07.11.2019 - 10:18 Uhr
Hütten bei GrafenwöhrOberpfalz

Der Wald denkt in Generationen

Nur wenige kennen das Naturwaldreservat "Gscheibte Loh" im Manteler Forst. Dieser wird nun dem Bundestagsabgeordneten Stefan Schmidt vorgestellt – und bei dieser Gelegenheit auch gleich Sorgen und Nöte vorgetragen.

Bundestagsabgeordneter Stefan Schmidt von Bündnis 90 /Die Grünen (Zweiter von links) hört sich bei einem Rundgang im Naturwaldreservat "Gscheibte Loh" die Probleme und Nöte der Forstleute an.
von Siegfried BühnerProfil

Die Forstverwaltung warnt eindringlich davor, das Naturwaldreservat "Gscheibte Loh" zu betreten. Unter dem Moos befinde sich nämlich oft kein fester Grund. Doch die jüngsten Trockenperioden haben das 109 Hektar große Gebiet stark verändert. Forstverwaltung und -betriebsgemeinschaft konnten deshalb den Bundestagsabgeordneten von Bündnis 90/Die Grünen, Stefan Schmidt, sicher durch das Dickicht des Feuchtgebiets führen. Bei diesem Treffen vertrat Forstbetriebsleiter Philipp Bahnmüller die Bayrischen Staatsforsten, Bernhard Irlbacher und Michael Bock sprachen für die Forstbetriebsgemeinschaft Neustadt-Süd. Mit dabei war auch Forstdirektor Gerhard Hösl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie Revierleiter Robert Werner.

Gesprochen wurde bei der Begehung des Naturwaldes sowohl über diesen selbst, als auch über die aktuellen Sorgen in der Waldbewirtschaftung. Forstbetriebsleiter Bahnmüller und Revierleiter Werner stellten das Gelände vor. Zunächst erläuterten sie, dass sich der Naturwald selbst überlassen bleibt und dort auch nicht gejagt werden darf. Das Naturgelände ist Objekt für Forschung und Lehre. In der Nachkriegszeit wurde dort außerdem Torf abgebaut. Seit knapp vierzig Jahren besitzt es seinen Schutzstatus. Ziel dabei ist, das Wasser in der Fläche zu halten und so die Moorentwicklung zu ermöglichen.

Als Alleinstellungsmerkmal des Naturwaldreservats gilt die Spirke, eine besondere Kieferart, die als Moorvariante bereits genetisch erforscht wurde. Allerdings sei auch die Spirke vom Borkenkäfer bedroht. Der Besuch des Abgeordneten wurde auch genutzt, um ihm die aktuellen Sorgen der Forstwirtschaft zu erläutern. Um Wälder gesünder zu machen, „reicht ein Menschenleben nicht aus“, erklärte Forstbetriebsgemeinschaftsvertreter Irlbacher. Es müsse dabei über Generationen hinweg gedacht werden. Die Forstbetriebsgemeinschaft will mit Schulungsmaßnahmen den Waldbesitzern dafür das erforderliche Wissen vermitteln. Anstelle von Fichten oder Douglasien sollten beispielsweise Moorbirken, Tannen, Eichen und Buchen gepflanzt werden. Schließlich sei der Wald „der Held im Klimawandel und der günstigste Rohstoff überhaupt“. Für Forstdirektor Hösl bestimmen eher wirtschaftliche Interessen den Privatwald. Er meint allerdings in Anbetracht des aktuell niedrigen Holzpreises auch, „viele verlieren derzeit die Lust an der Waldbewirtschaftung“. Auch der Rohstoff Holz im Bauwesen sei benachteiligt und die öffentliche Hand sollte öfters mit Holz bauen. Sorgen bereitet den Waldbesitzern auch der Wildverbiss. Für Hösl gilt: „Wald vor Wild.“ Privatwaldbesitzer wären meist finanziell überfordert, Neupflanzungen ausreichend zu schützen. Zum Abschluss seines Besuches in der nördlichen Oberpfalz referierte der Bundestagsabgeordnete am Abend noch über das Thema „Verkehrswende- vom Kurzstreckenflug auf die Schiene“.

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