München
08.07.2019 - 20:20 Uhr

Immer mehr Gewalt gegen Polizeibeamte

Die Fälle von Gewalt gegen Polizisten sind 2018 um rund fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Am häufigsten passieren Übergriffe unter Alkohol- und Drogeneinfluss. Der Innenminister plant abschreckende Maßnahmen.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hilft einem Polizisten mit Kugelsicherer Weste einen neuen ballistischen Schutzhelm zu schließen. Bild: Daniel Karmann/dpa
Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hilft einem Polizisten mit Kugelsicherer Weste einen neuen ballistischen Schutzhelm zu schließen.

Bayerische Polizisten werden immer häufiger Opfer von gewalttätigen Übergriffen. Im vergangenen Jahr wurden 4382 Gewaltdelikte gegen Polizisten registriert, 4,9 Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen 2010. 28 Mal verwendeten die Angreifer eine Schusswaffe, 116 Mal Hieb- und Stichwaffen. Hinzu kamen 3307 Beleidigungen und Bedrohungen - auch das ein Höchstwert.

"Ein solches Ausmaß an Hass und Gewalt gegen unsere Einsatzkräfte ist absolut inakzeptabel", erklärte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bei der Vorstellung der Zahlen in München. Als besonders erschreckend empfand er die elf versuchten Tötungsdelikte gegen Polizisten. Nach Angaben Herrmanns gab es 2018 außerdem 79 Attacken auf Feuerwehrleute und 202 auf Einsatzkräfte der Rettungsdienste.

Auf all diese Delikte müsse der Rechtsstaat "mit klaren Strafen antworten". In Mittelfranken und der Oberpfalz laufe derzeit in Zusammenarbeit mit den Staatsanwaltschaften ein Pilotversuch zur priorisierten Bearbeitung von Gewaltdelikten gegen Polizisten und Rettungskräfte. Ziel sei es, die "Strafe auf dem Fuße folgen" zu lassen, um eine abschreckende Wirkung zu erzielen, sagte Herrmann. Auch Hasstiraden und Bedrohungen im Internet sollen konsequenter verfolgt werden.

Fehltage verdoppelt

Betroffen von den Attacken waren 17 367 bayerische Polizisten, 839 mehr als im Vorjahr. Dabei wurden 2566 Beamte verletzt (plus 9,7 Prozent). Die daraus resultierenden Fehltage haben sich seit 2014 auf gut 3900 mehr als verdoppelt. Verantwortlich für die Angriffe waren insgesamt 6563 Tatverdächtige, 909 davon als Mehrfachtäter. 86 Prozent der Angreifer waren - zumeist junge - Männer, zwei Drittel standen unter Alkohol- oder Drogeneinfluss. Die Zahl nichtdeutscher Tatverdächtiger stieg um 170 auf 1884, gut 800 davon waren Zuwanderer.

Mehr "Body-Cams"

Um die Polizisten besser zu schützen, hat der Freistaat in den vergangenen Jahren rund 100 Millionen Euro für eine verbesserte Ausrüstung der Beamten ausgegeben. Neben neuen Schutzhelmen und -westen gehören dazu auch "Body-Cams", die derzeit flächendeckend für alle Polizeidienststellen eingeführt werden. Die Video-Aufzeichnung von Einsatzsituationen habe die Lage oft spürbar deeskaliert, erklärte Herrmann.

Ausgeweitet wird nach Angaben Herrmanns der Einsatz so genannter Elektro-Taser, mit denen ein Angreifer kurzzeitig kampfunfähig gemacht werden kann. Rund 580 Beamte seien an den Geräten bislang ausgebildet worden, berichtete Herrmann. Die Taser sollen demnächst bayernweit für besondere Einsatzlagen zur Verfügung stehen.

 
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