30.08.2020 - 11:48 Uhr
ImmenreuthOberpfalz

SOS-Kinderdorf immer noch in Corona-Modus

Corona hat das Leben im SOS-Kinderdorf in Immenreuth kräftig durcheinandergewirbelt. Das Personal sowie die 68 Kinder in den sieben Familien und den drei Wohngruppen haben große Herausforderungen zu bewältigen.

Nur in kleinen Gruppen und unter ständiger Aufsicht dürfen die Kinder die vier Spielplätze im SOS-Kinderdorf zeitlich begrenzt nutzen. Dennoch ist viel Bewegung an frischer Luft ist angesagt.
von Bernhard KreuzerProfil

Gleich beim Ausbruch der Corona-Pandemie im Februar hat sich das Leben im SOS-Kinderdorf Oberpfalz in Immenreuth einschneidend verändert. Äußeres Zeichen an die Bevölkerung ist die Absage der Kulturreihe "Akzente" für die Saison 2020/2021. Die Verantwortlichen überlegen auch, ob das für 2021 geplante große Dorffest, ein Höhepunkt für die ganze Region, auf 2022 verschoben werden muss.

Kinderdorf-Leiter Holger Hassel hatte und hat aber weitaus größere Probleme zu bewältigen. Sie begannen gleich kurz nach dem Ausbruch der Pandemie im Februar und den daraufhin verhängten Auflagen. Der erste Schritt war, in der ersten Woche ein Notfallteam und einen Notfallplan aufzustellen. „Wir waren immer im engen Kontakt mit dem Gesundheitsamt. Auch der Betriebsarzt wurde eingeschaltet“, sagte Hassel im Gespräch mit Oberpfalz-Medien.

Strengere Regeln

Den zweiten Schritt prägte die Überlegung, was getan werden muss, um die Familien und Mitarbeiter zu schützen und das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten. Regeln, die über die allgemeinen Coronaregeln hinausreichten, wurden unter Einbeziehung aller aufgestellt. Alle Familien wurden als eigener Hausstand behandelt. Laut Hassel wäre ein Corona-Fall im SOS-Kinderdorf dramatisch. Die eintretenden Folgen wolle er sich gar nicht ausmalen. Wenn ein Kind infiziert würde, dann hieße dies Quarantäne für die ganze Familie. Würde es allein die Mutter betreffen, könnte sie nicht bei den Kindern bleiben. Eine andere Erzieherin müsste ihre Aufgabe übernehmen, fügte Hassel an. „Die Mütter sind Gott sei Dank alle gesund“, so der Kinderdorf-Leiter erleichtert. Damit das Virus nicht in das Kinderdorf kommt, werden alle neu aufgenommenen Kinder getestet.

"Wir haben strengere Regeln als draußen", stellte Hassel fest. Die Lockerungen der allgemeinen Auflagen änderten nichts an dem eigenen Konzept. Dennoch fiel den Verantwortlichen nach der Meldung, dass nur noch vereinzelt Neuinfektionen im Landkreis zu verzeichnen sind, ein Stein vom Herzen.

Areal in Reviere eingeteilt

Die Devise lautet: „Händewaschen, Abstand halten, in den Ellenbogen niesen, lüften, lüften und nochmals lüften.“ Besuche für die 68 Kinder in den sieben Familien und den drei Wohngruppen wurden untersagt. Dann wurde ein Plan für die Nutzung der Kinderspielplätze ausgearbeitet. Das Kinderdorf ist nun in vier Reviere eingeteilt. Die Spielplätze in den vier Revieren dürfen seitdem nur noch zeitlich begrenzt und unter Aufsicht genutzt – am Vormittag einmal und am Nachmittag zweimal – von jeweils einer Familie oder Gruppe getrennt belegt werden. Radfahren ist höchstens zu dritt erlaubt, beim Spielen an der frischen Luft muss auf ausreichenden Abstand zu den Kindern anderer Familien geachtet werden.

Alle notwendigen Team- und Leitungsbesprechungen finden ausschließlich bei geöffneten Fenstern im großen Saal des SOS-Kinderdorfs statt und werden auf einen möglichst kleinen Personenkreis begrenzt. Eine Mitarbeiterschulung fand in der Turnhalle der Familien-Ferienstätte statt, um die Abstände einhalten zu können. Man muss kreativ sein", meint Hassel. Die Büro- und Arbeitsplätze wurden auseinandergezogen und teilweise in anderen Häusern untergebracht. "Damit ein Mitarbeiter im Ernstfall keinen anderen anstecken kann", erklärt Hassel.

Herausforderung Heim-Unterricht

Zu einer Herausforderung der besonderen Art entwickelte sich der Heim-Unterricht. Von einem Wirrwarr an Programmen spricht Hassel und dem Mangel an EDV-Ausstattung, wenn plötzlich vier oder fünf Kinder einer Familie gleichzeitig am Computer lernen sollten. "Die Drucker liefen auf Hochtouren." Es gab einen enormen Bedarf an Druckerpatronen und -papier.

Trotz der Einschränkungen soll den Kindern das Leben so wenig schwer wie möglich gemacht und Abwechslung geboten werden. Als die Kinder ihre Häuser nicht verlassen durften, lud der Dorfleiter an einem heißen Tag kurzerhand eine mit Eis gefüllte Tiefkühltruhe auf einen Rollwagen. Als Eismann zog er zur Freude der Mädchen und Jungen mit einer Glocke klingelnd von Haus zu Haus.

Auf die großen internationalen Ferientage müssen die Kinder dieses Jahr aber verzichten. So fallen zum Beispiel das Zeltlager am Caldonazzosee in Italien, die Jugendtouren und die Reise an die polnische Ostsee den Hygieneregeln zum Opfer. Bereits im März waren diese Entscheidungen getroffen worden. Nach der Lockerung durften zumindest zwei Familien getrennt in den Bayerischen Wald fahren oder kleinere Gruppen auf Reisen gehen, verriet Hassel.

Vielleicht gibt es aber für die Kinder noch ein kleines Konzert im Freien. Und mittlerweile dürfen die Mädchen und Jungen auch wieder einen Freund empfangen – wenn möglich im Freien und ohne Kontakt zu den anderen Kindern in der Familie.

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Immenreuth
Nur in kleinen Gruppen und unter ständiger Aufsicht dürfen die Kinder die vier Spielplätze im SOS-Kinderdorf zeitlich begrenzt nutzen.
Nur in kleinen Gruppen und unter ständiger Aufsicht dürfen die Kinder die vier Spielplätze im SOS-Kinderdorf zeitlich begrenzt nutzen.
Die Spielplätze im SOS-Kinderdorf werden sehr gerne von Kindern aus der Nachbarschaft genutzt. Die Hygieneregeln lassen dies zurzeit nicht zu.
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