27.03.2019 - 18:39 Uhr
ImmenreuthOberpfalz

Ein Dienst am Menschen

Arbeit gehöre zum Leben wie Ruhen, Essen oder Trinken, erklärte Pfarrer Reinhard Forster. Sie sei also keine Erfindung irgendwelcher Kapitalisten, sondern sie gebe es schon seit der Erschaffung der Erde.

Pfarrer Reinhard Forster warnt vor ausgeweiteten Öffnungszeiten an Sonn- oder Feiertagen. Der Mensch würde dann auf der Strecke bleiben.
von Roman MelznerProfil

Arbeit gehöre zum Leben wie Ruhen, Essen oder Trinken, erklärte Pfarrer Reinhard Forster. Sie sei also keine Erfindung irgendwelcher Kapitalisten, sondern sie gebe es schon seit der Erschaffung der Erde. Unter diesem Gesichtspunkt ging der Seelsorger in seinem Vortrag "Die Arbeit aus christlicher Sicht" bei der KAB auf die Veränderungen in all den Jahrhunderten ein.

Zunächst beleuchtete er die Entwicklung in den vergangenen 70 Jahren. Nach der Aufbauarbeit nach dem Krieg, von Arbeitszeitverkürzung und dergleichen sei damals noch nicht die Rede gewesen, und dem allmählichen Wandel zur einer "normalen" Arbeit, folgten erst etwa in den 1980er Jahren auch Forderungen nach Arbeitszeitverkürzung, Fortbildung oder Urlaub. Es sei auffallend, dass damit einhergehend die ehrenamtliche Arbeit immer mehr ins Gespräch gekommen sei und dessen Stellenwert bis heute zugenommen habe. Man wollte mit der allmählich wachsenden Freizeit auch etwas tun, meinte Forster.

Er leitete anschließend über zur Bedeutung der Arbeit in der Bibel. Dabei zitierte er bei der Erschaffung unseres Lebensraumes "Macht Euch die Erde untertan". Dies bedeute nichts anderes, als zu arbeiten und so für den eigenen Lebensunterhalt zu sorgen. Selbst die Ruhezeiten seien dabei nicht außer Acht gelassen worden. Denn wie anderes wäre sonst zu verstehen, dass man am siebten Tage ruhen solle. "Arbeit war also schon immer da, sie hat sich aber gewandelt", verdeutlichte der Redner.

Auch im Neuen Testament sei sie präsent. Josef und Maria seien eine Arbeiterfamilie gewesen. Jesus habe sich vermutlich zunächst handwerklich betätigt. Josef sei bis heute der Schutzpatron der Arbeitenden und der 19. März früher als sein Gedenktag sogar Feiertag. Ebenso werde seiner am 1. Mai gedacht - am Tag der Arbeit.

Am Beispiel des Besitzers eines Weinberges schilderte der Referent die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen der Tagelöhner in damaliger Zeit. Dabei ging es weniger um gleichen Lohn für gleiche Arbeit, sondern um Entgelt, um das Überleben der Arbeitssuchenden sicherzustellen. Die Arbeit ist laut Forster Dienst am Menschen, und diese sollten dabei nicht zu Konkurrenten werden. Eingehend auf die heutigen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt sprach der Pfarrer warnende Worte. Arbeit müsse immer Vorrang vor dem Kapital haben, der Mensch habe Vorrang vor der Maschine und schließlich entscheide der ethische Wert einer Sache, was noch zulässig sei und was nicht.

Beispielsweise wurde versucht den Sonntag ganz abzuschaffen. Als sich zeigte, dass dadurch keine Erhöhung der Produktionsleistung einherging, sondern sogar eine Minderung, ließ man diesen Versuch wieder fallen. Ähnliche Gedanken machte Forster sich auch über die immer stärker ausweitenden Öffnungszeiten von Supermärkten oder verkaufsoffenen Feiertagen. Freizeit und Sonntage würden immer mehr ausgehöhlt. Auf der Strecke bleiben der Mensch und vor allem die Familien. Abschließend übergab die Vorsitzende Claudia Porst an Forster ein kleines "Fastengeschenk" für sein leibliches Wohl.

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