10.10.2021 - 09:39 Uhr
Hohenthan bei BärnauOberpfalz

Alte Reuschl-Brauerei verschwindet endgültig aus dem Hohenthaner Ortsbild

Die besten Tage hat die Brauerei Reuschl schon lange hinter sich. Jetzt hat der Abbruchbagger für das Ende gesorgt. Doch der Verlust des alten Bauwerks in Hohenthan wird auch bedauert.

Abbruch der Reuschl-Brauerei.
von Werner Schirmer Kontakt Profil

Das markante Gebäude in der Ortsmitte von Hohenthan hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Von Brauerei über Baugeschäft, Verkaufsfläche oder Produktionsstätte reichen die Episoden. Letztes Kapitel war dann ein jahrelanger Leerstand und der damit verbundene Verfall. Nachdem kein Erbe für das Brauerei-Gebäude gefunden werden konnte, ging der Besitz an den Freistaat Bayern. Und der hat mit dem Abriss jetzt einen Schlussstrich gezogen. Der finale Akt freilich betrifft nur den Brauereibereich. Der vordere Teil mit Zoiglgaststätte und Zwischenbau gehört der Schloßbrauerei Reuth und bleibt bestehen.

Einer, der das Bauwerk genau kennt, ist der Hohenthaner Siegfried Walter. Viele Unterlagen, aber auch Geschichten zur Reuschl-Brauerei hat er zusammengetragen. Für das auffällige Bauwerk, von der Ortsgemeinschaft aufgrund der Ausmaße auch „Hochhaus“ genannt, hätte sich Walter durchaus andere Verwendungszwecke vorstellen können. Denn als Fachmann weiß Walter, dass die Bausubstanz durchaus noch Möglichkeiten zugelassen hätte. Das Dach freilich, das hätte man halt erneuern müssen. Doch dafür hätten Gelder, die der Abbruch oder der Bau einer Stützmauer zur Gastwirtschaft verursachen, allemal gereicht, schätzt der Hohenthaner.

Ideen für eine Verwendung des Brauerei-Gebäudes hatte Walter ebenfalls. In erster Linie hätten sich durch eine „vertretbare Sanierung“ hier ideale Räume für die Vereine gefunden. Eine Werkstatt konnte sich Walter vorstellen oder ein kleines Museum für landwirtschaftliche Geräte, das der Heimatverein schon lange ins Auge gefasst hat. Und die Wasserwacht würde einen Stellplatz für ihr Segelboot suchen.

Doch um diese Ideen umzusetzen, hätte Walter mit seinen Schreiben an die offiziellen Stellen Erfolg haben müssen. So sehr er die negative Auswirkung auf das Ortsbild durch die „Baulücke“ beanstandete, oder die Kosten für den Abriss besser für eine Sanierung angelegt sah, Walter konnte die zuständigen Stellen nicht überzeugen. Das Landesamt für Finanzen als Besitzer der Immobilie konnte auch der Stadt Bärnau das Anwesen zum Preis von einem Euro nicht schmackhaft machen. Zur „Vermeidung von weiteren Verkehrssicherungsmaßnahmen sowie zur besseren Verwertbarkeit“ hatte das Amt deshalb den Abriss beschlossen.

Das Kapitel der Reuschl-Brauerei in Hohenthan haben die Bagger, zumindest auf das Gebäude bezogen, endgültig beendet.

In Waldsassen wurde das Seniorenheim St. Maria abgerissen

Waldsassen
Hintergrund:

Brauerei Reuschl

Bis 1846 reichen die Nachforschungen Siegfried Walters zurück. Im Mai dieses Jahres bittet der ledige Bauerssohn Georg Adam Reuschl aus Schönhaid bei der Gemeinde „um Ansässigmachung in Hohenthan“. Reuschl ehelicht damals die Hohenthanerin Theresia Bauer. Wenige Jahre später heiratet Reuschl ein zweites Mal, wird dann schon als „Wirth aus Hohenthan“ geführt.

  • In den alten Unterlagen wird 1882 ein Josef Reuschl als Standesbeamter der Gemeinde Hohenthan aufgeführt, 1899 ist der „Brauereibesitzer Josef Reuschl“ auch Bürgermeister. Reuschl-Bier wird übrigens bis 1937 gebraut und weit über die Gemeindegrenzen an bis zu 60 Gasthäuser geliefert.
  • Am 17. Februar 1924 beantragt Willibald Reuschl eine Gastwirtschaftskonzession. Zusammen mit seiner Ehefrau Margaretha führt er die Gastwirtschaft wohl bis 1952.
  • 1964 übernimmt Bauunternehmer Johann Franz das Anwesen, seine Frau Erika ist eine geborene Reuschl. Nach einer Renovierung wird der Gastbetrieb wieder aufgenommen, Pächter ist Josef Weiß aus Bärnau. Ausgeschenkt wird Schels-Bier aus Tirschenreuth.
  • In den Gebäuden des Brauerei-Teils finden sich auch eine Wohnung und Lagerräume. Das ungenutzte Gebäude erlebt in den Jahren eine vielfältige Nutzung: Gemeindeverwaltung, Poststelle, Milchsammelstelle und sogar große Fischbecken werden vorübergehend dort untergebracht.
  • Von 1960 bis 1971 fertigt die Firma Baumüller aus Marktredwitz im Brauerei-Keller und im Erdgeschoss Motoren.
  • Nach einem weiteren Leerstand werden von 1987 bis 1990 in den Räumen Schulterpolster gefertigt.
  • 1987 erwirbt die Schloßbrauerei Reuth den Teil mit der Gastwirtschaft, die alte Brauerei wird durch die Firma Hoch Maschinenbau und Dreherei aus Floß erworben, die hier auch eine Fertigung einrichtet.

 

 

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