50 Jahre Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt Hohenkemnath

Für die Pfarrei Hohenkemnath war das Jubiläum ihrer Pfarrkirche ein denkwürdiger Tag. Noch dazu kam mit Weihbischof Josef Graf hoher Besuch aus Regensburg, über den sich die Pfarrangehörigen sichtlich freuten.

von Elisabeth DobmayerProfil

Fast senkte sich Melancholie am Sonntagmorgen über das Amberger Umland, als die aufgehende Sonne die Landschaft in ihrer ganzen herbstlichen Pracht zeigte. Der Himmel hat wohl ein offenes Ohr, wenn es um Jubiläen und Einweihungen geht. Nicht anders kann gedeutet werden, dass die Pfarrgemeinde in Hohenkemnath mit einem prächtigen Herbsttag zum Jubiläum „50 Jahre Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt“ beschenkt wurde. Mit einem langen Kirchenzug, angeführt von den Ministranten mit dem Kreuz und den geistlichen Würdenträgern, allen voran Weihbischof Josef Graf aus Regensburg, Pfarrer Klaus Birnthaler, Ruhestandgeistlicher Pfarrer Joseph Madathiparampil und dem Vorgänger in der Pfarrei, Pater Marek Michalak, sowie der Blaskapelle Ursensollen und der vielen Fahnenabordnungen, startete der feierliche Gedenktag.

Tags zuvor war der eigentliche Weihetag des Gotteshauses, am 25. Oktober 1969, wusste der Weihbischof, der zuvor einen Blick auf die Urkunde in der Sakristei warf, wie er den vielen Gläubigen in der vollbesetzten Kirche verriet. Landrat Richard Reisinger ergriff gleich zu Beginn das Wort, um die Glückwünsche der politischen Gemeinde des Landkreises Amberg-Sulzbach zu diesem Jubiläum zu übermitteln. Er stamme selbst aus einer „Mariä Himmelfahrt“-Pfarrei aus Sulzbach und fühle sich alljährlich bei der Patroziniumsfeier mit den Hohenkemnathern verbunden. Noch dazu genieße dieses Patrozinium das Privileg eines Feiertags. Ganz besonders freue er sich über die Anwesenheit von Weihbischof Josef Graf. „Er kennt mich viel besser, als sie alle zusammen, denn er ist seit Jahrzehnten mein Beichtpriester. Seit ich in der Politik bin, hat er besonders viel zu tun“, meinte Reisinger scherzhaft.

„Ein Haus voll Glorie schauet“, stimmte die Kirchenbesucher musikalisch mit Organistin Christine Uhle auf die Jubiläumsfeier ein. Eigentlich sei ja Bischof Rudolf Voderholzer eingeladen gewesen. Der Diözesanbischof gab aber einem anderen Termin den Vorzug, führte der Weihbischof aus. Nun hoffe er, dass die Pfarrgemeinde auch mit ihm zufrieden sei. Nachdem die Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil erbaut wurde, sollte sich das pilgernde Gottesvolk um den Altar versammeln, erklärte der Weihbischof den Baustil. Die Lesungen trugen Johann Wenkmann und Nicole Schmidt-Soquart vor, bevor der Ruhestandsgeistliche das Gleichnis mit dem Zöllner und Pharisäer aus dem Lukas-Evangelium näher brachte.

In der Pfarrei und der politischen Gemeinde herrsche ein gutes Miteinander, das spüre man, sagte Weihbischof Graf. 50 Jahre sind für eine Kirche keine lange Zeit, für Menschenleben aber schon. Zuerst denke man bei Kirche an das steinerne Gebäude, aber auch an das Volk Gottes, die Gemeinschaft der Glaubenden. Wozu ist Kirche da? Viele Menschen wissen darüber nur mehr oberflächliche Antworten, da brauche man sich nichts vormachen, meinte er. Manche würden sich sogar wünschen, wenn Kirchen verschwänden, vor allem die katholische. Religion sei eher hinderlich für den Aufbau einer humanen, modernen und zukunftsorientierten Gesellschaft, so Wissenschaftler. Kirche nur als Sozialeinrichtung, nur zur Denkmalpflege oder zur Bereicherung des Freizeit- und Bildungsangebots in einer modernen Gesellschaft? Wie kommen wir zum tieferen Sinn der Kirche? Die Verkündigungstexte für den heutigen Sonntag geben Antworten. Die Menschen müssen immer wieder zu dem hingehen, der die Quelle des Erbarmens ist, zu Gott. Die Kirche sei heute gut gefüllt. Hoffentlich ist das immer so an den Sonntagen?, hoffte der Prediger.

Zunächst einmal müsste man für jeden Einzelnen dankbar sein, der in die Kirche kommt und sich aktiv in das kirchliche Leben einbringt. Im immer größer werdenden Priestermangel ist die Kirche auf die Männer und Frauen angewiesen. Dankbar müsse man aber auch über jeden Getauften sein, der die Kirchensteuer zahle, auch wenn sie leider keine Kirchgänger mehr sind. Doch sie ermöglichen unter anderem die Renovierung der Gebäude und die Aufrechterhaltung des Bestands.

Doch Graf weiß auch aus seinen Erfahrungen: Als bekennender Christ stoße man heute oft auf Unverständnis. Kinder werden ausgelacht, wenn sie sich in ihren Klassen als Ministranten zu erkennen geben. An mehreren Beispielen zeigte Graf diese Feststellungen auf. Man brauche sich aber nicht wundern, denn auch die Hauptamtlichen der Kirche leben in einer Welt der Sünder. Gerade im Hinblick, was Kirchenmänner angerichtet haben. Trotzdem appellierte der Prediger an alle Anwesenden, auch weiterhin den Mut zu haben zur Kirche zu stehen.

Stefanie Lindner bat in den Fürbitten, „dass wir neu beten lernen“ und sie erinnerte auch an die Verstorbenen, die sich in den vergangenen 50 Jahren in die Pfarrei einbrachten. Bei der Gabenprozession trugen Pfarrangehörige, Brot und Wein, Ziegelsteine und eine Kerze an den Altar.

Dankesworte richtete schließlich Pfarrgemeinderatssprecher Johann Schmaußer am Ende des Jubelgottesdienstes an die Gemeinde. Vom inzwischen 93-jährigen Bischöflich Geistlichen Rat, Pfarrer Josef Lobinger, als Erbauer dieser Kirche, richtete der Redner die besten Grüße aus und entschuldigte sein Fehlen. „Dieser Kirchenbau ist ein Zelt Gottes unter den Menschen und Sinnbild dafür, dass wir pilgerndes Volk sind, die hier keine bleibende Stätte haben sondern die zukünftige suchen müssen“, zitierte er aus der Grundsteinlegungsurkunde. Auf Bali heiße es: „Wenn du zwei Münzen hast, kaufe für eine Brot und für die andere Orchideen für die Seele.“ Außerdem rechnete er vor: „Die Woche hat 168 Stunden, verwenden wir nur eine Stunde für den Gottesdienstbesuch, dann ist das weit weniger als die eine Cent-Münze auf der Karte, die die Gläubigen an Weihnachten erhielten.“

Nach dem Gottesdienst und dem kirchlichen Segensgebet trafen sich alle Teilnehmer zu einem Umtrunk auf dem Kirchplatz. Außerdem durfte sich der Weihbischof ins Goldene Buch des Landkreises und der Gemeinde Ursensollen eintragen. Letzteres brachte Bürgermeister Franz Mädler mit zum Festtag. Im Pfarrheim konnten die Besucher die 50 Jahre Pfarrkirche noch einmal anhand von einer Bilderschau, die Marion Baumer hauptverantwortlich organisierte, in Erinnerung rufen.

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