(bkr) Ohne Helga Schweizer keine Schulbücherei. Es war Anfang 2015, als im Gemeinderundbrief ehrenamtliche Kräfte für die Betreuung der Bücherei gesucht wurden. Nur Helga Schweizer meldete sich. 1949 wurde sie in Augsburg geboren. Als Kind von Heimatvertriebenen durchlebte sie eine enthaltsame Kindheit. "Bücher sind meine Leidenschaft seit meiner Kindheit", sagt sie. Doch diese Leidenschaft nahm ihr ein bildungsfernes Elternhaus in jungen Jahren. Lesen wurde ihr verboten. "Lesen ist nicht gesund", hieß es. Nur drei Bücher hatte sie damals, heute sind es rund 1500, die sie verwaltet. "Ich hatte nur drei Bücher. Andere musste ich mir ausleihen", verrät Helga Schweizer.
Mit der Bücherei für das Schulzentrum verwirklichte sie sich einen Kindheitstraum. In den Sommerferien 2015 brachte sie mit viel persönlichem Einsatz die alte "Rumpelkammer" von Bücherei mit 800 Exemplaren wieder auf Vordermann, machte sie zu einem Schmuckkästchen. Alles musste erfasst und neu registriert werden. Steffi Danzer vom Förderzentrum stand ihr zur Seite. Jeden Dienstag und Freitag steht sie seitdem in der Schulbücherei. Wenn die Schüler ihre ausgeliehenen Bücher zurückbringen und neue Lektüren mitnehmen, ist im Raum ein Gedränge, als ob ein Sack Flöhe ausgelassen worden wären.
Schweizer war Sozialpädagogin für die Betreuung spezialdementer Kranker. Ihre Erfahrungen aus der Kindheit und der Bücherei waren auch der Motor in der Arbeit für Flüchtlingskinder. "Man kann sie nicht im Nichts hängen lassen", betont sie rückblickend, als im Mai 2016 Flüchtlingsfamilien mit ihren Kindern von Wiesau nach Immenreuth verlegt wurden. Sie gewann den Eindruck, es geschehe nichts, die Flüchtlinge würden alleine gelassen.
Helga Schweizer fasste den Entschluss, sich um die Kinder zu kümmern. In die Schule sollten sie gehen ohne Deutsch zu verstehen. "Es war ein Chaos", erinnert sie sich. Unter die deutschen Kinder sollten sie kommen. Als erstes wurde ihnen beigebracht zu sagen wie sie heißen, woher sie kommen und wie alt sie sind. Zusätzlicher Deutschunterricht wurde organisiert und die Hausaufgabenbetreuung übernommen. Sieglinde Stelzl und Gerhard Rippl sind heute hier noch aktiv.
Helga Schweizer findet es als wichtig, dass Kinder auf Papier lesen können, weil ein Teil der Ausdrucksfähigkeit nicht verloren gehen darf und die Fantasie angeregt wird. Aus diesem Grund belebt sie wieder das Leseprojekt an der Schule. Zwei Jahre macht sie das schon. Nach Fasching geht es mit einer Stunde an jedem Freitag weiter.
Zeit bleibt auch noch für den Bibelkreis, den sie seit 20 Jahren organisiert. "Ehrenamt macht Spaß. Man profitiert selbst viel davon", sagt Helga Schweizer und: "Man macht etwas Sinnvolles."













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