20.01.2019 - 17:58 Uhr
Ilsenbach bei PüchersreuthOberpfalz

Bürgerinitiative gegen den Süd-Ost-Link

„Die heimatfressende Monstertrasse bekommt hier ein Gesicht“, sagt MdL Tobias Gotthardt vor der etwa 30 Meter breiten Wand, die die Bürgerinitiative „NEW/WEN für eine dezentrale Energiewende gegen die Monstertrasse“ aufgebaut hat.

Die Zuhörer stammen aus dem ganzen Landkreis, die meisten davon jedoch aus Orten, durch die die Trasse führen soll.
von Gabi EichlProfil

Die Wand am Ortseingang, die zeigen soll, welche Dimensionen der Süd-Ost-Link habe, sei noch zehn Meter schmäler als die tatsächliche Trasse, erklärt BI-Sprecher Josef Langgärtner, der den Süd-Ost-Link als „Super-Gau für unsere schöne Landschaft und weiteren Sargnagel für unser bereits angeschlagenes Klima“ bezeichnet. Dabei sei man hier keineswegs angetreten, um sich nach dem St.-Florians-Prinzip für eine Verschiebung der Trasse auszusprechen. Das Vorhaben berücksichtige jedoch das Mitbestimmungs- und Widerspruchsrecht der Bevölkerung vor Beginn der Planung nicht. „Es ist Völkerrecht, das uns hier verwehrt wird.“

Trasse für Kohlestrom

Die WAA in Wackersdorf hätte damals 138 Hektar Wald und Flur zerstört, die hier geplante Trasse werde 1000 Hektar zerstören. Das Argument, die Trasse diene dazu, Windstrom von Norden nach Süden zu transportieren, bezeichnet Langgärtner als „Fake News“. Tatsache sei, dass der Ausgangspunkt der Trasse mitten im Kohleabbaugebiet im Osten Deutschlands liege. Die BI habe mit Hilfe der Angaben im Netzentwicklungsplan für 2030 errechnet, dass die im Norden an Land und zu Wasser erzeugte Windenergie gerade einmal zu 57 Prozent für die eigenen norddeutschen Bundesländer ausreiche. „Welcher Windstrom soll in diese Leitung eingespeist werden?“ Die Leitung sei folglich dafür vorgesehen, auf lange Zeit den höchst schädlichen Kohlestrom zu verkaufen. Zu einem der Hauptargumente der Netzbetreiber, der Versorgungssicherheit, sagt Langgärtner: „Wie einfach wäre es in so einem Fall, Süddeutschland zu einem Blackout zu verhelfen?“ Eine einzige Aktion an der richtigen Stelle würde genügen.

„Stromtrassen sind nicht die Energiewende, Stromtrassen erzeugen keine Energie“, sagt der BI-Sprecher unter dem Applaus der Zuhörer. Und er fordert eine neue Planung mit rechtswirksamer frühzeitiger Öffentlichkeitsbeteiligung, um eine Gesetzgebung für eine echte Energiewende einzuleiten, die nur dezentral sein könne.

Gotthardts Worten zufolge ist die Trasse „Teil eines transeuropäischen Energienetzes“, das sage nur niemand. Bayern brauche die Trasse nicht, hier könne eine eventuelle Stromlücke nach Abschaltung der Atomkraftwerke auch anders geschlossen werden. Wie Langgärtner plädiert der Abgeordnete der Freien Wähler für eine dezentrale Stromversorgung mit erneuerbaren Energien, für die Unterstützung regionaler Netze und Versorger vor Ort statt „irgendwelcher Energieriesen, die uns für Milliarden unsere Heimat zergraben“. Und auch wieder in Anspielung auf die WAA sagt Gotthardt: „Wir san so sturkopfert, wir werden auch diese Trasse verhindern können, wenn wir zammhaltn.“

Dezentrale Lösungen

Bürgermeister Rudolf Schopper betont, man stehe an der Seite der Bürgerinitiative. Wie vor ihm Gotthardt spricht er sich dafür aus, zuzugeben, dass der Süd-Ost-Link nach heutigen Maßstäben eine Fehlentscheidung sei, die man revidieren könne, um statt dessen nach dezentralen Lösungen zu suchen.

Eine weitere Infoveranstaltung der Bürgerinitiative findet an diesem Montag um 19.30 Uhr im Gemeindezentrum in Störnstein statt.

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