Es sind nicht die Jahreszahlen, die diese Geschichte erzählen – es sind die Einsätze. Die Momente, in denen Sirenen heulen, Flammen lodern und innerhalb weniger Minuten über Verlust oder Rettung entschieden wird. Seit 150 Jahren gehört die Feuerwehr Holnstein-Mittelreinbach genau zu diesen Momenten.
Die Anfänge reichen in die 1870er-Jahre zurück. 1876 wurde die Feuerwehr gegründet – in einer Zeit, in der Brände zu den größten Gefahren zählten. Ein Funke genügte, um ganze Anwesen zu vernichten. Mit Handspritzen, Leitern und Muskelkraft kämpften rund 40 Männer gegen Feuer, die sich oft unaufhaltsam ausbreiteten. Die Chronik berichtet von Großbränden, die Familien vor dem Nichts zurückließen. Ereignisse wie 1893 in Oberreinbach oder ein weiterer Brand im Jahr 1916 zeigen, wie gefährlich dieser Dienst war – und wie viel Mut er verlangte.
Auch Jahrzehnte später blieb das Feuer unberechenbar. 1945 hinterließ tiefe Spuren im Ort. Gebäude brannten nieder, selbst der Glockenturm des Schlosses wurde zerstört. Zurück blieb ein Ort im Ausnahmezustand – und eine Feuerwehr, die beim Wiederaufbau eine wichtige Rolle spielte. Mit der Nachkriegszeit entwickelte sich auch die Feuerwehr weiter. Tragbare Motorspritzen ersetzten die alten Geräte, mit einem Ford Transit hielt erstmals Motorisierung Einzug. Später folgte ein LF 8/6 aus Neukirchen. 1967 wurde ein neues Feuerwehrhaus errichtet – ein weiterer Schritt hin zu einer modernen Organisation.
Von Außenwelt abgeschnitten
Doch Technik allein machte Einsätze nicht einfacher. Beim Gasspeicherbrand 1970 und beim Hochwasser 1971 zeigte sich, was es heißt, an Grenzen zu gehen. Tage- und nächtelang waren die Einsatzkräfte im Einsatz, während ganze Ortsteile von der Außenwelt abgeschnitten waren. Ulrich Brandt, erster Jugendwart und später stellvertretender Kommandant, erinnert sich an den Gasspeicherbrand in Eschenfelden. Als Strahlrohrführer im Ganzkörperanzug war er mehrfach im Einsatz. Die Holnsteiner Wehr kannte den schnelleren Weg über Fichtenhof und die Windmühle – und war so noch vor den Stadtwehren am Brandort. Die enorme Hitze ließ Fahrzeuglacke aufplatzen, und selbst die eigene Pumpe hielt der Belastung nicht stand.
Neben den Einsätzen prägte auch die Ausbildung das Feuerwehrleben. Kommandantenbesprechungen auf Kreisebene dauerten früher oft einen guten halben Tag. „Von acht bis zwei – da warst du unterwegs“, erinnert sich Ulrich Brandt mit einem Schmunzeln. „Und im Wirtshaus ist es dann schon mal ein bisschen länger geworden.“ Der Satz steht stellvertretend für eine Zeit, in der Engagement und Kameradschaft selbstverständlich zusammengehörten.
Seit den 1970er Jahren spielt die Jugendarbeit eine zentrale Rolle. Ulrich Brandt baute sie als erster Jugendwart maßgeblich auf. 1982 und 1984 erreichte die Jugendgruppe vordere Plätze beim Deutschen Jugendleistungsabzeichen – ein beachtlicher Erfolg. Auch der Zusammenhalt zeigte sich immer wieder. Ende der 1980er-Jahre wurde das Gerätehaus zu klein. In Eigenleistung entstand ab 1987 das heutige Gebäude – nicht ohne Diskussionen, aber mit großem Einsatz. 2010 kam ein weiteres Kapitel hinzu: die Damenwehr. Rund 25 Frauen gehören heute dazu. Der Start blieb in Erinnerung – mit einer Wurstplatte zur ersten Übung. Ein Jahr später wurde das Bestehen mit einem Grillfest gefeiert.
24 Jahre Kommandant
Eine prägende Persönlichkeit ist Karl-Heinz „Billi“ Pilhöfer. Mit 14 Jahren trat er in die Feuerwehr ein, mit 25 wurde er Kommandant – und blieb es 24 Jahre lang. Bereits sein Vater hatte dieses Amt inne. In Erinnerung geblieben ist ihm vor allem ein Einsatz zu Beginn seiner Amtszeit: der Brand eines landwirtschaftlichen Anwesens in Högberg. Als junger Kommandant stand er erstmals in großer Verantwortung – und konnte zumindest das Wohnhaus retten. Und dann gibt es die Einsätze, die trotz allem ein Schmunzeln hinterlassen. So etwa der Brand eines Bienenhauses in Mittelreinbach. „1000 Tote“, sagt Pilhöfer augenzwinkernd – und meint die Bienen. Gleichzeitig war es ein Einsatz, der bei sommerlicher Trockenheit schnell hätte größer werden können.
Heute ist die Feuerwehr so gut aufgestellt wie nie zuvor. Mit dem mittleren Löschfahrzeug (MLF) steht der Wehr erst ihr drittes Fahrzeug zur Verfügung – zugleich aber das erste mit eigenem Wassertank und Atemschutz. Ein sichtbares Zeichen dafür, wie sich Anforderungen und Ausstattung weiterentwickelt haben. Geführt wird die Wehr von Kommandant Markus Guttenberger und seinem Stellvertreter Marco Holzwarth. Den Feuerwehrverein leiten Gerd Pürner und Bernd Holzwarth.
Vom 8. bis 10. Mai feiert die Feuerwehr Holnstein-Mittelreinbach ihr 150-jähriges Bestehen. Bieranstich und Party am Freitag, der Zieleinlauf des Landkreislaufs am Samstag sowie Festgottesdienst und großer Festzug am Sonntag bilden den Rahmen des Festwochenendes. 150 Jahre stehen für unzählige Einsätze, Erinnerungen und gelebten Zusammenhalt. Und eines bleibt: Wenn Hilfe gebraucht wird, ist die Feuerwehr da.
























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