24.01.2020 - 18:00 Uhr
Hundsbach bei WaldsassenOberpfalz

Ponys kommen bei Reitkonzept groß raus

Seit September gibt es für Pony-vernarrte Kinder "Hippolini"-Kurse auf der Pferderanch von Maria Wölfl in Hundsbach. Oberpfalz Medien hat eine "Hippolini"-Kursstunde begleitet. Am Ende waren zwar alle Teilnehmer tropfnass, aber glücklich.

Maria Wölfl (links) und Karola Wenisch bieten in Hundsbach das reitpädagogische Konzept "Hippolini" an.
von Susanne Forster Kontakt Profil

Es ist Freitagnachmittag, 14 Uhr. Das Wetter ist nasskalt, der Himmel grau behangen. Die Kinder stapfen mit ihren Reitstiefeln auf den Reitplatz. Er ist mit Teppichschnipseln ausgebettet. "Damit sich die Pferde nicht verletzen. Und weil die Schnipsel im Winter nicht gefrieren und der Boden nicht hart wird", erklärt Wölfl. Euphorisch berichten die Kids von ihren Weihnachtsgeschenken. "Ich habe Reitstiefel bekommen", freut sich ein Mädchen. Die kommen natürlich gleich zum Einsatz. Los geht es mit dem Putzen der Ponys. Jeder schnappt sich eine Bürste, um das Fell der Ponys zu pflegen. Danach: Hufe säubern.

Balance finden

Dann geht es auf die Rücken der Ponys. Außer einem Reithelm - Reitstiefel sind kein Muss - brauchen die Kinder nichts an Ausrüstung. Auch Zügel und Sattel kommen in den Grundkursen nicht zum Einsatz. Eine Ausnahme gibt es aber. Ein Pony ist etwas empfindlich, daher wird auf ihm nur mit Auflage geritten. Für das Aufsitzen auf dem Pony hilft den Kleinen ein Cavaletti. Das hat normalerweise beim Springreiten seinen Einsatz als Hindernis. So gelingt es den Kindern leichter, sich auf das Pferd zu schwingen. Das "Führkind" ist für das Lenken und die Geschwindigkeit des Ponys durch den Parcours verantwortlich. Und natürlich auch dafür, dass der Reiter nicht vom Pferd fällt.

In der heutigen Stunde gibt es Fahnen. Das Trio aus einem Pony und zwei Kindern muss an jeder Etappe im Parcours anhalten und der Reiter soll sich eine Fahne schnappen. Passend zum Symbol auf der Flagge, etwa ein Ritter oder ein Herz, dürfen sich die Kinder eine kurze Märchengeschichte überlegen. Bei jeder Station wird angehalten. Fahne in das Hütchen stecken, neue Fahne herausziehen. Und das alles vom Rücken des Ponys aus. Das ist gar nicht so einfach und manchmal eine ganz schön wackelige Angelegenheit. "Es fällt schon mal jemand vom Pony, aber das gehört zum Reiten lernen dazu", sagen Maria Wölfl und Karola Wenisch.

Die beiden Frauen sind als Bankangestellte nicht nur fit in Finanzen, sondern auch zertifizierte "Hippolini"-Lehrkräfte. In Hundsbach bieten sie seit September "Hippolini" an. Sie sind, sagen sie, die einzigen in der nördlichen Oberpfalz, die das reitpädagogische Konzept im Programm haben. Und sie stoßen damit auf riesengroße Resonanz. Die Inhaberin der Ranch, die 35-jährige Maria Wölfl, und ihre Arbeitskollegin, die 33-jährige Karola Wenisch, befinden sich nicht nur beruflich auf einer Wellenlänge. Beide teilen die Liebe zu Pferden. Im Jahr 2015 hat Maria Wölfl ihre "MarylandRanch" in Hundsbach für ihre insgesamt sieben Pferde erworben. Von Anfang an in der Ranch untergebracht waren auch die zwei Pferde von Wenisch.

Ein Kind führt, ein Kind reitet. Betreuerin Karola Wenisch begleitet das Trio. Im Hintergrund trainiert Maria Wölfl ein Kind, das auf einem Pony reitet.

Teamfähigkeit lernen

Wölfl und Wenisch nehmen selbst Unterricht in der klassischen Reitweise. Und sind seit Juni offiziell "Hippolini"-Reitpädagogen. Das machen die Angestellten, die beide auch Mütter sind, neben ihrem Job in der Bank freiberuflich. Aufmerksam geworden auf das Konzept sind sie vor rund eineinhalb Jahren. Als eine "Hippolini"-Gastdozentin in Waldsassen das Konzept vorgestellt hat, seien die beiden sofort begeistert gewesen. Und auch die Nachfrage am Kurs war schon da sehr groß, sagen sie. Also überlegten die beiden berufstätigen Mamas nicht lange und starteten ihre Ausbildung zu zertifizierten Reitpädagoginnen nach "Hippolini". "Wir machen es nicht wegen der Wirtschaftlichkeit", betont Wölfl. Beide sagen, es soll ihr Hobby bleiben. Deshalb werden sie in Hundsbach nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen anbieten können.

Auf der privaten Ranch von Maria Wölfl gibt es neben ihren sieben Pferden und den beiden Vierbeinern von Karola Wenisch auch vier Ponys. Sie können von Erwachsenen nur bedingt beritten werden. Damit auch die vier Kleinpferde ausreichend Beschäftigung haben, kommen derzeit zweimal in der Woche kleine Pferdenarren zur Ranch. Sie putzen das Fell der Tiere, kratzen die Hufe aus.

Auch Reiten und das Pony führen gehören zum Programm. "Hippolini" trenne das Lernen eines ausbalancierten Sitzes von dem direkten Einwirken auf das Tier. Ein Kind sitzt auf dem Pony, während ein anderes führt. Da das Konzept auf der Reformpädagogik beruhe, basiere alles auf dem freien Willen der Kinder, weiß Wölfl. "Die Kinder sollen Teamfähigkeit lernen und ihr Selbstvertrauen durch das Zusammenarbeiten in der Gruppe stärken", sagen die Reitlehrerinnen.

Maria Wölfl hilft den Kindern beim Hufe auskratzen.
Das Cavaletti hilft den Kindern, auf das Pony zu steigen. Karola Wenisch (links) hat ein Auge auf die Kinder.

Für Reiteinsteiger

"Hippolini" diene dazu, die Kleinen an den angstfreien und sicheren Umgang mit den Vierbeinern heranzuführen. "Es ist ein Reiteinstiegskonzept. Bevor die Kinder im Sattel sitzen und die Zügel selbst in der Hand halten", sagt Wölfl. "Vor allem kleineren Kindern reicht es oft auch, das Pferd zu berühren oder nur von ihm getragen zu werden", weiß Wenisch. Die mehrmonatige Ausbildung zu "Hippolini"-Lehrerinnen absolvierten beide Frauen im März 2019 in der sächsischen Kleinstadt Elterlein. Und sind damit zwei von insgesamt rund 400 speziell ausgebildeten Reitpädagoginnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sagen sie stolz. Das "Hippolini"-Konzept, so die beiden Reitlehrerinnen, gebe es seit Mitte der neunziger Jahre und ist vom "FN", der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, anerkannt. Die Zertifizierung dafür müsse alle drei Jahre aufgefrischt werden.

Die Fahne in das Hütchen stecken - und das vom Rücken des Ponys aus. Manchmal ist das eine ganz schön wackelige Angelegenheit.

Tropfnass, aber glücklich

Am Ende der Kursstunde schildern die Kinder ihre Eindrücke. Maria Wölfl und Karola Wenisch wollen wissen, wie es den Kindern in ihrer ersten Reitstunde nach den Weihnachtsferien ergangen ist. Einige von ihnen gaben zu, dass es nach der zweiwöchigen Pause nicht ganz so einfach für sie war und auch nicht alles auf Anhieb geklappt hat. So etwa das Anhalten der Ponys an einer bestimmten Stelle. Dennoch waren am Ende alle glücklich und zufrieden.

Auch die neuen Reitstiefel haben den ersten Einsatz gut überstanden. Denn kurz vor Schluss rieselte es nasskalte Tropfen. Doch das machte den Pony-Narren überhaupt nichts aus. Und so wurde auch das letzte Viertel der Stunde durchgepowert und den Tropfen getrotzt.

Mit der Fahne geht es ein Mal quer über den Reitplatz.
Am Ende sprechen die Betreuerinnen Karola Wenisch (links) und Maria Wölfl mit den Kindern über die "Hippolini"-Stunde.
Hintergrund:

Das "Hippolini"-Konzept

"Hippolini", das sich aus den Wörtern "Hippologie" (wissenschaftliche Pferdekunde) und "Bambini" (italienisches Wort für Kinder) zusammensetzt, ist ein reitpädagogisches Konzept. Es richtet sich an Kinder im Grundschulalter. Sie sollen in Gruppen den Umgang mit den Tieren und reiterliches Können ihrem Alter entsprechend erlernen. Dabei geht es nicht nur um die Beziehung zwischen Kind und Pony, sondern auch um das zurechtkommen in einer Gruppe. Das "Hippolini"-Konzept bereitet Kinder auf eine fundierte Reitausbildung vor. Die zertifizierten Lehrer bringen einen tierfreundlichen Umgang und ein angstfreies und ausbalanciertes Sitzen auf dem Pony bei.

Die Kurse eignen sich grundsätzlich für alle Kinder ab der ersten bis zur vierten Klasse. In Hundsbach bieten Maria Wölfl und Karola Wenisch momentan die jeweils für ein halbes Jahr laufenden, wöchentlich stattfindenden Kurse "Hippolini 1" (Einsteigerkurs) und "Hippolini 2" (für Kinder mit Reiterfahrung) an. Sie starten jeweils zum Schulhalbjahr. Auch einen "MiniClub", der im zweiwöchigen Rhythmus stattfindet und sich an Kindergartenkinder im Alter von 3 bis 6 Jahren richtet, gibt es. Bei ihm geht es weniger um das Reiten. Im Fokus steht hier der Kontakt mit dem Pony und das spielerische Heranführen an den Umgang mit den Tieren, aber auch der Abbau von möglichen Ängsten. Ab März diesen Jahres wird das Programm um den Kurs "Hippolini 3", die Fortsetzung der ersten beiden Kurse, erweitert. Er läuft ein ganzes Schuljahr.

Die Reitlehrerinnen planen außerdem, ab Herbst diesen Jahres ihr Angebot um das "Wiehernde Klassenzimmer" zu erweitern. "Pferde sind in der Verhaltenstherapie angekommen", freut sich Karola Wenisch. Das Tier könne Kinder positiv beeinflussen. Für Maria Wölfl ist das Pferd ein "Seelentier".

Deshalb wollen die beiden ihre Kompetenz erweitern. Das "Wiehernde Klassenzimmer" fördert eine bessere Konzentrationsfähigkeit und die Motorik der Kinder. (sfo)

Im Blickpunkt:

Begehrte Kursplätze

Derzeit sind 25 Kursplätze in Hundsbach vergeben. Die Kurse sind bereits alle ausgebucht. Schnuppern ist allerdings nach vorheriger Anmeldung jederzeit möglich. Die frühestmögliche Chance, einen freien Kursplatz zu bekommen, gibt es im September diesen Jahres. Interessierte können sich auf eine Warteliste setzen lassen. Auch im Rahmen des Ferienprogramms Waldsassen können Kinder im "PonyClub" erste Pferdeerfahrung sammeln. Für weitere Infos und Anmeldung sind Maria Wölfl und Karola Wenisch unter hippolini-marylandranch[at]mail[dot]de zu erreichen. (sfo)

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