wurde zwar unter Pfarrer Häsele eine Renovierung vorgenommen - die allerdings an Sorgfalt sehr zu wünschen übrig ließ.

Mit den zahlreichen Votivbildern wurde damals nicht schonend umgegangen, berichtet die Hohenburger Chronik. In den folgenden sieben Jahrzehnten erlitt die Kirche dann wiederum zahlreiche Schäden.

Eine Stiftungsurkunde von 1345 nennt die im Vormarkt Altach liegende Kirche "Kappel gen Hohenburg". Spätere Bezeichnungen sind "Kapelle unseres Herrn", "Kopel" oder "Kopelkirche". In einer Urkunde von 1451 wird sie als "Capella Saneti Salvatoris extra Muros opidi Hohenburg" erwähnt. Wie Paul Böhm erzählte, findet man am Hochalter merkwürdigerweise keine Darstellung des Patrons, also ein Salvator-Bild, sondern ein lebensgroßes Bildnis des leidenden Heilands (um 1450). Da die Kirche bereits 1451 als Salvatorkirche bezeichnet wird, darf man annehmen, dass es ursprünglich am Altar ein Salvator-Bild gegeben hat, das dann durch das heutige Motiv ersetzt wurde. Die Inschrift auf dem Postament lautet: "Diese der Vorstellung des leuden Christy Wunderthätige Bildnis hat Phillibus Herzig in Payrn, Bischof zu regensburg (Philipp Wilhelm, Herzog von Bayern 1579 - 1598) als der dieserorthen sein Bistum besucht und ganz veraltet gesehen, widrum erneuern lassen 1595."

Wie Paul Böhm erklärte, zieren vier Säulen die zwei seitlichen Figuren, St. Maria und St. Johannes. "In früheren Jahrhunderten war die St. Salvatorkirche eine vielbesuchte Wallfahrtskirche, wie die noch erhaltenen Votivtafels im Chorrandum beweisen", sagte Johann Hollriegl, der dies noch aus Erzählungen weiß.

Erhalten sind zahlreiche Grabsteine, von denen die des Pflegers Albert Schenk von Stauffenberg (gestorben 1645) und seiner zwei Gemahlinnen sowie einiger bischöflicher Beamter besondere Beachtung verdienen.

Das Bild im Bild

Etwas Besonderes ist das Bildnis des Ölberges an der Nordwestseite des Kirchenschiffs, zwischen 1604 und 1620 vom Hufschmied Leonhard Diellin errichtet. Als er 1627 das Gemälde renovieren ließ, ließ er darin ein Bild von sich selbst und seiner Frau, vier Söhnen und zwei Töchtern anbringen. Wie die Hohenburger noch zu erzählen wissen, wurde das gleich dahinter liegende Haus einst als Hospiz für Seuchenkranke und Arme genutzt. Über ein Fenster hatten sie die Möglichkeit, die Gottesdienste zu verfolgen - in die Kirche durften sie damals nicht.

„Zu Lob und Ehren der Allerheiligsten Dreifaltigkeit hat der Ehrenhafte Bürger Leonhardt Diellin, Hufschmidt zu Hohenburg disen Ölberg bey dem Heyligen Gottshauß St. Salvators JME, seiner Hausfrawen und khündern zur gedechtnuß Aufrichten und Im Jar 1627 renovieren lassen."

Erhalten sind zahlreiche Grabsteine, von denen die des Pflegers Albert Schenk von Stauffenberg (gestorben 1645) und seiner zwei Gemahlinnen sowie einiger seiner bischöflichen Beamten besondere Bedeutung verdient.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.