09.04.2019 - 15:31 Uhr
Oberpfalz

Auf den Hund gekommen

Bei vielen Kreuzwegen ist in der dritten Station ein Hund zu sehen, auch in einigen Kirchen in der Region. Die Bedeutung ist nicht eindeutig geklärt, doch Vorbild ist eine Darstellung in einem Wiener Gotteshaus.

Die Darstellung in der Kappl in Münchenreuth bei Waldsassen.
von Rainer ChristophProfil

Der Hund gilt uns heutzutage als treuer Begleiter. In Islam, Judentum und Hinduismus ist das Verhältnis zu den Vierbeinern eher gespalten, und auch im Christentum und in der Bibel wird die Beziehung zwischen Mensch und Hund nicht immer so positiv dargestellt wie in der Legende vom Heiligen Rochus. Er infizierte sich mit der Pest und wurde von niemandem gepflegt, bis sich "Gott erbarmte". Er schickt in Rochus' einsame Holzhütte im Wald einen Engel. Der Hund eines Junkers brachte ihm Brot und leckte seine Wunden, bis Rochus wieder genesen war.

Im Alten Testament heißt es: "Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, alle meine Gebeine haben sich zertrennt; mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzen Wachs. Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt an meinem Gaumen, und du legst mich in des Todes Staub. Denn die Hunde haben mich umgeben, und der Bösen Rotte hat mich umringt; sie haben meine Hände und Füße durchgraben." Der Psalm 22, 14 bis 16 wird zu den David-Psalmen gezählt. Er ist nicht nur im Judentum von Bedeutung. Im Christentum besitzt er großes Gewicht, weil sein Anfangsvers "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen" in der Passion zitiert wird.

Vorbild in Wien

Ob diese Bibelstelle den deutsch-böhmischen Maler Joseph Ritter von Führich (1800 bis 1876) so inspiriert hat, dass er in der Nepomukkirche am Prater-Ring in Wien einen Hund in die dritte Station des Kreuzwegs einschmuggelte, ist allerdings nicht überliefert. Die Arbeit war ein Auftrag von Metternich höchstpersönlich (siehe Hintergrund). In den Sommermonaten der Jahre 1844 bis 1846 malte Führich die Kreuzwegbilder, unterstützt von seinem Schüler Adam Vogler. Der Zyklus besteht aus 14 240 mal 185 Zentimeter großen Fresken.

Das Motiv des Hundes findet man auch in unserer Region in Kreuzweg-Darstellungen - oft in kleinen Orten. Manchmal haben sogar die zuständigen Pfarrer und regelmäßige Kirchenbesucher keine Kenntnis von dem Hund in ihrer Kirche.

Was macht nun eigentlich der Hund im Kreuzweg? Der vor zwei Jahren verstorbene Pfarrer Klaus Stock aus Friedenfels meinte auf die Frage einmal: "Eigentlich ist es ganz einfach. Der Hund ist auch nur ein Mensch. Er kann nur nicht sprechen. Sein reiches Seelenleben zeigt sich jedoch nicht allein in seinen treuen Augen im Bellen, Schniefen und Wimmern, sondern auch in der vielfältigen Körpersprache, die alles kennt, zwischen Drohgebärde und Unterwerfungsgeste."

Treuer Begleiter

Auch der emeritierte Trierer Domkapitular Prälat Professor Dr. Franz Ronig beschäftigte sich bereits mit dieser Frage. Seit dem Neolithikum (5000 bis 1800 vor Christus) sei der Hund Begleiter des Menschen in Europa, in Mesopotamien schon ab 4000 vor Christus. "Der Hund wittert, was Menschen nicht sehen. Im Alten Ägypten ist der Hund Symbol des Sirius und bedeutet Leidensfähigkeit - daher kommt auch der Begriff Hundstage." In der Kunst sei der Hund häufig Begleiter von Gottheiten wie Pan und Apollo. Er sei Symbol der Treue, Klugheit, aber auch der Kriecherei. Der Hund gelte als Symbol für rückhaltlose Glaubensbereitschaft. "Außer in Szenen der Verkündigung der Engel an die Hirten ist der Hund in der Ikonographie des Mittelalters seltener als andere Tiere. Selten ist die Darstellung des Propheten Tobias mit einem Hund oder des Schutzheiligen für die Pest, St. Rochus."

Vielleicht steckte der Künstler Führich aber gar nicht so viel Theologie in den Hund seiner dritten Kreuzweg-Station, in der dargestellt wird, wie Jesus zum ersten Mal unter dem Kreuz stürzt. Führich wuchs in Böhmen auf. Nur höhere Schichten konnten sich früher einen Hund leisten und schmückten sich mit ihnen auch auf Gemälden. Die Vorliebe für die Vierbeiner geht im Nachbarland zurück bis ins 14. Jahrhundert, der Zeit Kaiser Karls IV. . Außerdem sind die Tiere prominent in der Literatur vertreten: Schon Schwejk war Hundehändler. Seinem Oberleutnant Lukasch verriet der brave Soldat: "Ich hab am liebsten Hunde, weil das für einen, der sie verkaufen kann, ein einträgliches Geschäft is'."

Auch in der dritten Kreuzwegstation der Dreifaltigkeitskirche Kappl in Münchenreuth bei Waldsassen ist ein Hund abgebildet. Eingeweiht 1685, zählt die Kappl zu den außergewöhnlichsten Kirchen-Schöpfungen Deutschlands. Im Rundgang der Kirche befindet sich der Kreuzweg. Der schwarze Mischlingshund auf dem dritten Bild hat allerdings nichts von der Demut des Hundes von Führich. Der unbekannte Maler präsentiert das Tier, wie es Jesus verteidigen will, fletschend zeigt der schwarze Hund die Zähne. Der Original-Kreuzweg der Kappl bestand übrigens aus Metall. Für eine Restaurierung war bei der letzten Kirchensanierung nach dem Krieg aber kein Geld vorhanden. Robert Treml, versierter Heimatforscher aus Waldsassen, berichtet, dass der verstorbene Pfarrer Rosner den heutigen Kreuzweg in Niederbayern gekauft hat. Mehr weiß er nicht.

Gegen Folterknechte

Nicht weit entfernt, in der Pfarrkirche zu Konnersreuth, existiert ebenfalls eine dritte Kreuzweg-Station mit Hund. Auch in der katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul in Püchersreuth findet sich eine Kopie des Führich-Kreuzweges. Im Wallfahrts-Museum Neukirchen beim Hl. Blut ist ebenfalls ein Kreuzweg mit Hund zu sehen. Kläffend beschimpft dieser die Folterknechte. Weitere Hunde sind in den Kreuzwegen in Neukirchen am Sand, in der Pfarrkirche in Kadan (Kreis Karlsbad) oder in der Jugendstilkirche St. Peter und Paul am Vysherad in Prag, in der Theinkirche am Altstädter Ring oder der Franziskaner-Kirche in Pilsen zu sehen.

Bei all den Darstellungen zeigt sich, dass die Maler in der Regel wohl ihre eigenen Vorstellungen über die Vierbeiner einbrachten. Manche Künstler versetzten den Hund in die siebte Station (Jesus fällt zum zweiten Male unter dem Kreuz), zum Beispiel in der Spitalkirche in Biberach an der Riss und in der Klosterkirche der Heiligen Hedwig in Trebnitz bei Breslau (Polen). In der Abteikirche in Oberaltaich an der Donau ist der Hund sogar schon in der ersten Kreuzwegstation zu sehen, möglicherweise eine Rarität. Der Maler hatte, so scheint es, Kenntnis von dem Hund, kannte aber wohl das Original nicht. (cr)

Hintergrund:

Joseph Ritter von Führich

Joseph Ritter von Führich zählt zu den bedeutendsten Kirchenmalern des 19. Jahrhunderts in Österreich. Geboren wurde er am 9. Februar 1800 in Chrastava (Kratzau, Kreis Liberec), gestorben ist er im März 1876 in Wien. 1818 besuchte er die Prager Akademie, 1820 studierte er in Dresden. Er war von der Romantik beeinflusst. 1827 ging er auf Wunsch von Kanzler Metternich nach Rom und schloss sich der Nazarener Schule an. Im Jahre 1834 kehrt er zurück und wurde Professor an der Wiener Akademie.

Führich war der bedeutendste Vertreter christlicher Kunst des 19. Jahrhunderts in Österreich. Er schuf zahlreiche religiöse Zyklen, Holzschnitte und Radierungen. Sein Wiener Kreuzweg war Vorbild für viele Kirchen in Mitteleuropa. Die internationale Verbreitung der Kreuzweg-Motive erklärt sich dadurch, dass von ihnen Kupferstiche angefertigt wurden. Unzählige Maler nutzen diese als Vorlage für Kreuzwegtafeln.

Die Künstler dieser Kopien sind meist unbekannt. Schon 1847 wurde der gesamte Kreuzweg-Zyklus das erste Mal gedruckt, seither gilt der Führich-Kreuzweg als der meistkopierte. Die Qualität der Kopie lässt sich meist daran erkennen, ob der in der dritten Station im Original auftaucht.

Der Hund ist auch oft ein Hinweis für die Datierung des Kunstwerks. Denn ab einem gewissen Zeitpunkt in der Kunsthistorie verschwand nämlich der als unwichtig angesehene Hund aus der dritten Station völlig. (cr)

Das Original in der Nepomukkirche in Wien: Bei der dritten Kreuzwegstation links ist ein Hund abgebildet.
In der Pfarrkirche zu Konnersreuth existiert ebenfalls eine dritte Kreuzweg-Station mit Hund.
Auch in der katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul in Püchersreuth findet sich eine Kopie des Führich-Kreuzweges.
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