20.03.2020 - 18:26 Uhr
HohenfelsOberpfalz

Im Übungsplatz Hohenfels: Erinnerungen an polnische Schicksale

Es ist ein Mahnmal. Restauriert, 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs: Im Truppenübungsplatz Hohenfels erinnert ein Gedenkstein an Tausende polnische Staatsbürger, die nach Kriegsende vorübergehend in Nainhof untergebracht waren.

Der polnische Nato-Botschafter Thomasz Szatkowski legte am neu gestaltete Denkmal zur Erinnerung an seine polnischen Mitbürger einen Kranz in den Nationalfarben seines Heimatlandes nieder.
von Paul BöhmProfil

Die "Displaced Persons" waren hier meist polnische Staatsangehörige, Zwangsarbeiter und Verschleppte, die nach der Befreiung in den Häusern und Baracken des geräumten Kriegsgefangenenlagers "Stalag 383" in Hohenfels einquartiert wurden. Daran erinnert auch noch der Polenfriedhof zwischen Unter- und Oberödenhart. Dort hatten auch polnische Staatsbürger vorübergehend eine letzte Ruhestätte, bis zu ihrer Umbettung 1962. Mit dem sanierten Gedenkstein, dem Polenkreuz und einem weiteren Mahnmal in der Nähe des Postgebäudes, gibt es insgesamt drei polnische Denkmäler im Truppenübungsplatz Hohenfels.

Hoher Besuch zur Einweihung

Der jetzt sanierte Gedenkstein soll allen Erinnerung und Mahnung sein, wie viel Leid damals die Menschen fernab ihrer polnischen Heimat erfahren und ertragen mussten. Der polnische Konsul Aleksander Korybut-Woroniecki hatte bereits im November 2014 Hohenfels besucht, um die Denkmäler und den Friedhof seiner Landsleute zu besichtigen. Jetzt ist das Mahnmal der "displaced Persons" neu gestaltet und gewidmet worden. Zur Einweihung waren neben dem Kommandeur der polnischen Streitkräfte, General Jaroslaw Mika, und dem polnischen Nato-Botschafter Thomasz Szatkowski auch der Kommandeur der US-Army in Europa, Generalleutnant Christopher Cavoli, nach Hohenfels gekommen, um an die menschlichen Schicksale und Tragödien jener Zeit zu erinnern und ihnen ihre Wertschätzung zu erweisen.

Persönliche Erinnerungen

Bei der Kranzniederlegung fand der polnische Nato-Botschafter Thomasz Szatkowski sehr persönliche Worte. Er sprach von seinem Vater und seinen Großvater, die beide dem polnischen Widerstand angehörten und als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt worden waren. Beginnend mit der Befreiung von Auschwitz im Frühjahr 1945 bis hin zu Ende des Kalten Krieges und der heute bestehenden polnisch-amerikanischen Zusammenarbeit bestehe eine kontinuierliche partnerschaftliche Entwicklung im westlich Saatenbündnis, betonte Szatkowski. Und fügte hinzu: "Polen ist glücklich, zur Nato zu gehören.

Auch General Jaroslaw Mika zollte den Menschen Respekt, die damals diesen Gedenkstein ihren "Brothers in Arms" (Waffenbrüdern) gewidmet haben. Viele amerikanische Soldaten seien damals im Zweiten Weltkrieg für die Freiheit gefallen. "Es liegt in unseren Händen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt", unterstrich Mika. Generalleutnant Christopher Cavoli dankte dem polnischen Nato-Botschafter Szatkowski für seinen Einsatz für die Renovierung des Denkmals in Hohenfels. Er unterstrich die Verbundenheit zwischen Polen und den USA sowie die erfolgreiche militärische Allianz beider Länder, die nicht zuletzt die Ostflanke der Nato sichere. Er sehe es auch als eine Aufgabe der Vereinigten Staaten, mit den polnischen Streitkräften und anderen Nato-Partnern in Hohenfels zu trainieren.

Der Pressesprecher der US Army in Hohenfels Norbert Wittl kann die Geschichte der Grabkreuze erzählen. "Es waren fasst allesamt polnische Staatsbürger, die hier vorübergehend im Polenfriedhof bis zu ihrer Umbettung im Jahr 1962 eine Ruhestätte gefunden hatten.
Im Blickpunkt:

Mahnende Worte

Die Inschrift auf der Tafel des sanierten Mahnmals lautet: „Das Denkmal wurde zum 80. Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges aus der Initiative des Ministeriums für Nationale Verteidigung der Republik Polen im Institut für Nationales Gedenken renoviert, um das Gedenken an die in deutschen Konzentrationslagern gefangen gehaltenen Polen sowie die Soldaten der US Army, die ihnen die Freiheit brachten, zu festigen. Wir übergeben es den nächsten Generationen mit der Hoffnung, dass das dauerhafte amerikanische Bündnis eine Garantie dafür sein wird, dass die durch die Totalitarismen des 20. Jahrhunderts hervorgerufene Tragödie sich niemals wiederholen möge.“

Zum Jahrestag der Befreiung

Schon 1946 haben ehemalige polnische Zwangsarbeiter und Häftlinge das sogenannte "Polenkreuz" im Schwender Tal errichtet - zur Erinnerung an den ersten Jahrestag ihrer Befreiung durch amerikanische Soldaten. Als "displaced Persons" (DP) hatten die Polen nach dem Zweiten Weltkrieg eine vorübergehende Bleibe in Nainhof gefunden. Das Kreuz wurde ursprünglich neben der Brücke an der alten Straße von Nainhof nach Pöllnricht aufgestellt, an der tiefsten Stelle im Schwender Tal.

Der Gedenkstein des Polenkreuzes hat einen würdigen Platz beim Postgebäude im Übungsplatz gefunden.

Im Juni 1974 wurde es dann zwischen den damaligen Baracken 41 und 43 in Nainhof platziert. Dort befindet sich auch ein Gedenkstein, den Polen zum ersten Jahrestag ihrer Befreiung den Vereinigten Staaten von Amerika gewidmet haben. Ein dritter Gedenkstein steht in Pöllnricht. Ein weiteres Relikt aus dieser Zeit waren lange Zeit kleine Mauerreste einer Kirche, die von den ehemaligen Häftlingen und Zwangsarbeitern neben der damaligen Baracke 385 im Lager Pöllnricht gebaut worden war.

In der Nähe von Unterödenhart hatten polnische "Displaced Persons" einen Friedhof für ihre Verstorbenen gebaut. Bis 1989 war er nur schwer zugänglich, weil er im Zielgebiet einer Schießbahn für Infanteriewaffen gelegen war.

243 Grabstellen

Dazu kommt noch der Polenfriedhof zwischen Ober- und Unterödenhart. Er war bis 1989 nicht zugänglich, weil er im Zielgebiet einer Infanterie-Schießbahn lag. Der Friedhof wurde in den Jahren nach 1945 von ehemaligen polnischen Internierten auf dem damaligen Gemeindegebiet von Nainhof errichtet. Nach dem Weggang der Polen war der Friedhof mehr oder weniger in Vergessenheit geraten.

Auf Veranlassung des Bayerischen Staatsministeriums kümmerte sich ein Kommando des Volksbunds Deutsche Kriegsgräber im September 1962 um die Umbettungen der dort bestatteten Menschen. Die KZ-Toten kamen nach Flossenbürg, die Ausländer nach Hammelburg. Insgesamt waren es einmal 243 Grabstellen- on drei Deutschen und 240 Ausländern, meist Polen, die an Typhus gestorben waren.

Die Friedhofsmauer des Polenfriedhofes war den aus verschiedenen Eisenteilen zusammengeschweißten Grabkreuzen seit 1945 Ihre Schutzmauer gewesen.

Erst nachdem im Truppenübungsplatz Hohenfels der scharfe Schuss zu Beginn der 1990-er Jahre eingestellt worden war, wurde auch der Polenfriedhof wieder zugänglich gemacht.

Hintergrund:

Der Übungsplatz und "Stalag 383"

Die deutsche Wehrmacht hatte 1935 nach der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht damit begonnen, den Übungsplatz zu schaffen (1938). Ab 1940 bis Kriegsende hatte sie das Dorf Unterödenhart zum Kriegsgefangenenlager ausgebaut. Als „Stalag 383“ ist es in die Geschichte eingegangen.

Unter dem Stichwort „Stalag 383“ haben ehemalige Kriegsgefangene ihre Schicksale für die Nachwelt im Internet zum Nachlesen niedergelegt.

Nach Kriegsende wurden immer mehr befreite ehemalige Zwangsarbeiter und Internierte im frei gewordenen Lager untergebracht. Zuletzt war es mit annähernd 10 000 Menschen belegt – in etwa 50 massiven Gebäuden und 250 Holzbaracken. Nach der Befreiung der Kriegsgefangenen im April 1945 durch die Amerikaner wurden die ankommenden ehemaligen Häftlinge und Zwangsarbeiter, sogenannte „displaced Persons“, vor allem in den Baracken des ehemaligen Stalag 383 untergebracht. Gut die Hälfte der Menschen dürften damals polnische Staatsbürger gewesen sein. Nach Kriegsende brachten die US-Truppen zusätzlich Überlebende aus den Konzentrationslagern Flossenbürg, Hersbruck und Buchenwald dort unter.

Drei polnische Denkmäler gibt es im Übungsplatz. Eine Inschrift ist in deutscher und lateinischer Sprache verfasst: „Militärische Tapferkeit – unschuldige Leben – Heimat – Blut 1944 bis 1946.“ Das Symbol auf der Tafel steht für den Orden „Virtuti Militari“. Er gilt in Polen als höchste militärische Auszeichnung für Tapferkeit.

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