20.04.2020 - 14:31 Uhr
HohenburgOberpfalz

Krematorium Hohenburg erreicht Kapazitätsgrenze

Während einer Pandemie sind es stets nicht nur die Infizierten, die den Verantwortlichen Sorgen bereiten, sondern auch die Toten. Nun folgt ein trauriger Höhepunkt: Das Krematorium in Hohenburg hat seine Leistungsgrenze erreicht.

Die Feuerbestattung Oberpfalz in Hohenburg: Das Coronavirus hinterlässt auch dort seine Spuren.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Das Krematorium in Hohenburg, das nicht nur Verstorbene aus Amberg-Sulzbach, sondern auch aus Cham, Weiden oder Tirschenreuth einäschert, arbeitet momentan an der Kapazitätsgrenze. Geschäftsführer Gerhard Büttner erklärt: "Ehrlich gesagt, ist bei uns gerade Land unter. Wir merken die Auswirkungen des Coronavirus deutlich." 45 Einäscherungen werden täglich mit zwei Öfen im Drei-Schicht-Betrieb gestemmt. Mehr geht nicht, sagt Büttner, da eine Einäscherung bis zu drei Stunden dauere.

Mehr Feuerbestattungen

Allein 96 Verstorbene, die in Hohenburg eingeäschert wurden, hatten das Coronavirus. Jeder dieser Särge muss vor Öffnung desinfiziert werden. Aktuell bietet eine Feuerbestattung darüber hinaus die Möglichkeit, die Beisetzung um einige Tage oder Wochen zu verschieben. Dies kann sinnvoll sein, wenn sich beispielsweise enge Angehörige in Quarantäne befinden und nicht an der Beerdigung teilnehmen könnten. Auch die aktuell immer noch strengen Auflagen der Staatsregierung bei Beerdigungen (maximal 15 Personen, 1,5 Meter Abstand, kein Gottesdienst oder Rosenkranz) lassen viele Familien mit der Beisetzung warten. Bestatter aus verschiedenen Landkreisen in der Oberpfalz berichten von einer leichten Zunahme der Feuerbestattung bei der Wahl der Beisetzung.

Reaktion vom 20. April:

Einäscherungen weiterhin problemlos möglich

Als Reaktion auf den Artikel "Krematorium erreicht Kapazitätsgrenze", stellt Geschäftsführer Gerhard Büttner klar: "Wir haben noch Kapazitäten bei den Einäscherungen. Es braucht niemand Sorge haben, dass eine Einäscherung nicht durchgeführt werden kann." Die Kapazitäsgrenze sei vor allem bei den Kühlmöglichkeiten in Hohenburg erreicht. Grundsätzlich gebe es auch im Krematorium Selb in Oberfranken, das zur gleichen Gruppe gehört, noch Kapazitäten. Die Krematorien in Bayern würden sich bei Bedarf gegenseitig aushelfen: "Es gibt auch einen Plan B, falls unser Krematorium mal komplett dicht machen muss. Einäscherungen sind problemlos möglich im Moment." Das Krematorium Hohenburg habe noch keinen Termin verpasst, erklärte Büttner.

Innerhalb von 96 Stunden

Vor allem der stark betroffene ostbayerische Raum trage zur Verschärfung der Lage in Hohenburg bei, sagt Büttner. Er erklärt weiter: "Wir arbeiten so zügig es nur geht, auch aus Gründen der Seuchengefahr für das Personal." Trotzdem hat das Krematorium seine Kühlkapazitäten bereits von 80 auf 160 hochgefahren. Sollte die Sterberate durch das Virus weiter ansteigen, ist eine Erweiterung der Kühlmöglichkeiten nur noch in Zusammenarbeit mit dem Katastrophenschutz und dem Technischen Hilfswerk oder der Bundeswehr möglich.

Mehr Feuerbestattungen auch im Raum Tirschenreuth

Tirschenreuth

Das Krematorium stehe bereits in Kontakt mit den Verantwortlichen: "Die stehen Gewehr bei Fuß, aber wir alle hoffen natürlich sehr, dass es dazu nicht kommen wird." Wer nun Bilder von Lastwagen, wie in New York, im Kopf hat, den kann Büttner ein wenig beruhigen: "Es müssen natürlich pietätvolle Lagerräume geschaffen werden. Das sind meistens Räume oder Zelte, die klimatisiert weit heruntergekühlt werden können. Grundsätzlich sind das alles kurzzeitige Lösungen, die nur dann zum Einsatz kommen, wenn es wirklich nicht anders geht."

Gekühlt bei zwei bis sechs Grad Celsius kann ein Leichnam bis zu 14 Tage zusätzlich aufbewahrt werden. Eingefroren spricht Büttner vom Monatsbereich. "Allerdings müsste dazu auch an den rechtlichen Stellschrauben gedreht werden", denn die bayerische Bestattungsverordnung schreibt die Bestattung eines Leichnams binnen 96 Stunden nach Eintritt des Todes vor. "Wir hoffen aber wirklich inständig, dass es dazu nicht kommen wird", wiederholt Büttner. "Und Massengräber will in Deutschland, glaube ich, niemand."

Auch Bestatter sind systemrelevant

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