30.08.2019 - 10:23 Uhr
ImmenreuthOberpfalz

Märchenhafter Marsch

Wie überzeugt man Kinder in den Sommerferien, freiwillig auf einen knapp 700 Meter hohen Berg zu steigen und noch reichlich viel Spaß dabei zu haben? Die Antwort liefert die Märchenschnitzeljagd des Obst- und Gartenbauvereins.

von Roman MelznerProfil

Rund zwei Dutzend Kinder der "Flötztaler Naturentdecker" des Obst- und Gartenbauvereins trafen sich bei der Kapelle am Schadersberg zum Ferienprogramm. Aufgeregt und gespannt waren die jungen Wanderer, was ihre drei Betreuerinnen Jenny Kassler, Birgit Schindler und Claudia Melzner für sie vorbereitet hatten. Sie teilten die Kinder in zwei Gruppen auf: Die eine machte sich gleich auf den Weg, die andere besuchte bei einem Schadersberger Forstwirt die kleinen Ferkel Hänsel und Gretel, Fritz und Franz sowie die beiden Ziegenböcken Max und Moritz.

Mit einer selbst gestalteten Schatzkarte ging es dann im Zick-Zack-Kurs hinauf auf den 696 Meter hohen Tannenberg, wobei die Kinder mehrere Stationen erfolgreich absolvieren mussten. Die zweite Gruppe folgte auf dem gleichen Weg etwa eine viertel Stunde später. Bereits am Ortsrand von Schadersberg kurz vor dem dunklen Wald wartete eine mittelalterlich gekleidete Frau (Birgit Schindler) auf die Wanderer. Sie erzählte den Kindern die Geschichte der Brüder Grimm vom "Brüderchen und Schwesterchen". Bei dem Märchen, in dem sämtliche Brunnen und Quellen von einer Hexe mit einem Verwandlungszauber belegt wurden, durften die tapferen Weggesellen sogar daraus trinken.

Weiter ging es den steilen Berg hinauf - keines der Kinder beschwerte sich dabei auch nur einmal sich über die schwülen Temperaturen an diesem Tag. Im Gegenteil - die Buben und Mädchen machten mit dem Handy Fotos. Bei einer Waldlichtung entdeckten sie eine weitere Figur am Wegesrand. Es war die ebenso aus einem Märchen bekannte Struwelliese (Ilse Braun). Sie erzählte von einem Mädchen, das sich nicht wäscht, faul und unpünktlich ist sowie nicht auf seine Eltern hört.

Immer wieder zeigte die Erzählerin Utensilien: Sie erzählte, wie die Struwelliese von einem alten Wecker täglich geweckt wurde oder bietet den Kindern Karotten an, die sie anstatt des Unkrauts aus dem Boden zupfte. Ausgestattet mit genügend Gemüse, das ein Teil der jungen Nachwuchsgärtner gleich an Ort und Stelle vertilgte, ging es weiter zum höchst gelegenen Ort bei dieser Wanderung - die Tannenberger Bergwachthütte. Vor einem großen runden Tisch wartete dort bereits die Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Maria Frauenholz auf die Wanderer, ebenso als Märchenerzählerin verkleidet.

Sie las aus einem großen alten Märchenbuch die Geschichte vom "Rapunzel" vor. Auffallend gut kannten sich die Kinder hier aus. Sie wussten, dass es sich bei Rapunzel genau genommen um eine Art Feldsalat handelte, dessen Name ebenso ein Mädchen trug, das in einem Turm eingesperrt von einem Prinzen gerettet wurde. Erst erschrocken, aber dann mit viel Gelächter bedachten die jungen Zuhörer die Stelle, als die Erzählerin rief "Rapunzel, lass' dein Haar herunter!", denn aus dem oberen offenen Fenster der Bergwachthütte flog plötzlich ein mehrere Meter lang geflochtener Zopf herab. Danach ging es bergab Richtung Plößberg durch den dunkleren und somit schattigen Teil des Waldes.

Dort saß mitten auf einem alten großen abgesägtem Baumstumpf ein Kartoffelkloß (Isabelle Striegl). Sie erzählte ihre Geschichte mit einem Märchenbilderschaukasten, bei dem sie den Kindern selbst gemalte Bilder eines "oberpfälzischen Spotzen" zeigte, der auf seiner Reise vielen hungrigen Mäulern entkam, bis er eines Tages beim listigen und schlauen Fuchs sein Ende fand. Hier sangen die Buben und Mädchen das Lied vom Kartoffelkloß bei jedem Teil des Märchens immer fleißig mit, bevor sie wie bei den anderen Stationen eine kleine süße Belohnung bekamen. Bei der vorletzten Station am Fuße des Tannenbergs wartete Manfred Frauenholz mit der "Geschichte von der starken Maus" auf die Wanderer.

Er gab den kleinen Zuhörern eine Botschaft mit auf den Weg. Bei der Geschichte versuchte eine ganze Bauernfamilie, eine Kartoffel aus dem Boden zu ziehen. Erst als die Hofmaus am Ende der ziehenden Kette mithalf, das Gemüse aus dem Boden zu ziehen, gelang endlich das Vorhaben. Ebenso schnell begriffen lautstark die "Flötztaler Naturentdecker" die Botschaft an diesem Tag. Erst wenn Jung und Alt zusammenhalten, wie die Kinder und die vielen Mitwirkenden an diesen Tag, kann erst eine schönes Erlebnis gelingen. Bei einem kühlen, aber vor allem verdienten Eis ließen die jungen Akteure am Plößberger Spielplatz den Nachmittag ausklingen.

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