Tour auf den Kilimandscharo: 5895 Höhenmeter für den guten Zweck

Stefan Mühleisen startete vor Kurzem in einen zweiwöchigen Urlaub. Doch statt sich unter Palmen zu sonnen, besteigt der Ursensollener den höchsten Berg Afrikas - um Tansania von Malaria zu befreien.

Der Kilimandscharo, Afrikas höchster Berg.
von Theresia KasparProfil

Stefan Mühleisen engagiert sich seit Jahren bei den Wirtschaftsjunioren Amberg-Sulzbach. Auf einem Workshop des Dachverbandes JCI, lernte er Anne-Marie Lestic und Ramus Enevoldsen kennen. Die Französin und der Däne riefen 2018 das Projekt JCI Youth Summit ins Leben. Darin geht es um nichts weniger, als die 5 895 Höhenmeter des Kilimandscharo zu bezwingen. Sie organisieren den Aufstieg um sich selbst herauszufordern, die eigene Komfortzone zu verlassen und seine Grenzen zu testen - so steht es auf der Webseite des Projektes. Dabei haben die Teilnehmer eine ganz besondere Motivation. Jeder der Bergsteiger startet spätestens mit Beginn der Tour eine eigene Fundraising-Kampagne und sammelt einen vorab festgelegten Betrag für die Organisation Nothing But Nets. Insgesamt soll für jeden gestiegenen Meter ein Dollar zusammenkommen. Als Mühleisen von dieser Aktion hörte, fing er sofort Feuer. Nachdem er bereits den Mont Blanc bestiegen hat, Heliskiing zu seinen Leidenschaften zählt und mehrere Marathons gelaufen ist, wusste er genau, dass der Kilimandscharo seine neue Herausforderung werden sollte. So bewarb sich der 38-jährige auf einen der 14 Plätze. Seine Zusage für den anspruchsvollen Trip, bekam er im Mai letzten Jahres. Nun tritt er als einziger Deutscher an. Im Mai begannen ebenfalls die Vorbereitungen mit straffen Trainingsplänen, Vorsorgeuntersuchungen und tagelangem Disponieren seines Rucksack-Equipments.

Stefan Mühleisen mit einem Autogramm seines Vorbildes Philipp Rosenthal, welches er mit auf den Kilimandscharo nimmt

Vorbereitung ist die halbe Miete

Tatsache ist: im Durchschnitt erreichen nur circa die Hälfte aller Bergsteiger den Gipfel.

“Das Kritische daran ist weniger der technische Schwierigkeitsgrad, sondern eher die dünne Luft in dieser Höhe. Hinzu kommen noch Temperaturunterschiede von bis zu 40 Grad Celsius” erklärt Mühleisen. Doch auch hierauf ist es - zumindest testweise - möglich, sich vorzubereiten. Der Marketingmanager bei Adidas hatte die Möglichkeit in einem sogenannten Hypoxiezelt, welches sein Arbeitgeber ohnehin für Sportuntersuchungen zur Verfügung stellt, zu trainieren. Darin wird der Sauerstoffpartialdruck gesenkt und gibt der Person damit das Körpergefühl auf über 5 000 Metern über dem Meeresspiegel. Fünf mal hat er damit seine Höhenverträglichkeit analysiert. Die Begleiterscheinungen wie Schwindel oder Kopfschmerzen treten erst nach ungefähr zwei Stunden Laufbandtraining in dem Zelt auf. Doch der Sportler fühlt sich fit für den Aufstieg. Hilfe bekommt das internationale Team außerdem von routinierten Sherpas. Die einheimischen Hochgebirgsträger bereiten täglich drei Mahlzeiten zu, tragen das Gepäck nach oben und entlasten damit die Truppe enorm. Die 20 Kilo schweren Backpacker-Rucksäcke enthalten nicht nur Lebenswichtiges für die körperliche Gesundheit, sondern auch für die geistige. Neben einem bayerischen Wanderhut und einem Autogramm seines Vorbildes Philipp Rosenthal, trägt er auf der Tour ein handgemachtes Armband. Diesen Talisman schenkte ihm seine Frau als die beiden sich kennenlernten. Seit über fünf Jahren fiebert sie bereits bei verschiedensten, nicht ganz ungefährlichen, Unternehmungen ihres Mannes mit. Ihre größte Sorge gilt diesmal den Gefahren, die am Anfang der insgesamt 140 km langen Wanderroute liegen.

Der erste Anblick des Kilimandscharo am Tag der Ankunft in Tansania

Versteckte Bedrohungen

Am Fuße des Berges führen sie die Pfade durch einen Dschungel. Dafür, dass wilde Tiere der Bergsteigertruppe nicht zu nahe kommen, sorgt ein erfahrener Ranger, der sie die erste Zeit begleitet. Begegnungen mit beispielsweise Löwen, sind nicht selten. Das wesentlich größere Risiko allerdings, geht von ganz unscheinbaren Lebewesen aus - den Mücken. Jeden Tag sterben in Afrika an den Folgen der Malaria, die mit nur einem Stich dieser Insekten übertragen wird, 3 000 Kinder. Zum Vergleich: Das sind jeden Tag so viele Menschen, wie auch an 9/11 getötet wurden.

Warum sich das Stefan Mühleisen trotzdem antut? “Das hat zwei Gründe. Zum einen war ich noch nie dort und es ist eine echte Herausforderung für mich. Zum Anderen tun wir das alle für einen echten Zweck. Es ist viel schöner etwas gemeinsam zu schaffen, wenn es wirklich Sinn macht” begründet er das Vorhaben, welches ihn selbst rund 4 000 Euro kosten wird.

Packen mit System - das Equipment muss gut ausgewählt und sortiert werden.

Mission für die gute Sache

Dieser Sinn des Ganzen ist es Spendengelder für die weltweite Kampagne Nothing But Nets, die zur UN gehört, zu sammeln. Das Projekt organisiert den simpelsten und effektivsten Schutz gegen Malaria. Für je zehn Dollar kauft sie Moskitonetze und verschenkt sie an bedürftige Familien in Afrika, die den Krankheitsüberträgern sonst schutzlos ausgeliefert wären. Insgesamt sollen knapp 6 000 Dollar am Ende der zwei-wöchigen Reise der JCI / Wirtschaftsjunioren-Mitglieder zusammenkommen. Jeder der Teilnehmer trägt seinen Teil dazu bei, indem er eine eigene Kampagne mit festgelegtem Ziel startet. Mühleisen möchte 500 Dollar zusammenbekommen. Wie Sie unseren Oberpfälzer Teilnehmer unterstützen können, lesen Sie im Infokasten.

Auf die Frage, was Mühleisen als Erstes macht, wenn er wieder nach Hause kommt, antwortet er: “Mit meiner Frau gemütlich frühstücken und dann einen Spaziergang auf den Mariahilfberg machen”.

Das Armband der Ehefrau soll Mühleisen Energie für die beschwerliche Tour geben
Info:

Weitere Infos

Spenden für Stefan Mühleisens Kampagne: https://fundraise.unfoundation.org/fundraiser/2607504

Informationen zum Aufstieg der Gruppe auf den Kilimandscharo: http://jciyouthsummit.com/

Informationen zum Projekt Nothing But Nets: https://nothingbutnets.net/

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