16.10.2018 - 14:40 Uhr
ImmenreuthOberpfalz

Die "Krankenhausvermeider"

Viele unheilbar kranke Menschen wollen in den eigenen vier Wänden sterben. Die "Spezialisierte Ambulante Palliativ-Versorgung Waldnaab“ hilft diesen Patienten, möglichst lange zu Hause leben zu können.

Angelika Wegmann (stehend) erläutert den Hospizdienst der Caritas im Landkreis vor. Matthias Rössle (rechts) macht dies zuvor für die Spezialisierte Ambulante Palliativ-Versorgung Waldnaab“.
von Bernhard KreuzerProfil

Der Welthospiztag an vergangenen Samstag berührte auch das Treffen der Seniorenbeauftragten des Landkreises Tirschenreuth in der Familienferienstätte. Die Palliativ- und Hospizarbeit rückten sie in den Mittelpunkt der Tagung.

Während die palliative Versorgung medizinisches Wissen mitbringe, sorge Hospiz für die Zeit für die Betreuten. Matthias Rössle stellte hier die "Spezialisierte Ambulante Palliativ-Versorgung (SAPV) Waldnaab" vor. Die Station auf Rädern bestehe aus einem Team von Ärzten und Krankenpflegern. Sie ermögliche einen an "einer lebensbegrenzenden Krankheit leidenden Menschen möglichst lange zu Hause zu bleiben". Zweidrittel wollten in den eigenen vier Wänden sterben. Nur einem Viertel sei dies vergönnt, berichtete der pflegerische Leiter.

Vor zwei Jahren begann die Arbeit der SAPV Waldnaab in den Landkreisen Tirschenreuth und Neustadt/Waldnaab sowie in der Stadt Weiden. Sieben Träger sind in ihr zusammengeschlossen. Die SAPV werde nach ärztlicher Verordnung bei lebensbegrenzenden Krankheiten, die eine aufwendige Versorgung benötigen, tätig. Der Hausarzt werde nicht ersetzt. Eine Konkurrenz zu Pflegediensten entstehe nicht. Palliative Medizin sei aber auch keine Notfallmedizin, ließ Rössle wissen. "Wir sind die Krankenhausvermeider." Der Patient solle sich im eigenen Heim wohlfühlen, Krankheitskosten sollen so gesenkt und Beschwerden bekämpft werden.

Auf der letzten Wegstrecke des Lebens begleite der Hospizdienst Menschen. Dabei sei es nicht immer leicht, die Interessen des Sterbenden und die der Mitmenschen seiner Umgebung zu vereinen, führte Angelika Wegmann von der Caritas Tirschenreuth aus. Die Koordinationsfachkraft für die Hospizarbeit im Landkreis sieht ihre Aufgabe nicht alleine darin, den Patienten zu begleiten. Es gelte, die Angehörigen zu unterstützen und zu entlasten, Zeit, Geborgenheit und Nähe anzubieten.

Der Hospizdienst kann derzeit im Landkreis auf 25 ehrenamtliche Kräfte zurückgreifen. 15 werden bald ihre Ausbildungskurse, die über Spenden finanziert werden, abschließen. "Wir gehen nach Hause, ins Pflegeheim und ins Krankenhaus", sagte Wegmann. Einzige Voraussetzung für die Annahme ihres Dienstes sei das Einverständnis des Betroffenen oder des Bevollmächtigten. Der Hospizdienst der Caritas erfährt eine Erweiterung. Die Trauerarbeit wird im November aufgebaut und beginnt 2019. Trauercafés oder ähnliche Begegnungsstätten werden eingerichtet.

Bei seiner Vorstellung der Gemeinde, die zurzeit 39 Flüchtlinge konfliktlos gut integriert hat, dankte amtierender Bürgermeister Josef Hecht den Seniorenbeauftragten für ihre Arbeit. Für Immenreuth konnte Seniorenbeauftragter Eberhard Besold auf die große Entlastung durch die örtlichen KAB auf diesem Gebiet verweisen. Dadurch könne er Rentenberatung, Grundsicherung, Wohngeld, Vorsorgevollmachten oder Wohnberatung in den Mittelpunkt seiner Tätigkeit stellen. Laut Besold rückt 2019 das Bildungsangebot für ältere Menschen über den Umgang mit der digitalen Welt in den Fokus. Im Landkreis laufe dazu ein Modellversuch, ergänzte Kreisseniorenbeauftragter Ludwig Spreitzer.

Zur dritten Quartalsversammlung treffen sich die Seniorenbeauftragten des Landkreises in Immenreuth.

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