02.04.2019 - 14:40 Uhr
ImmenreuthOberpfalz

Mehr Leben im Alltag zulassen

Ein Zeichen, dass die Fastenpredigten in Immenreuth den Nerv der Zeit treffen, waren die wenigen freien Parkplätze vorm Gotteshaus. Auch die Tatsache, dass alle Gotteslobe vergriffen waren, sprach für sich. Der Prediger tat ein Übriges.

Kein Blatt vor dem Mund nimmt der gebürtige Immenreuther Pfarrer Markus Schmid bei der zweiten Fastenpredigt in der Herz-Jesu-Pfarrkirche.
von Roman MelznerProfil

Kaplan Justin Kishimbe begrüßte zur Fastenpredigt neben den Firmlingen auch den gebürtigen Immenreuther Pfarrer Markus Schmid von St. Josef in Weiden zu seinem "Heimspiel". "Immer alles perfekt - selber aber k.o.", lautete dessen Überschrift über die zweite Fastenpredigt 2019.

Nach der von Elisabeth Skolaude vorgetragenen Lesung ging Schmid auf seine Andalusien-Reise ein. Die Region an der spanischen Südküste sei vor langer Zeit von Muslimen regiert gewesen. Diese seien bekannt für ihre hervorragende Architektur. Jedes ihrer Gebäude durfte aber nicht perfekt sein. Irgendwo mussten die damaligen maurischen Baumeister ein krummes Fenster, eine schiefe Dachrinne oder einfach nur eine schiefe Wand einbauen. Der Grund dafür sei in deren Glauben zu finden. Nichts auf der Welt dürfe perfekt sein, denn es gebe nur einen, der perfekt ist. Diese Weisheit übertrug der Geistliche auf die heutige, gestresste Gesellschaft. Er sprach vom Alltagsstress, wie eine "perfekte Dekoration für den Kommuniontisch zu finden oder die geeignete Location mit Musik für die Hochzeit". Auch meine man, immer eine Musterfamilie vorzuweisen zu müssen. "Das ist alles Mist", verdeutlichte Schmid in seiner bekannten direkten Art. Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper sei viel wichtiger als das tägliche Outfit.

Nicht nur die Firmlinge und Gottesdienstbesucher müssten wissen, wer und was im Leben wichtig sei, nannte Schmid als erste Säule seiner Botschaft. Auch Jesus habe sich Prioritäten gesetzt, da er einen klaren Auftrag von Gott auf Erden hatte. Die Kommunion der Kinder als solches sei wichtiger als die Tischdekoration, sagte Schmid in Richtung der Eltern. Den Firmlingen verdeutlichte er, dass Firmen auch Wollen bedeute, für das man etwas tun müsse.

Die zweite Säule betrifft die Gelassenheit und ein gewisses Maß an Gottvertrauen. "Grübeln Sie nicht so viel in den Tag hinein und macht euch nicht so viele Sorgen." Gott ernähre auch Vögel, die nicht sähen und nicht ernten. Allerdings sei ein Mensch ohne jeden Ehrgeiz schnell auch ohne jeden Antrieb. Vielen Menschen raube die Verantwortung und ihr Drang, alles perfekt und am besten alles selber zu machen, oftmals den Schlaf. Auch mit etwas Abstand und in einem Miteinander ließen sich viele Aufgaben oftmals leichter lösen, meinte Schmid.

Aus den ersten beiden Säulen ergebe sich eine dritte tragende Säule, mehr Leben im Alltag zuzulassen. Der Perfektionismus an sich habe keine Ziele mehr, da er ja bereits perfekt sei. Es gebe auch bei Christen mit Gott nur eine Nummer eins, die perfekt ist. Pfarrer Justin dankte am Ende für das Kommen sowie den Bunten Tönen für die musikalische Gestaltung.

Hintergrund:

Pflegesohn bringt zum Nachdenken

Die drei Säulen „Prioritäten setzen“, „Gelassenheit“ und „Leben zulassen“ sind das Fundament für mehr Lebensqualität im Alltag, lautete die Botschaft von Pfarrer Markus Schmid. Er erzählte in seiner Predigt auch von seinen zwei Pflegesöhnen, die er in seinem Pfarrhaus in Weiden mit beherbergt. Regelmäßig müsse er diese ermahnen, ihre Zimmer aufzuräumen. Eine alltägliche Situation, die viele Firmlinge mit einem Grinsen dem Geistlichen auch bestätigten. Einmal bekam Schmid von seinem Pflegesohn die Antwort: „Warum denn? Da sieht man wenigstens, dass ich hier lebe!“ Dies sei zwar kein Freifahrtschein für die Kinder, aber dennoch ein Argument, über das wir Erwachsenen ab und zu einmal nachdenken sollten, meinte der Geistliche.

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