09.04.2019 - 15:02 Uhr
IllschwangOberpfalz

Frauenkreis auf der Suche nach alten Dialektwörtern

Der alte Sulzbacher Landkreis ist eine wahre Schatztruhe mit Bräuchen und alten Dialektwörtern. Und der evangelische Frauenkreis weiß bestens Bescheid, wenn von Vedda, Basl und Fosnad die Rede ist.

Die im Dialekt versierten Damen des Frauenkreises graben mit den Referentinnen Hannelore Stielper (links) und Karin Rümpelein (Dritte von links) längst vergessene Begriffe für Bräuche und Feierlichkeiten aus.

Der Abend des Frauenkreises stand unter dem Motto „Wos alles okumma is – Feierdoch und alte Bräuche“. Mit Hannelore Stielper aus Mittelreinbach und Karin Rümpelein aus Gaisheim waren zwei Expertinnen in Sachen Dialekt ins evangelische Gemeindehaus gekommen. Die beiden Frauen beschäftigen sich seit ein paar Jahren damit, alte Begriffe auszugraben, aufzuschreiben und vor allem an die Jugend weiterzugeben.

Dieses Mal waren sie den Festlichkeiten und alten Bräuchen im Jahresablauf auf der Spur. Die Frauen der Illschwanger Gemeinde trugen viel aus ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz bei. Damals war es üblich, beim „Gschbusi heimlich zu fensterln“ oder sie sind „vakubbelt worden“. Wenn sie dann „zammkumma san“, wurde der „Hoaugzadloda“ beauftragt, zur „Hoaugzad“ einzuladen.

Die Braut kam dann mit „Kammerwong und Kaou“, und alle konnten sehen, was sie für „Aussteier“ mitbringt. Gab es später was „Kloins“, musste das Kind bald getauft werden, denn als „Heide“ durfte es nicht unter die Leute. Der Abend gestaltete sich sehr kurzweilig, denn die Frauen erzählten von der „Taf“ (Taufe) und vom „Beichn“ (Konfirmation). Bei einen Todesfall wurde anno dazumal der „Leichbeda“ beauftragt, die Nachricht kund zu tun und die Verwandtschaft zur „Leich“ (Beerdigung) einzuladen – Todesanzeigen in der Zeitung gab es noch nicht. An Lichtmess wechselte das „Aihaldn“ (Dienstboten), an der Fosnad“ (Fasching) sind die Kinder von Haus zu Haus „Maschkara ganga“. Von Osterbräuchen (Räidloier fam und Räidloier schmeissn) ging es zum Bellzamerdl und Weihnachten mit „Silberfan“ und „echte Kirzn“. Für Heiterkeit sorgten die Bezeichnungen für die liebe Verwandtschaft: „Vedda“, „Basl“, „Ana Gschwisda Kina“ (Onkel, Tante, Cousin und Cousine), „Haalel“ (Großvater) und „Afaerl“ (Großmutter).

Thematisiert wurden auch Rituale, die dem Aberglauben entsprungen waren: Am Faschingsdienstag durfte man nicht stopfen oder flicken, da dann die Hühner keine Eier mehr legen würden – man nähte ihnen sinnbildlich den Hintern zu. Wäschewaschen an den „Undernachdn“ (Tage zwischen Weihnachten und Dreikönig) brachte Unglück in der Familie und beim Vieh. Hannelore Stielper und Karin Rümpelein notierten sich die Ausdrücke, gaben den Frauenkreis-Damen aber noch eine Hausaufgabe auf: Diese alten Dialektwörter und Begriffe sollten sie ab und zu verwenden und sie so auch an Kinder und Enkel weitergeben – damit der schöne Sulzbacher Dialekt lebendig bleibe.

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