20.07.2020 - 13:11 Uhr
ImmenreuthOberpfalz

Bagger bereiten Vollmerbrücke bei Immenreuth ein Ende

Die über 100-jährige Geschichte der Vollmerbrücke endet in dieser Woche. Am Mittwoch und Donnerstag wird die baufällige Wirtschaftswegebrücke in der Gemeinde Immenreuth endgültig abgebrochen.

von Bernhard KreuzerProfil

Von der Deutschen Bahn hatte die Gemeinde Immenreuth die Vollmerbrücke "geschenkt" gekommen, zusammen mit 130 000 Mark für den Abbruch. Das Geld wurde jedoch für dringendere Ausgaben verwendet. Befahrbar für Fahrzeuge ist das Bauwerk seit 1996 nicht mehr. Nur noch Fußgänger und Radfahrer konnten die Verbindung von Döberein und Plößberg zur Gemeindeverbindungsstraße nach Lenau benutzen.

Verschiebung spart Geld

Die desolate Brücke hätte bereits 2019 Jahr abgebaut werden sollen. Ein von der Gemeinde dafür beantragtes Zeitfenster fand die Deutsche Bahn nicht, dafür eine für die Kommune in finanzieller Hinsicht günstige Lösung. Sie regte an, den Abbruch in den Zeitraum der Gleisbauarbeiten zwischen Kirchenlaibach und Marktredwitz zu verschieben. "Ein Glücksfall", sagte Wolfgang Kilgert vom Bauamt. Damit erspart sich die Kommune viel Geld, das bei einer Gleissperrung extra für den Rückbau entstanden wären. "Die Zusammenarbeit mit der Bahn ist sehr konstruktiv und entgegenkommend", unterstrich er.

Für die Vollmerbrücke hätte schon 2019 das letzte Stündlein schlagen sollen:

Immenreuth

Auf rund 200 000 Euro sind die Aufwendungen für den Abbruch geschätzt. Einbezogen darin ist der Ausbau der Widerlager der Brücke. Die Kosten tragen je zur Hälfte die Gemeinde und die Deutsche Bahn. Wolfgang Kilgert hob im Gespräch ebenso die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Würzburger Ingenieurbüro Schmitt heraus. Nicht nur die Vollmerbrücke, sondern alle kommunalen Brückenbauwerke, prüft es regelmäßig. "Es ist fachlich sehr kompetent", betont Kilgert.

Kein Ersatzbau

Die letzten Fahrradfahrer und Fußgänger machten der Brücke am Sonntag noch einen Abschiedsbesuch, ungeachtet der Baustellensperrung. Etwas Wehmut klang mit, denn ein Ersatzbauwerk wird es nicht geben. Alleine eine Brücke nur für Fußgänger und Radfahrer würde einen siebenstelligen Betrag erreichen. Dazu kommen die regelmäßigen Aufwendungen für Brückenprüfung und Unterhalt. Noch gefunden werden müssen neue Strecken für die Wanderwege, die über die Brücke führten.

Hintergrund:

Vollsanierung damals für 130 000 Mark möglich

Auf das Jahr 1902 ist das im Balkenplattenmischsystem errichtete Bauwerk datiert. Die Landesgewerbeanstalt hatte im Mai 1995 die Brücke nur noch für den Fußgängerverkehr freigegeben. In der Gemeinderatssitzung vom April 1996 berichtete der verstorbene Bürgermeister Emil Brunner, dass bei einer Ortsbesichtigung die Bahn AG überzeugt werden konnte, die Vollmerbrücke nicht nur auf den Fußgängerverkehr zu reduzieren. Vielmehr solle diese für den landwirtschaftlichen Verkehr bis neun Tonnen offen gelassen werden, da die gesamte Flurbereinigung auf dieses Brückenbauwerk ausgerichtet ist. Allerdings müsse ein Neubau geplant werden.

Die Gemeinderatssitzung vom Februar 1997 enthält den Hinweis vom zuständigen Ingenieurbüro, dass von der Freigabe für schwere Fahrzeuge abgeraten werde. Nach der damaligen Auskunft der Bahn hätte eine Vollsanierung 130 000 Mark gekostet, was den Ausgaben für einen neuen Überbau aus Fertigteilen mit einer Spannweite von zwölf Metern und einer Tragfähigkeit von neun Tonnen entsprochen hätte. Die Bahn erklärte damals die Bereitschaft zu einer Kostenbeteiligung, wenn gleichzeitig die beabsichtigte Elektrifizierung berücksichtigt worden wäre.

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